Während es in Frankfurt am Donnerstag etwas zu verkünden gab, gab es in Berlin schon etwas zu feiern. Als Julia Klöckner am Morgen die Parlamentssitzung eröffnete, tat sie dies mit einem Glückwunsch an den FC Bundestag, der gerade die Europameisterschaft gewonnen hat. Auf dem politischen Matchplan stand etwas anderes: die Frage, wie der Leistungssport im Land wieder vorangebracht werden kann. Bei der ersten Lesung des Sportfördergesetzes wurde das Gesetz aus dem Hause der Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU), die von einem „Paradigmenwechsel“ und einem „Meilenstein“ sprach, grundsätzlich begrüßt. Weiter Dissens in der Koalition zum Kräfteverhältnis Allerdings gibt es in wichtigen Punkten unterschiedliche Vorstellungen: zum einen in der Frage, inwieweit Safe-Sport-Maßnahmen Fördervoraussetzung sein sollen, konkret eine Mitgliedschaft im neuen Zentrum Safe Sport; im Entwurf ist diese nicht verpflichtend. Vor allem aber gehen die Meinungen über die Zusammensetzung der Gremien der Spitzensportagentur auseinander. Insbesondere Grüne und AfD wollen Athletenvertreter im Stiftungsrat (und nicht nur im Sportfachbeirat) verankert sehen, auch die SPD fordert eine „echte Mitsprachegelegenheit“ für Athletinnen und Athleten. Dissens innerhalb der Koalition gibt es auch beim Kräfteverhältnis von Sport und Politik. Während die SPD auf größere Distanz zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) dringt, übte sich der sportpolitische Sprecher der Union, Stephan Mayer, im argumentativen Spagat: Der DOSB solle im Stiftungsrat gestärkt werden, die viel wichtigere Instanz sei der zweiköpfige Vorstand. Als Christian Görke (Linke) mit Blick auf die Agentur vom „Politbüro 2.0“ sprach, musste auch Kanzler Friedrich Merz auf der Regierungsbank lachen. Fast wie im Fußballstadion ging es zwei Kilometer weiter zu, wo das Berliner Abgeordnetenhaus über die Olympia-Pläne des Senats stritt. Am Ende kam mit den Stimmen von CDU, SPD und AfD die erwartete Mehrheit zustande. Ein Abgeordneter der Linken votierte abweichend zur Fraktionslinie ebenfalls dafür. In Fundamentalopposition gingen vor allem die Grünen, auf die es nach der Abgeordnetenhauswahl am 20. September ankommen könnte. Den Olympia-Machern bleibt, mit Blick auf die Kandidatenkür des DOSB eine Woche später eine (abgewandelte) Fußballweisheit zu bemühen: Nach der Wahl ist vor der Wahl. Verkündet wurde in Berlin später am Tag auch noch etwas, ein neuer Fußballtrainer: Der Schweizer Mauro Lustrinelli, in seiner Heimat gerade mit dem Aufsteiger FC Thun sensationell Meister geworden, übernimmt das Männer-Bundesligateam des 1. FC Union. Er folgt auf Marie-Louise Eta, die mit ihrer Interimstätigkeit am Saisonende zur ersten Trainerin der Bundesliga-Geschichte geworden war.
