Man kann auf den zurückliegenden Sommer, also die Monate Juni, Juli und August, ganz nüchtern schauen. Zum Beispiel die nackten Zahlen betrachten: In Frankfurt lag die Durchschnittstemperatur für diese drei Monate bei 22,5 Grad. Das sind 4,4 Grad mehr als im Vergleichszeitraum 1961 bis 1990. Richtet man den Blick über die Stadt hinaus und wertet die Zahlen von Messstellen in der Rhein-Main-Region aus, ändert sich das Bild kaum, dann liegt das Plus bei 4,3 Grad. Ein Plus von 4,4 Grad in Frankfurt – eine so hohe Abweichung nach oben gab es seit 1936 noch nie mit Blick auf eine Jahreszeit. Beispiellos war im Sommer auch die Häufigkeit von Hitze, 44 heiße Tage gab es in Frankfurt, das sind 33 mehr, als mit Blick auf den genannten Vergleichszeitraum zu erwarten gewesen wären. Das Jahr 2018 hatte 36 heiße Tage, im Jahr 2022 waren es 33. Mit 41,1 Grad, die am 27. Juni gemessen wurden, hat der zurückliegende Monat in Frankfurt den Juni-Hitzerekord von 39,3 Grad aus dem Jahr 2019 gebrochen. Aber nicht nur das: Er kassierte auch den Allzeitrekord von 40,1 Grad ein, eine Temperatur, die ebenfalls im Jahr 2019 gemessen wurde. Allerdings nicht im Juni, sondern im Hochsommer, am 25. Juli. Was das im Alltag bedeutet, darüber sagen die Zahlen wenig aus. Mit den Rekorden wächst die Sorge vor dem, was die nächsten Sommer bringen mögen. Denn unter dem zurückliegenden haben viele Menschen gelitten. Das Robert-Koch-Institut schätzte die Zahl der in diesem Jahr durch Hitze bedingten Todesfälle in Hessen Ende August auf rund 2190. Nachts wichen die Menschen aus, um Schlaf zu finden, zu Bekannten, bei denen es kühler war, oder in Hotels mit einer Klimaanlage im Zimmer – wofür die Hoteliers eifrig warben. Nicht alle Kommunen haben einen Hitzeaktionsplan Am 26. Juni wurde morgens um fünf Uhr mit 25,5 Grad die niedrigste Temperatur gemessen, es war die siebte Tropennacht in Folge, also eine Nacht, in der die Temperatur nicht unter die 20-Grad-Marke sank – eine große Belastung für den Körper, nicht nur für Alte, Kranke und Kinder. Tagsüber flohen die Menschen in den Schatten oder in geschlossene Räume, und die offenen Plätze der Städte lagen verwaist in der flirrenden Hitze. Schließlich kamen die Aufrufe in Stadt und Land, mit Trinkwasser sparsam umzugehen. Denn mit der Hitze einher ging die Dürre. In ganz Deutschland regnete es zu wenig, sodass es auch beim Wasserstand des Rheins einen historischen Tiefstand gab und Warentransporte auf die Straße verlegt werden mussten. In den Wäldern brannte es mehrmals. In Frankfurt fielen im Sommer immerhin mit 124,1 Millimetern 63 Prozent der zu erwartenden Regenmenge, 2018 war es mit 56,8 Millimetern weitaus trockener. Rekordverdächtig viel schien hingegen die Sonne, nämlich 858,3 Stunden, ein Plus von 35 Prozent zum Vergleichszeitraum 1961 bis 1990. Es war der zweite Platz seit Erhebung dieser Zahlen im Jahr 1951, nur der Sommer 2022 bot mit 949,2 Stunden in Frankfurt mehr. Bund und Länder empfehlen den Kommunen dringend, eigene Hitzeaktionspläne zu erarbeiten. Aber selbst von den zwölf größten hessischen Kommunen haben bisher längst nicht alle ein solches Konzept. Frankfurt hat eins. Doch auch wenn Metropolen besonders betroffen sind, das Bild ähnelte sich in Stadt und Land sehr. Und so war es am 27. Juni, als Frankfurt seinen Hitzerekord brach, in Bad Nauheim mit 41,3 Grad noch heißer – dort wurde der Hessenrekord gebrochen. Auch in der Höhe war die Wärme außergewöhnlich: Die Durchschnittstemperatur des Sommers auf dem Kleinen Feldberg lag bei 17,4 Grad statt erwartbarer 13,2 Grad. Zehn heiße Tage gab es auf dem Hoherodskopf, 42 in Geisenheim, Michelstadt und Schafheim. Bad Nauheim war mit 75,3 Millimetern auch der trockenste Ort im Rhein-Main-Gebiet, wo insgesamt 123 Millimeter statt erwartbarer 219 Millimeter fielen. Doch beim Niederschlag war das Bild uneinheitlich, zu wenig fiel überall, aber Gründau, Offenbach und Gießen kamen immerhin auf 77, 72 und 74 Prozent der zu erwartenden Regenmenge. Offenbach überrascht übrigens noch in einer anderen Kategorie: Mit 91 Tagen gab es dort die meisten Sonnentage, also Tage, an denen die Sonne sich gezeigt hat, und wenn es nur ein paar Minuten waren.
