FAZ 05.06.2026
00:28 Uhr

Sommerurlaub: Eurowings-Chef: Kerosinversorgung ist stabil


Urlauber müssten sich nicht sorgen, dass im Sommer ihr Ferienflug wegen eines leeren Tanks ausfalle, sagt der Eurowings-Chef. Die Kosten steigen aber, bei der Lufthansa-Tochterairline kommt deshalb einiges auf den Prüfstand.

Sommerurlaub: Eurowings-Chef: Kerosinversorgung ist stabil

Über Krisenerfahrungen kann Max Kownatzki, der Chef der Lufthansa-Tochtergesellschaft Eurowings, einiges berichten. Als er 2020 vom Mutterkonzern auf den Chefposten der Gesellschaft Sun Express geschickt wurde, brach gerade die Corona-Pandemie los. 2026 ist er neu an der Eurowings-Spitze – und musste als Erstes wegen des Nahostkonflikts Dubaiflüge aussetzen, während der Kerosinpreis stieg. Intern habe er gesagt, wenn man noch eine Krise möchte, sollte man ihn an die Spitze einer dritten Fluggesellschaft setzen. Das Scherzen ist ihm nicht vergangen, es sei doch einiges anders als 2020, als plötzlich die Kunden ausblieben. „Wir haben eine Krise, in der es keinen Nachfragemangel gibt“, sagt Kownatzki. Ostwärts wird er in diesem Sommer wohl weniger Urlauber befördern, nach Dubai gar keine. Westwärts werden es mehr, bei Eurowings übertreffen die Buchungen für Mallorcaflüge die Vorjahreswerte um neun Prozent. „In den Ferien fliegen wir nun mehr als 400-mal je Woche von 26 Flughäfen nach Mallorca“, sagt Kownatzki. Auch nach Portugal wurde das Angebot aufgestockt. „Als im März der Luftraum über den Emiraten geschlossen wurde, haben wir Kapazitäten umgeschichtet und zusätzliche Nachfrage gewonnen“, sagt er. Nun müssen die Flüge auch abheben – mit gefülltem Tank. Und der Eurowings-Chef ist überzeugt, dass das stets gelingt. „Die Versorgung mit Kerosin für den Sommer ist stabil. Wir wissen, dass es deshalb keine Flugstreichungen geben wird“, sagt er mit Blick auf die Urlauberstrecken. 75 Prozent des von Eurowings benötigten Kerosins seien schon vor dem Nahostkonflikt nicht aus der Golfregion gekommen. Jetzt würden andere Bezugsquellen erschlossen, in Amerika und in Afrika. Auch die bevorstehende Europafreigabe des amerikanischen Jet-A-Kraftstoffs, der einen anderen Gefrierpunkt als das europäische Jet-A1-Kerosin hat, werde die Lage etwas entspannen. Flüge hätten sich im Schnitt um drei Prozent verteuert, auf stärker nachgefragten Strecken in den westlichen Mittelmeerraum etwas mehr, für die östliche Hälfte eher weniger. „Für Griechenland kann es noch eine Last-minute-Phase geben“, sagt Kownatzki. Behält Eurowings alle 14 Flugzeugbasen? Obwohl er ausfallende Urlaubsflüge für diesen Sommer ausschließt, steht bei Eurowings einiges auf dem Prüfstand – aus Kostengründen. Die Muttermarke Lufthansa hat 20.000 Flüge im Sommerhalbjahr gestrichen – etwa 100 am Tag, Eurowings hat im innerdeutschen Verkehr ausgedünnt. Und eine Garantie, dass der Lufthansa-Ableger für Verkehre jenseits der Drehkreuze Frankfurt und München auch künftig Flugzeuge an 14 Basisflughäfen von Hamburg bis Stuttgart sowie in Stockholm und Prag stationiert, will Kownatzki nicht geben. „Die Überprüfung läuft“, sagt er, das gelte gerade für kleinere Basen. In Düsseldorf, Hamburg und Stuttgart sei man Marktführer, in Berlin soll diese Position eingenommen werden. „Wir wissen, dass wir Berlin ausbauen wollen, das kann aber zu Reduktionen an anderer Stelle führen“, sagt Kownatzki. In der Hauptstadt füllt Eurowings Lücken, die durch Kürzungen von Ryanair entstehen. Die Prüfungen von Strecken und Basen sind nötig, um Eurowings profitabel zu halten. 2026 werde das wohl gelingen, sagt der Chef. Der Kerosineinkauf sei zu mehr als 80 Prozent über Hedging-Kontrakte abgesichert. Für 2025 hatte Lufthansa für Eurowings ein bereinigtes operatives Ergebnis von 133 Millionen Euro ausgewiesen, es dürfte nun aber geringer ausfallen. Unter anderem durch den nicht abgesicherten Kerosinanteil steigen die Kosten um einen dreistelligen Millionenbetrag, der im Wettbewerb nur zur Hälfte auf höhere Ticketpreise umgelegt werden könne. Wenn zum 1. Juli die Luftverkehrsteuer um 2,50 Euro je Europaflug sinke, sei kein Nachlass möglich. „Der Wunsch nach Preisreduktion ist nicht umsetzbar“, sagt Kownatzki.