Die Johannes-Dyba-Allee behält ihren Namen: Nach einer langen Debatte haben sich die Fuldaer Stadtverordneten gegen eine Umbenennung der etwa 150 Meter langen Straße am Dom ausgesprochen. Mit 33 zu 23 Stimmen fiel die Entscheidung deutlich aus. Für die Umbenennung stimmten die Grünen, SPD, der Zusammenschluss von FDP, Freien Wählern und einer Wählergemeinschaft, Volt, Linke, Die Partei und ein Stadtverordneter der AfD. Die CDU, mit 22 Stadtverordneten die deutlich stärkste Fraktion, zehn AfD-Abgeordnete und ein Stadtverordneter des Bündnis C, das aus der Partei Bibeltreuer Christen hervorgegangen ist, lehnten nach Angaben der Fuldaer Stadtverwaltung die Umbenennung ab. Keine Mehrheit hatte zuvor der Antrag der AfD gefunden, die Frage durch einen Bürgerentscheid klären zu lassen. Die Diskussion, ob man der Straße wieder ihren alten Namen Kastanienallee geben sollte, hatte ein Bericht einer unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum befeuert, der im Sommer 2025 vorgelegt worden war. Auf den 319 Seiten sind mehr als 230 Fälle sexuellen Missbrauchs aufgelistet. Dem damaligen Erzbischof Dyba wird vorgeworfen, zu lax vorgegangen und die Personalverwaltung an Weihbischof Johannes Kapp abgetreten zu haben. Mit den Beschuldigten sei zu nachsichtig umgegangen worden, sie seien einfach nur versetzt worden. Für die Diskussion in Fulda gibt es ein Vorbild: 2023 benannte Trier den Bischof-Stein-Platz um, auch dort vor dem Hintergrund der Rolle des Geistlichen im Umgang mit Missbrauchsfällen. Umstrittener Erzbischof Der 1929 geborene Dyba polarisierte wie kein anderer Geistlicher in Deutschland, die F.A.Z. beschrieb ihn als „agent provocateur der Bischofskonferenz“ zu. Als einer der konservativsten Vertreter der katholischen Kirche focht der Erzbischof mit Leidenschaft und Polemik. So bezeichnete er die straffreie Abtreibung als „Lizenz zum Töten“ und nannte Homosexualität „eine Degeneration“. Seine Moralvorstellungen setzte er auch in Details durch: Die Fuldaer Filiale einer Drogeriekette durfte keine Kondome verkaufen, da sie ihre Geschäftsräume in einem Haus im Kirchenbesitz gemietet hatte. In der Diskussion über den Straßennamen war Dyba wegen seiner rigiden Positionen auf der einen und dem Umgang mit Missbrauchsvorwürfen auf der anderen Seite Doppelmoral vorgeworfen worden. Jedenfalls sei Dyba so umstritten, argumentierte die SPD, dass er sich nicht als Namenspate eigne. Die SPD hatte den Antrag eingebracht, die Straße wieder in Kastanienallee umzubenennen, wie sie bis 2000 geheißen hatte. Bistum Fulda hätte jede Entscheidung akzeptiert Das Bistum Fulda hatte während der ganzen Diskussion klargemacht und diese Position jetzt auch bekräftigt, dass die Entscheidung über den Straßennamen in die Zuständigkeit der Stadtverordnetenversammlung falle und man jede Entscheidung mittragen werde. Aber die Kirche stelle sich ihrer Verantwortung: „Wir wollen unsere Geschichte nicht schönfärben, wir wollen sie auch nicht umschreiben, denn Bischof Dyba ist und bleibt Teil der Kirchen- und der Stadtgeschichte“, sagte der Bischof von Fulda, Michael Gerber, zum Beispiel nach einem Treffen mit Vertretern der Stadtpolitik. Das Bistum Fulda werde angesichts der bitteren Geschehnisse unter kirchlicher Verantwortung alles tun, damit Kirche ein sicherer Ort sei, an dem es keinen Raum für sexualisierte Gewalt gebe.
