FAZ 08.05.2026
14:13 Uhr

Trotz Irankrise: British Airways sieht keine Kerosin-Notlage


Die größte englische Fluglinie sagt, sie habe genug Treibstoff für den Sommerurlaub. Aber die Kerosinkosten steigen um zwei Milliarden Euro. Anders als Lufthansa hat British Airways noch keine Flüge gestrichen.

Trotz Irankrise: British Airways sieht keine Kerosin-Notlage

Der Mutterkonzern von British Airways versucht, Sorgen von Kunden zu beruhigen, dass im Sommer wegen des Irankriegs eine Kerosin-Notlage drohen könne. Sein Flugkonzern sei sogar „einzigartig positioniert“, um mit der Krise umzugehen, sagte Luis Gallego, Vorstandschef der IAG. Zur International Airlines Group gehören neben British Airways auch die spanische Iberia, die irische Aer Lingus und die Billigfluglinie Vueling. IAG habe sich ausreichend Spritvorräte gesichert. „Wir sehen derzeit keine Probleme hinsichtlich der Kraftstoffverfügbarkeit in unseren Hauptmärkten, zumal wir von der Stärke unserer Lieferkette, unseren Lagerbeständen und insbesondere von unseren Arrangements für die Eigenversorgung an unseren wichtigsten Drehkreuzen profitieren“, sagte Gallego am Freitag bei der Vorlage der Geschäftsergebnisse des ersten Quartals von IAG. Airlines haben schon Tausende Flüge gestrichen Er sei „zuversichtlich“, dass die Airlines der Gruppe den ganzen Sommer über genug Treibstoff zur Verfügung haben werden, obwohl Iran die Straße von Hormus in den vergangenen Wochen blockierte, durch die vor dem Krieg etwa ein Fünftel der Rohöltransporte der Welt verlief. Diese Einschätzungen gelten „nach unserem gegenwärtigen Wissen“, fügte Gallego relativierend hinzu. Verschiedene Airlines haben wegen drohenden Treibstoffmangels schon mehrere Tausend Flüge gestrichen und Kapazitäten reduziert. Wie das Luftfahrtanalyseunternehmen Cirium diese Woche mitteilte, wurden allein für Mai etwa 13.000 Flüge abgesagt. Das entspreche rund zwei Millionen Sitzplätzen. Besonders stark reagiert hat offenbar die Lufthansa auf die Treibstoffkrise. Deutschlands größte Fluggesellschaft nahm rund 20.000 Kurzstreckenverbindungen aus ihrem Sommerflugplan heraus und setzt auf kurzen Strecken verstärkt kleinere Maschinen ein, die weniger Treibstoff verbrauchen. Zwei Milliarden Euro für Kerosin Solche Pläne hat die Muttergesellschaft von British Airways und Iberia bislang nicht bekannt gegeben. Nur vereinzelt wurden Flüge in den Nahen Osten gestrichen. Allerdings belastet der starke Preissprung bei Treibstoffen auch die IAG erheblich. Die Ausgaben für Kerosin würden in diesem Jahr um gut zwei Milliarden Euro steigen – von sieben Milliarden auf neun Milliarden Euro. Die Kerosinpreise haben sich seit Februar in manchen Märkten mehr als verdoppelt. Dass der Mutterkonzern von British Airways nicht noch größere Belastungen verbuchen muss, liegt an einem hohen Grad an Absicherungen durch Termingeschäfte. Etwa 70 Prozent des Kerosinbedarfs dieses Jahres seien preislich abgesichert. Zum Teil müssen auch die Kunden mehr bezahlen. IAG plant, 60 Prozent der gestiegenen Kerosinkosten durch höhere Flugticketpreise und Einsparungen auszugleichen. In den ersten drei Monaten dieses Jahres hat IAG noch sehr gute Geschäfte gemacht. Der Umsatz stieg um 1,9 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Die Vorsteuergewinne haben sich gegenüber dem Vorjahresquartal auf 422 Millionen Euro nahezu verdoppelt. Die vier Fluglinien der IAG beförderten in den Monaten Januar bis März 26 Millionen Passagiere. Analysten bewerteten die Lage von IAG positiv. Aarin Chiekrie, Aktienanalystin von Hargreaves Lansdown, sagte: „Insgesamt ist IAG weiterhin in guter Verfassung. Wir sind der Ansicht, dass das Unternehmen dank seiner Ausrichtung auf Premiumpassagiere deutlich besser aufgestellt ist, um die aktuellen Herausforderungen des Marktes zu meistern, als die meisten seiner Mitbewerber.“ Der IAG-Aktienkurs sank am Freitag um gut zwei Prozent. Seit Jahresanfang liegt der Börsenwert nun sieben Prozent im Minus. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate konnte IAG seinen Kurs jedoch um 33 Prozent steigern.