FAZ 10.05.2026
14:43 Uhr

Vermittler in der Ukraine?: Schröder ist Putins Mann


Putin schlägt Schröder als Vermittler vor. Das würde nur dem russischen Präsidenten nutzen, nicht aber der Ukraine oder Europa.

Vermittler in der Ukraine?: Schröder ist Putins Mann

Gerhard Schröder wäre kein geeigneter Vermittler im Ukrainekrieg, noch nicht einmal ein geeigneter Vertreter Europas, um überhaupt wieder mit Russland ins Gespräch zu kommen. Der frühere Bundeskanzler stand lange im Sold Russlands. Er wäre also weder zwischen Kiew und Moskau ein neutraler Makler noch zwischen Europa und Moskau. In der Ukraine wird ihm niemand Vertrauen schenken, auch in Europa sollte es keiner tun. Schröder ist Putins Mann; dass er sich nach dem Ausscheiden aus dem Amt für (großes) Geld aus Russland entschieden hat, disqualifiziert ihn heute als Diplomaten. Das sollte man sich auch in der SPD eingestehen. Es gibt keinen Weg zurück in die alte Liebedienerei gegenüber dem Kreml, erst recht nicht in die alte Geschäftemacherei über die Köpfe Osteuropas hinweg. Europa muss jetzt seine Interessen wahren, und die liegen in der Abschreckung Russlands und einem Kriegsende, das die Ukraine so stark wie möglich macht. Trump wahrt Europas Interessen nicht Von Trump werden diese Interessen allerdings auch nicht gewahrt, deswegen war es grundsätzlich keine gute Idee, ihm die Verhandlungen mit Putin zu überlassen. Der amerikanische Präsident arbeitet nur auf eigene Rechnung. Die Sicherheitsbelange der Europäer sind ihm im Zweifelsfall egal, wie man gerade wieder an seiner Entscheidung zum Truppenabzug aus Deutschland sieht. Die Europäer unterstützen die Ukraine inzwischen fast allein, auch deshalb sollten sie in der Diplomatie nicht mehr abseitsstehen. Ob Putin wirklich ernsthaft verhandeln will, steht auf einem anderen Blatt. Man wird es aber nicht herausfinden, solange man es nicht ausprobiert.