Es war klar, dass nicht Friedrich Merz, nicht einmal Lars Klingbeil, sondern nur Bärbel Bas der Star des Kabinetts auf dem DGB-Kongress in Berlin sein würde. Gemessen am Auftritt der DGB-Chefin Fahimi, die keinen verbalen Holzhammer ausließ, um auf die Reformpolitik der Bundesregierung einzuschlagen, war Bas aber noch recht staatstragend. Für den Koalitionsausschuss am Abend verhießen die Auftritte aus dem Kabinett aber nichts Gutes. Selbst wenn man berücksichtigt, dass auf Gewerkschaftsveranstaltungen viel Symbolik im Spiel ist, war nicht zu erkennen, wie SPD und Union zueinanderkommen wollen. Die Koalition musste am Abend vielmehr dort weitermachen, wo sie vor fünf Wochen in der Villa Borsig aufgehört hatte. Die Maßnahmen gegen erhöhte Energiepreise, Prämie und Rabatt sind teilweise vorerst am Bundesrat gescheitert, teilweise nicht so wirksam wie erhofft. Beides hätte man damals schon in Rechnung stellen können. Keinerlei Bewegung ist in der Steuerdebatte zu erkennen. Eine Reform der Einkommensteuer ist durch die Steuerschätzung noch einmal erschwert worden. Klingbeil pocht auf eine Umverteilung, Jens Spahn auf Subventionskürzungen, auch Pendlerpauschale und Stromsteuer sind wieder im Gespräch. Die Gewerkschaften wecken das Trauma der SPD Der Kanzler scheint seine ganze Hoffnung auf die Rentenreform zu legen, um doch noch eine Trophäe vorweisen zu können, bevor in Sachsen-Anhalt gewählt wird. Aber auch da sind die Beharrungskräfte groß. Allein die Beschreibung der drei Säulen im Rentensystem durch Merz, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, quittierten viele DGB-Funktionäre, angetrieben durch ihre Vorsitzende, mit Pfiffen und Gelächter. Ob sie damit „ihrer“ Ministerin Bas den Rücken stärken oder die SPD davor warnen wollten, dass die Partei wie nach der Agenda 2010 in die Spaltung getrieben werden könnte: Die SPD ist nicht zu beneiden. Noch weniger sind das CDU und CSU, die kaum noch Manövriermasse haben, um ihren Koalitionspartner aus der Umklammerung und Traumatisierung zu befreien. Gegenseitig festhalten können sie sich immerhin an der Gesundheitsreform, die Nina Warken vor den Ärzten zu verteidigen hat. Deutschland müsse sich endlich aufraffen, mahnte Merz in Berlin, da helfe es nicht, auf der Bremse zu stehen. Das war eine Spitze gegen Bärbel Bas („Ich stehe auf der Bremse“). Sie sollte sich an Warken ein Beispiel nehmen.
