Zu Hause spricht das Kind normal, doch in der Kita oder der Schule bringt es kein Wort heraus: Selektiver Mutismus nennt sich das Phänomen, von dem in jedem Grundschuljahrgang durchschnittlich ein Schüler betroffen ist. Über die Ursachen ist bisher nur wenig bekannt, und es fehlt an Forschung dazu, obwohl die sozialen Folgen für die Betroffenen schwerwiegend sein können. Die Abteilung für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie der Uni Gießen hat nun zu diesem Thema eine frei zugängliche Onlinelernwerkstatt mit Texten, Videos und interaktiven Übungen eingerichtet. Sie soll Zugang zu fundierten Informationen bieten und zeigen, wie betroffene Kinder unterstützt werden können. Das Angebot richtet sich an Eltern, Lehrer und Erzieher. Die Lernwerkstatt ist unentgeltlich; wer sie nutzen will, muss aber an einer wissenschaftlichen Begleitstudie teilnehmen, die aus einer Vor- und Nachbefragung besteht. Dies dient dem Zweck, das Angebot weiterzuentwickeln. „Selektiver Mutismus stellt betroffene Kinder, ihre Familien sowie pädagogische Fachkräfte vor besondere Herausforderungen“, sagt Christina Schwenck, Professorin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie der Uni Gießen. Wichtig sei die Früherkennung, etwa durch Erzieher oder Lehrer. Denn je früher selektiver Mutismus behandelt werde, desto besser.
