Der Schnellste war Markus Krösche nicht. Aber danach strebte Frankfurts Sportvorstand Ende Januar auch nicht. Ihm war wichtig, den richtigen Trainer für die Eintracht zu finden. Den Besten im Hinblick auf die damaligen Möglichkeiten, wie Krösche wiederholt hervorhob, weil sich im Umfeld schon Ungeduld breitgemacht hatte. Also wartete er auf seinen Wunschkandidaten Albert Riera, bis der noch ein wichtiges Spiel mit NK Celje in Slowenien hinter sich gebracht hatte. In der Zwischenzeit verlor Übergangstrainer Dennis Schmitt alle vier Pflichtspiele mit den Hessen. Die Folge: neue Not statt des dringend nötigen Neuanfangs. Doch für Krösche war das in dieser Konstellation zweitrangig. Bei ihm ging Qualität vor Geschwindigkeit. Heute, dreieinhalb Monate später, lässt sich unverblümt festhalten: Die Ruhe, die der Sportvorstand unter Druck bewahrte, zahlte sich für die Eintracht nicht aus. Bei der Trennung von Dino Toppmöller Mitte Januar beschrieb Krösche die Situation zwischen Trainer und Mannschaft als „verkeilt“. Die Arbeitsbeziehung war ohne Aussicht auf Besserung festgefahren, der Sportvorstand sah sich zum Handeln gezwungen. Auch mit Albert Riera steckt Frankfurt in der Klemme Mittlerweile hat ihn die Vergangenheit eingeholt. Jetzt stecken die Frankfurter mit Riera aufs Neue gehörig in der Klemme. Gefangen in einem System, das offensichtlich von gegenseitigem Misstrauen geprägt ist. Trainer und Mannschaft haben bisher nicht so zueinander gefunden, um von einer erfolgreichen Zusammenarbeit sprechen zu können. Vier Siege, vier Unentschieden und vier Niederlagen – mit einem Schnitt von 1,33 Punkten pro Spiel steht Riera sogar schlechter da als sein Vorgänger Toppmöller (1,55). Der selbst ernannte Bessermacher Riera blieb den Beweis seiner von ihm vollmundig angekündigten Fähigkeiten schuldig. Vor allem deshalb ist die Zukunft des Spaniers als Fußballchef des Trainerstabs akut gefährdet. Hinterlässt die Eintracht auch an diesem Freitag (20.30 Uhr, im F.A.Z.-Liveticker und bei Sky) in Dortmund einen schlechten Eindruck, könnten Rieras Tage schon am Wochenende sportlich gezählt sein. Anderenfalls dürfte das letzte Saisonspiel zu Hause gegen den VfB Stuttgart sein letzter Arbeitseinsatz am Main sein – und das, obwohl sein Vertrag bis zum 1. Juli 2028 läuft. Retten könnten Riera womöglich nur zwei überzeugende Auftritte seines Teams mit Erfolgserlebnissen gegen zwei Spitzenmannschaften. Aber damit ist nach den gezeigten Leistungen in den zurückliegenden Begegnungen kaum zu rechnen. Ein nennenswerter finaler Formaufschwung wäre eine Riesenüberraschung. Und würde wichtige Fragen aufwerfen: Warum erfolgte er nicht schon früher? Und hätte er die Substanz für weitere Erfolge in der Zukunft? Auch in dieser Arbeitswoche traf Krösche in der Trainerfrage keine schnelle Entscheidung. Die Freistellung von Riera nach dem 1:2 zu Hause gegen den Hamburger SV hätte viele nicht verwundert. Der Sportvorstand änderte jedoch nichts an der Aufgabenverteilung. Vermutlich weniger aus Überzeugung als vielmehr notgedrungen. Denn eine interne Lösung ergab sich nicht. Der nächste Schritt von Krösche muss sitzen Auch aus Eintracht-Sicht ergab eine zügige Trainerneuverpflichtung keinen Sinn. Muss doch der nächste Schritt für die Frankfurter gerade von Krösche gut überlegt sein. Und kommt es dazu, muss seine Auswahl einer neuen Führungskraft auch sitzen. Zwei gravierende Fehleinschätzungen in Folge könnte sich wohl selbst der Sportvorstand nicht leisten – trotz seiner vielen Erfolge in Personalangelegenheiten in den vergangenen Jahren. Krösche steht in diesen Tagen unter besonderer Beobachtung. Der 45‑Jährige, der ein Jahr älter ist als Riera, verteidigt nach wie vor die Verpflichtung des ehemaligen Nationalspielers, der sein großes Selbstbewusstsein demonstrativ zur Schau stellt. Der Sportvorstand schätzt dessen starke Persönlichkeit, seine klare Meinung und Authentizität. Nur muss dann das Verhalten von Riera in vielfältiger Weise – nach innen und nach außen – auch zu Eintracht Frankfurt passen. Als Leitfigur sollte der Trainer mit gutem Beispiel vorangehen und seine Mitmenschen mitnehmen können. Daran bestehen inzwischen ernste Zweifel. Riera kann sehr stur und unnahbar sein. Er vermittelt den Eindruck, sich kaum zu hinterfragen. Seine Meinung zählt, er hat seinen Kopf. Von sich ist Riera extrem überzeugt. Nach jetzigem Stand ist es unwahrscheinlich, dass der Trainer dazu bereit ist, seine Umgangsformen grundlegend zu ändern und sich an neue Gegebenheiten anzupassen. Auf seinen früheren Stationen wurde er ebenfalls als schwieriger Charakter beschrieben. Als einer, der ordentlich aneckt – und der mit seinen Defiziten an sich selbst scheitern könnte. Auf der wöchentlichen Pressekonferenz vor dem HSV-Spiel hatte sich Riera in Rage geredet. Er fühlte sich angegriffen und teilte gegen die Medien aus. Am Donnerstag hingegen präsentierte sich Albert Riera auf dem Podium freundlich und sachlich. Er war offen den Fragen gegenüber. Intern hatten die Frankfurter konstruktive Gespräche mit ihm geführt. Das half. Krösche muss gewusst haben, welches Risiko er mit der Auswahl von Riera eingeht. Nach Abwägung aller Tatsachen hat er es in Kauf genommen. Es hätte ja auch anders kommen können. Hätte Albert Riera mit der Mannschaft Erfolg, würde sein Auftreten in den Hintergrund rücken. Es bekäme nicht das Gewicht in der momentanen Wahrnehmung. Aber der Trainer brachte das Team mit seinen Vorstellungen nicht auf Kurs. Riera erweist sich nicht als flexibel genug in taktischen Dingen. Für viele Spieler findet er nicht die richtigen Positionen. Auch seine Wechsel in den Spielen sind zu oft nicht zielgerichtet. Und was nicht minder wichtig ist: Der Trainer hat mit seinem wenig einfühlsamen Verhalten Führungsspieler wie Jonathan Burkardt, Ritsu Doan und Mario Götze vor den Kopf gestoßen. Auch Can Uzun, der spielerisch einen Gewinn darstellt, bekam die Launen von Riera zu spüren. Aller Voraussicht nach wird sich Krösche nun einen großen Fehler eingestehen müssen. Dass der umstrittene Riera in Frankfurt nicht als Trainer funktioniert. Vollkommen überraschend kommt das nicht. Ein paar Vorzeichen deuteten von Anfang an darauf hin. „Bis zum letzten Moment werde ich mein Bestes geben. Und wenn es nicht reicht, dann reicht es eben nicht“ – auch das sagte Riera nach dem Misserfolg gegen den HSV. Vor der Partie beim BVB meinte der Trainer nun: „Meine Zukunft ist nicht wichtig. Um sie mache ich mir keine Sorgen. Ich konzentriere mich auf Dinge, die ich kontrollieren kann.“
