Zum Auftakt steht das Wohnprojekt Sonara im Mittelpunkt: In dem Haus an der Bolongarostraße in Höchst wird am Samstag, 9. Mai, um 10 Uhr der Tag des offenen Wohnprojekts eröffnet. Die junge Genossenschaft hat ihren Neubau im vergangenen Jahr fertiggestellt, bei einer Talk-Runde berichten Mitglieder von ihren ersten Erfahrungen. Das Projekt steht für eine neue Generation gemeinschaftlicher Häuser, die bezahlbares Wohnen, kollektive Organisation und Nachhaltigkeit vereinen. Das Haus mit neun Wohnungen an der Ecke Kasino-/Bolongarostraße bietet auf insgesamt 677 Quadratmetern Platz für rund 20 Bewohnerinnen und Bewohner; organisiert ist das Wohnprojekt als Genossenschaft. Entstanden ist nicht nur privater Wohnraum, sondern auch ein öffentlicher Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss, der zum Kochen, Arbeiten und für nachbarschaftliche Begegnungen genutzt wird. Zur Nachhaltigkeit tragen Photovoltaikanlage, Batteriespeicher und ein Carsharing-Angebot bei. „Für mich ist wichtig, dass dieses Haus dem Markt dauerhaft entzogen ist“, sagt Anna Wunderlich, die das Projekt von Beginn an mit organisiert hat. „Wir erwirtschaften keinen Profit, sondern decken nur die real anfallenden Kosten.“ Die bestimmen bei Sonara auch die Höhe der Miete: Die Gesamtaufwendungen der Genossenschaft – Annuitäten für einen Kredit, Instandhaltung, Rücklagen – liegen aktuell bei rund 11.000 Euro monatlich und werden auf die Mitglieder umgelegt. Weil ein Tilgungszuschuss der KfW aus der Förderung für energieeffiziente Wohngebäude die Kreditbelastung senkt und die monatlichen Kosten in diesem Jahr geringer ausfallen, soll der Quadratmeterpreis auf 16,20 Euro fallen und damit voraussichtlich unter dem Niveau des Frankfurter Mietspiegels liegen. „Wir schauen nicht, was sich auf dem Markt durchsetzen ließe, sondern was wir brauchen, um das Haus zu finanzieren“, sagt Wunderlich. Wohnen als soziale Infrastruktur Was Sonara im Kleinen zeigt, soll der Tag insgesamt sichtbar machen. Gemeinschaftliches Wohnen gilt als ein möglicher Gegenentwurf zu einem Wohnungsmarkt, auf dem steigende Kosten, knapper Raum und soziale Vereinzelung viele Menschen unter Druck setzen. Am Samstag lässt sich erfahren, wie solche alternativen Wohnformen in der Praxis aussehen. 16 Projekte in Frankfurt laden dazu ein, Häuser, Höfe und Gemeinschaftsräume zu besichtigen und mit Bewohnern ins Gespräch zu kommen. Veranstaltet wird der neunte Tag des offenen Wohnprojekts vom Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen. Der Verein, der 2005 gegründet wurde, versteht sich als Plattform für Wohninitiativen und -projekte, berät Gruppen, organisiert Wissenstransfer und setzt sich auch wohnungspolitisch für bessere Bedingungen gemeinschaftlicher und genossenschaftlicher Modelle ein. Nach eigenen Angaben gehören dem Netzwerk heute rund 90 Mitgliedsgruppen aus Frankfurt und der Region sowie mehr als 100 Einzelmitglieder an. Stadt fördert gemeinschaftliche Projekte Dass die Stadt diese Form des Wohnens fördert, ist in Frankfurt inzwischen institutionell verankert. Laut dem sogenannten Baulandbeschluss sind in Neubaugebieten 15 Prozent der Wohnfläche für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen reserviert. Vorgesehen sind sogenannte Konzeptverfahren, bei denen die Stadt Grundstücke zu einem festen Preis ausschreibt und das überzeugendste Nutzungskonzept – nicht das höchste Gebot – den Zuschlag erhält. „Die größte Unterstützung war, dass dieses Grundstück überhaupt im Konzeptverfahren ausgeschrieben wurde“, sagt Wunderlich über das Baufeld in Höchst. „Gemeinwohlorientierte Unternehmen wie unsere Genossenschaft hätten es sonst bei den Marktpreisen sehr schwer, überhaupt an Flächen zu kommen.“ Die Idee dahinter: Wohnen soll nicht allein als Ware verstanden werden, sondern auch als soziale Infrastruktur. Gemeinschaftliche Wohnprojekte setzen auf Selbstorganisation, gemeinsame Verantwortung und meist auch auf Modelle, die Gewinne nicht an Dritte ausschütten müssen. Nach Darstellung der Stadt Frankfurt liegt ihr Wert nicht nur in potentiell stabileren Wohnkosten, sondern auch in stärkerer Nachbarschaft, nachhaltiger Bauweise und einer aktiveren Beteiligung der Bewohner an ihrem Wohnumfeld. Das vollständige Programm des Tags des offenen Wohnprojekts mit allen teilnehmenden Wohnhäusern, Uhrzeiten, Adressen und Touren ist auf der Website des Netzwerks Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen abrufbar.
