Eine selbstlose Weltmacht waren die Vereinigten Staaten nie, da sind auch in Deutschland die Erinnerungen an die Zeiten vor Trump etwas zu romantisch. So rücksichtslos wie im Irankrieg hat ein amerikanischer Präsident seine Interessen oder das, was er dafür hält, allerdings schon lange nicht mehr durchgesetzt. Trump hat den Krieg gegen den Willen der Verbündeten am Golf begonnen, und er führt ihn ganz nach eigenem Ermessen. Der Schaden, den die Iraner in den Golfstaaten anrichten, ist erheblich, wirtschaftlich womöglich sogar von Dauer. Riad erzwingt den Abbruch In Saudi-Arabien, dem wichtigsten Land im arabischen Lager, hat er das Fass damit jetzt zum Überlaufen gebracht. Dass Riad offenbar den Abbruch der Operation „Project Freedom“ in der Straße von Hormus erzwang, zeigt, dass der Kronprinz den Konflikt beigelegt sehen will. Trump inmitten eines laufenden Einsatzes den Zugang zu Militärstützpunkten und zum eigenen Luftraum zu verwehren, ist eine drastische Maßnahme, die letztlich den Iranern in die Karten spielt. Den saudischen Verbündeten hat der Präsident fürs Erste verloren. Unabhängig davon, wie der Konflikt sich weiterentwickelt und wie er (hoffentlich bald) endet, wird man am Golf und darüber hinaus wieder nur eine Lehre aus dieser Erfahrung ziehen können: Amerika ist ein „Partner“ geworden, von dem man sich so weit wie möglich unabhängig machen sollte. Trumps Erbe wird eine Welt sein, in der Amerika weniger Freunde hat.
