FAZ 18.09.2026
20:52 Uhr

Steuersenkung um 17 Cent: Bundesregierung einigt sich auf Tankrabatt und Spritpreisdeckel


Als Reaktion auf die hohen Spritpreise hat sich die schwarz-rote Koalition auf Entlastungen geeinigt. Auch die Länder sind involviert. Worum es im Detail geht.

Steuersenkung um 17 Cent: Bundesregierung einigt sich auf Tankrabatt und Spritpreisdeckel

Autofahrer in Deutschland sollen angesichts der hohen Spritpreise kurzfristig mit einem neuen Tankrabatt entlastet werden. Dieser soll bis Ende des Jahres gelten. Angestrebt wird laut einer Mitteilung der Bundesregierung, dass der Tankrabatt Anfang Oktober umgesetzt ist. Wird er voll weitergegeben, könnte die Entlastung 17 Cent pro Liter betragen. „Bund und Länder werden die Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmen angesichts der hohen Spritpreise gemeinsam entlasten“, teilte die Bundesregierung weiter mit – kurz vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte am Dienstag Entlastungen angekündigt. Die konkreten Maßnahmen blieben aber zunächst offen. Nun ist spätestens ab Januar 2027 auch ein Spritpreisdeckel geplant, aber als Kriseninstrument und nicht dauerhaft. In einem Beschlusspapier heißt es: „Der Bund wird in regelmäßige Gespräche mit der Mineralölwirtschaft eintreten und einen nicht dauerhaften, krisenbedingten Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens frühestmöglich, spätestens aber zum 1. Januar 2027, einführen.“ Entlastungsvolumen liegt bei 2,5 Milliarden Euro Das Entlastungsvolumen der jetzt beschlossenen Maßnahmen liegt laut Bundesregierung bei 2,5 Milliarden Euro. Die Länder sollen sich mit 50 Prozent an den Kosten beteiligen. Für den Bundesanteil sollen laut Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) Ausgabenreste im Haushalt 2026 genutzt werden. Klingbeil sagte am Rande eines Finanzministertreffens in Dublin zum Tankrabatt, er könne kein konkretes Datum nennen, die Senkung solle so schnell wie möglich kommen. „Wer jeden Tag auf das Auto angewiesen ist, kommt an seine Belastungsgrenze“, sagte Merz laut Mitteilung. „Wir zeigen, dass wir in der Krise widerstandsfähig sind und den Bürgerinnen und Bürgern helfen.“ Klingbeil sagte: „Die Spritpreise runterkriegen, die Menschen entlasten, die Abzocke an den Zapfsäulen beenden – genau das war mir wichtig und das erreichen wir mit unserer Einigung. Ministerpräsidenten Lies und Rhein begrüßen Einigung Auch die Verhandlungsführer der Länder begrüßten die Einigung. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sagte: „Die Spritpreise sind derzeit völlig außer Kontrolle. Mit dieser Einigung handeln wir endlich entschlossen.“ Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) sprach von einem wichtigen Signal, dass Bund und Länder trotz angespannter Haushaltslagen schnell einen gemeinsamen Weg gefunden hätten. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hat den angekündigten Tankrabatt als „wichtiges Signal“ bezeichnet. „Die Spritpreisbremse an der Zapfsäule kommt“, erklärte er am Abend. Es sei richtig, dass der Staat Steuermehreinnahmen nutze, „um Autofahrer zu entlasten und ihnen unter die Arme zu greifen, anstatt sie weiter zur Kasse zu bitten“. Jetzt gehe es darum, dass die Entlastung beim Tanken bei den Menschen auch ankomme, und nicht im Supermarkt wieder vom Staat kassiert werde. Mehr Steuern auf Tabak, Zucker, Schaumwein und Alkohol lehne er deshalb ab, sagte Rhein. Weitere zielgerichtete Maßnahmen möglich Ein Tankrabatt ist in der Kritik, weil er nicht zielgenau ist. Die Bundesregierung stellte weitere, zielgenauere Entlastungen in Aussicht. In dem Beschlusspapier heißt es mit Blick auf den Iran-Krieg, die Bundesregierung werde die Preisentwicklung und mögliche wirtschaftliche Folgewirkungen weiterhin eng beobachten. Es würden auf dieser Grundlage zum Beginn des Jahres 2027 weitere zielgerichtete Maßnahmen für die von der Krise betroffenen Bürgerinnen und Bürger – insbesondere mit kleinen und mittleren Einkommen – sowie Unternehmen identifiziert „und, wenn nötig“, auf den Weg gebracht. Zudem werde der Bund die Voraussetzungen für die Realisierung eines einkommensbezogenen Direktauszahlungsmechanismus schaffen. SPD-Fraktionsvize spricht bei Preisdeckel von „bedeutendem Erfolg“ Zum Preisdeckel heißt es in dem Papier, die Versorgungssicherheit müsse gewährleistet sein. Missbräuchliche Preisaufschläge müssten unterbunden werden. Die SPD fordert einen solchen Spritpreisdeckel seit Langem. SPD-Fraktionsvize Armand Zorn sagte: „Es ist ein bedeutender Erfolg der SPD, dass mit der Einführung eines Spritpreisdeckels das Abkassieren der Mineralölkonzerne endlich begrenzt wird.“ Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte sich gegen einen Preisdeckel ausgesprochen. Ein solcher Deckel schwäche die mittelständische Raffineriewirtschaft, hatte Reiche gesagt. Rekorde bei Spritpreisen Die Krise im Nahen Osten treibt die Kraftstoffpreise in Deutschland von Rekord zu Rekord. Der Dieselpreis kletterte am Donnerstag auf einen weiteren Höchstwert. Ein Liter kostete nach Auswertung des ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,471 Euro, knapp zwei Cent mehr als am Vortag. Super E10 verbilligte sich nach mehreren Preisrekorden in Folge dagegen minimal auf 2,308 Euro. Kanzler Merz hatte am Dienstag Entlastungen angekündigt. Die konkreten Maßnahmen blieben aber zunächst offen. Politiker der Koalition hatten gesagt, Entlastungen sollten ab Oktober wirken. Am Sonntag finden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin statt. Bei einem Spritpreisdeckel wird ein Höchstpreis für Benzin und Diesel festgelegt, der sich unter anderem an der Entwicklung der Ölpreise sowie an Kosten für Transport und Vertrieb und an einer Händlermarge orientiert. Die SPD fordert einen solchen Spritpreisdeckel seit Langem. Vorbilder sind Modelle in Luxemburg und Belgien. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte sich gegen einen Preisdeckel ausgesprochen.