FAZ 10.08.2026
13:00 Uhr

Textilwirtschaft: Neue Modemesse in Offenbach


Möglicherweise wird die hessische Großstadt Austragungsort einer neuen Modemesse. Der potentielle Ausrichter hat dafür ein geschichtsträchtiges Gebäude im Blick.

Textilwirtschaft: Neue Modemesse in Offenbach

Offenbach auf dem Weg zur Stadt der Mode: Ein niederländischer Ausrichter will eine neue Messe in der Frankfurter Nachbarstadt ausrichten. Modefabriek hat das auf seiner Website angekündigt. Es soll keine publikumsoffene Schau werden, sondern ein Treffpunkt von europäischen Modemarken und Händlern. Stattfinden soll die Messe laut Mitteilung im Februar 2027 in den Hallen des ehemaligen Metallbauunternehmens Fredenhagen aus dem Jahr 1904 an der Sprendlinger Landstraße. Man wolle Marken eine starke Plattform für den deutschen Markt anbieten und sie bei der kuratierten Messe mit Händlern in Kontakt bringen, heißt es von Modefabriek. Marken könnten dort ihre Kollektionen vorstellen, Händler neue Marken kennenlernen, die eine „klare Position“ auf dem Markt hätten, schreibt das Unternehmen. Gezeigt werden sollen Damen- und Herrenmode, Schuhmoden und Accessoires, mit einem für das Profil der Händler ausgewählten Angebot. Für Fredenhagen als Austragungsort habe man sich entschieden, da der Ort gut zu dem „intimeren und persönlicheren“ Ansatz der geplanten Messe passe. Veranstalter nennt Namen der neuen Messe noch nicht In seiner Ankündigung geht der niederländische Messeveranstalter auf einige Details nicht weiter ein, weder nennt er einen genauen Termin noch einen möglichen Namen der Messe. Diese Angaben werde man in Kürze nachreichen. Allerdings sollen Ende August in Amsterdam, Kopenhagen und Frankfurt Präsentationen stattfinden, bei denen das Konzept interessierten Modemarken vorgestellt werden soll. Offen bleibt auch, ob und welche Auswirkungen das Projekt für die deutsche Ausgabe der Modemesse „Shift“ haben könnte, die ebenfalls in Offenbach stattfinden soll. Ursprünglich war sie für Juli geplant, wurde mittlerweile aber auf das nächste Jahr vertagt. Shift hatte vor einigen Monaten die Modefabriek übernommen, das hatte unter anderem das Branchenportal shoez.biz berichtet, möglicherweise soll das geplante Format Shift ersetzen. Mode statt Maschinenbau Bisher ist Offenbach als Messestadt vor allem durch die traditionsreiche Lederwarenmesse bekannt. Diese wird seit 1949 in der Stadt ausgerichtet und ist nach Angaben der Ausrichter mit rund 6000 Fachbesuchern die weltweit führende Fachmesse für Lederwaren, Taschen, Reisegepäck, Schulranzen und Accessoires. Ebenfalls in der Offenbacher Messe und ebenfalls in zwei Ausgaben pro Jahr findet „Barefoot“ statt, bei der Barfußschuhe angeboten werden. Während deren Ausrichter sich für den traditionellen Messestandort entschieden haben, setzt Modefabriek auf einen geschichtsträchtigen Schauplatz, die 1904 in Betrieb genommenen Hallen des Metallbauunternehmens Fredenhagen. Dessen Wurzeln reichen bis zu einer 1829 gegründeten Gießerei, die später auch Heißluftmaschinen baute. Nachdem das Unternehmen an seinem neuen Standort an der Sprendlinger Landstraße umgezogen war, spezialisierte man sich auf den Bau von Förderanlagen und Aufzügen. Die Offenbacher gehörten zum Beispiel zu den ersten europäischen Herstellern von Fließbändern. 2008 wurde Fredenhagen mit damals 150 Beschäftigten von einem Unternehmen übernommen, hinter dem ein Berliner Finanzinvestor stand. 2009 ging Fredenhagen in Insolvenz. 2015 fand sich eine neue Nutzung für die alten Backstein-Werkshallen, die zur Route der Industriekultur Rhein-Main gehören. Seitdem werden sie als „Eventlocation Fredenhagen“ geführt, in der Veranstaltungen wie Tagungen und Kongresse für bis zu 5000 Besucher ausgerichtet werden. Herzstücke der Location, die von der Gesellschaft Spaces Management betrieben wird, sind der „Alte Stahlbau“ mit einer Fläche von 3000 Quadratmetern und der 1600 Meter große „Neue Stahlbau“.