Sieben Jahre hat Oliver Zipse den BMW-Konzern durch schwere Zeiten mit Krisen und Kriegen geführt und dabei Zahlen vorgelegt, die meist deutlich besser ausfielen als bei der Konkurrenz. Am Mittwoch präsentierte der scheidende Vorstandsvorsitzende zum letzten Mal die Quartalszahlen des Münchner Autoherstellers – und musste nach sieben Jahren über einen Gewinneinbruch berichten. Der Grund: Die Zölle in den USA, die es im Vorjahr noch nicht in der Höhe gegeben hat, da US-Präsident Donald Trump seinen Handelsstreit erst im April des vergangenen Jahres losbrach. So verringerte sich bei BMW das Ergebnis vor Zinsen und Steuern um 36 Prozent auf 2 Milliarden Euro. Die Gewinnmarge im Autogeschäft lag bei fünf Prozent und damit in der Mitte der für das Gesamtjahr erwarteten Spanne von vier bis sechs Prozent. Auch der Umsatz nahm ab, und zwar um acht Prozent auf 31 Milliarden Euro. Erst am Wochenende hatte Trump angekündigt, die Zölle auf Fahrzeugimporte aus der Europäischen Union auf 25 Prozent erhöhen zu wollen. Und dennoch blieb Zipse, der nach der Hauptversammlung in einer Woche den Vorstandsvorsitz an Produktionsvorstand Milan Nedeljković übergibt, so optimistisch wie in all den Jahren zuvor. „Die Zollankündigung von Donald Trump ist erst einmal eine Drohung“, sagte Zipse in der Telefonkonferenz, „und sie kommt auch nicht überraschend.“ Er gehe davon aus, dass sobald die Europäische Union den ursprünglich vereinbarten „Deal“ unterzeichne, dieser auch in Kraft treten werde. „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres sorgten die US-Zölle sowie die von der EU auf China-Importe erhobenen Zölle nach Angaben von Finanzvorstand Walter Mertl insgesamt für eine Belastung von rund 300 Millionen Euro. Auftragseingänge auf Rekordniveau Zipse, der 35 Jahre für BMW gearbeitet hat, sieht das Unternehmen für die Zukunft gut aufgestellt. „Unser Geschäftsmodell ist dynamisch“, sagte er, es passe sich schnell an unterschiedliche Markterfordernisse an. So könne etwa die schwache Nachfrage auf dem chinesischen Markt derzeit von der steigenden Nachfrage in Europa abgefangen werden. „Nie zuvor haben wir in Europa so viele Auftragseingänge erzielt wie in den ersten drei Monaten dieses Jahres“, sagte Zipse. Nach Aussage von Finanzvorstand Walter Mertl stiegen die Bestellungen von Elektroautos im ersten Quartal um mehr als 60 Prozent, und der Auftragsbestand reicht bis weit in die zweite Jahreshälfte hinein. In Fernost hat es BMW derzeit so schwer wie viele andere westliche Autohersteller, die bei weiter sinkender Nachfrage einem immer härter werdenden Preiswettbewerb der lokalen Konkurrenz ausgesetzt sind. „Der gesamte Automobilmarkt in China ging im ersten Quartal deutlich stärker zurück als erwartet“, gab Mertl zu. „Neue Klasse“ extra für China Besonders wichtig sind für BMW die Elektromodelle der sogenannten Neuen Klasse. Mehr als 10 Milliarden Euro hat sich BMW diese Technologieplattform kosten lassen. Damit ist die von Zipse maßgeblich angestoßene Neue Klasse eines der teuersten Projekte in der Geschichte der 1916 gegründeten Bayerischen Motorenwerke. Das erste Fahrzeug dieser neuen Modellgeneration, der in Ungarn produzierte BMW iX3, ist seit einigen Monaten bestellbar und wird seit Anfang März an die Händler ausgeliefert. Im August nimmt das Stammwerk München die Fertigung der vollelektrischen Limousine i3 auf, danach folgt dort der i3 Touring. Und in China wird es drei lokal angepasste Versionen der Neuen Klasse geben. „Wir sind richtig aufgestellt, um auch unter herausfordernden Bedingungen nachhaltig erfolgreich zu sein“, sagt Zipse. Für das Gesamtjahr zeigte er sich sehr zuversichtlich, die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Zipses Zuversicht wird Nachfolger Nedeljković einlösen müssen. Der Quervergleich mit der deutschen Konkurrenz ging auch in Zipses 20. Quartal zugunsten von BMW aus. Abermals erzielten die Münchner in absoluten Zahlen einen höheren Gewinn als der Erzrivale Mercedes und der sehr viel größere VW-Konzern. Zwar brach der Überschuss um 23 Prozent ein, die von Januar bis März erwirtschafteten 1,67 Milliarden Euro lagen aber über den Gewinnen in Stuttgart (1,43 Milliarden Euro) und Wolfsburg (1,56 Milliarden Euro).
