VfB Stuttgart gegen Bayer 04 Leverkusen: Es geht um das letzte deutsche Champions-League-Ticket für die kommende Saison. Aber nur eine Mannschaft hat die validen Unterlagen dabei, die für dieses europäische Premiumformat vonnöten sind: der Verein für Bewegungsspiele aus der Hauptstadt Baden-Württembergs. Die andere Mannschaft dagegen hat ihre Bewerbungsmaterialien vergessen. Wie zuvor schon in zu vielen Bundesligakraftproben. Die Werkself aus dem Rheinland erfüllte am Samstag in Stuttgart nicht einmal die handwerklichen Voraussetzungen, um am Ende dieser Bundesligaspielzeit zumindest einen lukrativen Lohn für die kommende Saison verbuchen zu können. Und das, obwohl die Mannschaft von Trainer Kasper Hjulmand zumindest in der ersten Minute dieser Auseinandersetzung zwischen zwei national wie international ambitionierten Mannschaften hellwach war und schon nach 23 Sekunden durch den Treffer von Aleix Garcia 1:0 führte. Schockschwerenot beim VfB? Von wegen. Nach dem frühen Moment der Überrumpelung rappelten sich die Stuttgarter in Windeseile auf und bestimmten von da an den Verlauf einer einseitigen Begegnung, die die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß am Ende durch die Treffer von Ermedin Demirovic (5. Minute), Maximilian Mittelstädt per Foulelfmeter (45.+2) und Deniz Undav (58.) 3:1 gewann. Und damit den Champions-League-Platz vier einen Spieltag vor Ultimo von Bayer 04 zurückeroberte. Stuttgart fehlt nur noch ein Sieg Weil der VfB gegenüber der punktgleichen TSG Hoffenheim eine um fünf Tore bessere Tordifferenz aufweist, fehlt praktisch nur noch ein Sieg bei der formschwachen Frankfurter Eintracht in der abschließenden Bundesligarunde am kommenden Samstag, um das Ligaziel zu erreichen. Eine Woche später soll dann auch die Titelverteidigung im Berliner Pokalfinale beim Duell mit dem deutschen Meister Bayern München glücken. Schöne Aussichten also für eine homogene und spielstarke Mannschaft, die sich unter der Anleitung von Hoeneß mit ihrem rasanten Ballbesitzfußball kontinuierlich entwickelt hat. Leverkusen dagegen, das in den zwei goldenen Jahren unter der Regie des spanischen Fußballweltmanns Xabi Alonso 2023 erstmals deutscher Meister wurde und ein Jahr später Platz zwei in der Ligaabschlusstabelle belegte, ist mit den Mühen der Ebene während dieser Saison nie so richtig klargekommen. Schon gar nicht mit dem niederländischen Kurzzeittrainer Erik ten Hag zum Beginn dieser Spielzeit und danach auch nicht wirklich mit dem früheren dänischen Nationalcoach und Mainzer Trainer Kasper Hjulmand. Gute und schlechte Leistungen wechselten sich ab, sodass die fehlende Konstanz einer hoch veranlagten Mannschaft dem Bayer-Projekt in dieser Spielzeit nachhaltig schadete. Insider halten es deshalb für wahrscheinlich, dass sich die Wege von Bayer und Hjulmand kurz nach dem Saisonende trennen werden. Andrich kritisiert sein Team Wie labil die Stimmungslage in der Mannschaft ist, verdeutlichte am Samstag der Kapitän Robert Andrich, der nach dem Absacken von Platz vier auf Rang sechs mit drei Punkten Rückstand auf Stuttgart und Hoffenheim Klartext sprach: „Wenn wir ganz ehrlich mit uns sind, reicht es einfach nicht für die Champions League.“ Nach dem frühen Führungstor wurde Leverkusen von einem in sich geschlossenen Team überrollt, das mit großer physischer Wucht und dem unbedingten Ehrgeiz, die letzte Champions-League-Chance zu nutzen, das einseitige Duell bestimmte. „Wir waren mutig, sind früh draufgegangen, hatten eine gute Haltung“, lobte Hoeneß seine Männer. So gewann der VfB Stuttgart kurz vor Toresschluss der Bundesligasaison 2025/26 rasch die Kontrolle und Dominanz über ein einseitiges Spiel. Entsprechend deutlich beklagte auf der anderen Seite der erkennbar bediente Andrich die Haltung seiner Mannschaft: „Heute war ein Sinnbild unserer Saison. Sobald es eng und brenzlig wird, schaffen wir es nicht, als Mannschaft zusammenzustehen. Das ist ein Ding, das mich extrem ärgert, weil es ein Teamding ist.“ Bis auf den verletzten Nathan Tella stand dieselbe Mannschaft auf dem Platz, die in der Woche davor den Ligadritten RB Leipzig mit der besten Saisonleistung mühelos 3:1 besiegt und damit wieder einmal höhere Erwartungen geweckt hatte. Die erfüllten sich indes abermals nicht – ein Musterbeispiel binnen einer sehr wechselhaften Saison, die wahrscheinlich nur zur Teilnahme an der weniger lukrativen Europa-League-Saison 2026/27 reicht. Die Stuttgarter wollen am kommenden Samstag in Frankfurt keinen solchen Leverkusen-Moment erleben. Diese Gefahr scheint beim Blick auf einen starken Trainer und eine stabile Mannschaft mit starken Spielernaturen wie Deniz Undav, dem am Samstag überragenden Ermedin Demirovic oder dem Abwehrchef Jeff Chabot eher gering. Auszuschließen ist aber nichts im Fußball, bei dem der Weg zwischen Mut und Wankelmut manchmal kurz sein kann.
