FAZ 11.03.2026
08:56 Uhr

Streik der Piloten: Lufthansa findet Ausstand „unverhältnismäßig“


Die Pilotenvereinigung Cockpit kündigt für Donnerstag und Freitag Streiks bei Lufthansa Passage und Cargo an. Flüge in den Nahen Osten sind davon nicht betroffen. Die Lufthansa kritisiert die kurzfristigen Streiks scharf.

Streik der Piloten: Lufthansa findet Ausstand „unverhältnismäßig“

Die Vereinigung Cockpit (VC) ruft abermals zum Streik bei der Lufthansa auf. Von Donnerstag, 0 Uhr, bis Freitag, 23.59 Uhr, sollen sämtliche von deutschen Flughäfen startenden Flüge der Lufthansa Passage und Lufthansa Cargo bestreikt werden. Bei der Regionaltochter Lufthansa Cityline ist der Ausstand auf den ganzen Donnerstag begrenzt. Ausdrückliche Ausnahmen gelten für alle Abflüge aus Deutschland in eine Reihe von Destinationen im Nahen Osten und in angrenzende Regionen. Rückführungs- und Krisenflüge seien nicht betroffen, hebt die Pilotengewerkschaft hervor. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehen zwei Themen, die seit Langem schwelen: zum einen die Vergütung der Piloten von Lufthansa Cityline, zum anderen die betriebliche Altersversorgung der Cockpitcrews bei Lufthansa und Lufthansa Cargo. Die Pilotengewerkschaft wirft dem Unternehmen vor, seit dem jüngsten Streik am 12. Februar kein verhandlungsfähiges Angebot zur Rente vorgelegt zu haben. „Wir hätten eine weitere Eskalation sehr gerne vermieden“, sagt VC-Präsident Andreas Pinheiro. „Aber es liegt weiterhin kein Angebot vor.“ Arne Karstens, Sprecher der konzernweiten Tarifkommission, ergänzt, man habe „lange genug ohne Angebot verhandelt“. Sieben Runden, Bedenkzeiten und ein vermittelndes Angebot habe man mittlerweile hinter sich. Bei Cityline sei das zuletzt am 25. Februar präsentierte Paket der Lufthansa, das erstmals ein Angebot ohne Forderung nach Gegenfinanzierung enthielt, aus Sicht der VC „nicht annehmbar“, unter anderem wegen einer geforderten umfassenden Friedenspflicht bis Ende 2027. Lufthansa findet Streiks „extrem hart und unverhältnismäßig“ Die Gewerkschaft begründet die Forderung mit einer Systemumstellung, die 2017 auf Betreiben des Arbeitgebers erfolgt sei: Bis dahin hätten die Piloten eine klassische Betriebsrente mit garantierten Auszahlungen erhalten, die nun durch ein kapitalmarktfinanziertes Modell ersetzt worden sei – mit spürbar geringerem Versorgungsniveau. Aus VC-Sicht müsse die betriebliche Altersversorgung substanziell verbessert werden, ohne Gegenfinanzierung über Einschnitte an anderer Stelle. Die Tarifrunde bei Cityline wiederum läuft seit August 2025. Die Gewerkschaft fordert dort eine spürbare Anpassung der Gehälter und wendet sich gegen besagte Friedenspflicht. Lufthansa reagiert mit deutlicher Kritik auf die Streikankündigung und verweist auf die kurzen Fristen, die für Fluggäste große Unannehmlichkeiten erzeugten. Der neuerliche Streik treffe die Kunden „extrem hart und unverhältnismäßig“, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Tragfähige Lösungen gebe es nur im Dialog. Man sei weiterhin gesprächsbereit und fordere die VC auf, an den Tisch zurückzukehren. Man setze alles daran, die Auswirkungen für die Kunden so gering wie möglich zu halten, wolle Flüge innerhalb der Gruppe umorganisieren und Passagiere automatisch informieren. Nach dem Februar-Ausstand hatte der Konzern kostenneutrale Reformen des Betriebsrentensystems vorgeschlagen und – flankiert von einem externen Moderator – eine Diskussion über die strukturelle Organisation des Flugbetriebs angeregt. Vorstandschef Carsten Spohr hatte hervorgehoben, Fragen der Konzernorganisation und der Karrierewege seien für viele Beschäftigte inzwischen zentraler als das ohnehin auskömmliche Rentensystem. Parallel verhandelt Lufthansa mit der Kabinengewerkschaft Ufo über den Manteltarifvertrag. Die VC kritisiert seit Langem, dass die Lufthansa mit neuen Flugbetrieben wie City Airlines und dem Ferienflieger Discover Wettbewerbsdruck auf gewachsene Einheiten ausübe. Die Gewerkschaft bündelt ihre Interessen seit 2023 in einer Group-Tarifkommission, um sich einem „Gegeneinander-Ausspielen“ der Belegschaften entgegenzustellen. Für den größten deutschen Flughafen dürfte der Ausstand spürbare Folgen haben. Welche konkret, etwa wie viele Flüge von dem angekündigten Ausstand betroffen sein werden, konnte am Mittwoch laut der Sprecherin der Lufthansa nicht gesagt werden. Klar ist aber: Frankfurt fungiert als Hauptdrehkreuz des Kranichs – im Normalbetrieb entfallen dort an Werktagen mehrere Hundert Abflüge und Ankünfte auf die Kernmarke, dazu Verbindungen der Regionaltöchter sowie die Frachtflüge von Lufthansa Cargo. Angesichts des 48-stündigen Streikfensters bei Passage und Cargo sowie des eintägigen Ausstands bei Cityline muss der Flughafen mit Streichungen, Umleitungen und Verspätungen rechnen. Wie viele das werden, hängt auch davon ab, in welchem Umfang Flüge auf andere Airlines der Gruppe verlagert, Crews umgeplant oder Langstrecken konsolidiert werden können.