FAZ 11.05.2026
14:53 Uhr

Skyliners-Bilanz: „Wir müssen aus dieser Saison lernen“


Das Frankfurter Basketball-Bundesligateam lässt nach gutem Saisonstart Konstanz und Abgezocktheit vermissen. Am Ende können die Frankfurter nur noch ein Häuflein Jungspunde aufbieten.

Skyliners-Bilanz: „Wir müssen aus dieser Saison lernen“

Am letzten Hauptrundenspieltag bot sich dem Basketballpublikum in der gut gefüllten Ballsporthalle ein einmaliges Erlebnis. Eines, auf das die Frankfurt Skyliners am Sonntag zum Saisonabschied gegen Ulm gerne verzichtet hätten. Wohl zum ersten Mal in der siebenundzwanzigjährigen Klubgeschichte waren bei einer Bundesliga-Begegnung mehr Erstligaspieler verletzt als einsatzbereit. Das offenbarte auch die Sitzverteilung: Am Spielfeldrand in der Ecke hatten sieben Akteure auf Stühlen Platz genommen; der junge Jamie Edoka musste wegen seines lädierten Sprunggelenks das Bein hochlegen. Auf der Spielerbank daneben saßen mit Kapitän Till Pape, Logan Johnson und Garai Zeeb drei Profis, die das buchstäblich letzte Skyliners-Aufgebot nicht aktiv unterstützen konnten. Vom Stamm standen nur Isaiah Swope, Nahiem Alleyne, Ryan Hawkins und Jacob Knauf zur Verfügung. Aufgefüllt wurde der Rumpfkader – insgesamt schickten die Frankfurter zehn Akteure ins sportlich aussichtslose Rennen – mit Spielern aus der drittklassigen Pro-B-Mannschaft und der U 19. „Wir mussten noch mal alle zusammensammeln“, brachte Sebastian Gleim, der Geschäftsführer Sport, die Personalnot auf den Punkt. Für die Pro-B-Teammitglieder hatten eigentlich schon die Sommerferien begonnen. Gestartet wurde eine Rückholaktion. Am Ende stand im Duell mit dem Sechsten mit 64:103 die höchste Saisonniederlage der arg gebeutelten Skyliners. Sie konnten von Glück sagen, dass der Klassenverbleib längst geschafft war. Ansonsten hätte die Ligazugehörigkeit im Schlussspurt womöglich auf der Kippe gestanden. Wegen des Klassenverbleibs hält Perwas die Saison für erfolgreich Mit insgesamt zwölf Siegen in 34 Spielen landete das Ensemble von Trainer Klaus Perwas jetzt auf dem 15. Tabellenplatz, punktgleich mit Jena. Dahinter bildeten Braunschweig (zehn Siege) und Heidelberg (9) die Absteiger. In der Vorsaison war Frankfurt als Aufsteiger Vorletzter mit acht Erfolgen geworden; Göttingen, der einzige Absteiger, brachte es damals nur auf drei. Im Vergleich dazu ein kleiner Frankfurter Fortschritt. „Mit dem Klassenverbleib haben wir am Ende unser Ziel erreicht“, zeigte sich Klaus Perwas vor dem Start in die lange Sommerpause erleichtert. „Insofern war es eine erfolgreiche Saison für uns, auf der sich aufbauen lässt.“ Sie hätte jedoch gewinnbringender für seine Gruppe verlaufen können. Denn eine Zeit lang sah es so aus, als könnten die Skyliners mit der gezeigten Stabilität die Play-ins erreichen. „Die erste Saisonhälfte lief sehr gut, besser als erträumt“, sagte Kapitän Pape im Rückblick. „Dann kam der Bruch.“ In Zahlen: Von den zurückliegenden 16 Spielen gewannen die Skyliners nur noch drei. Die vergangenen sieben Partien gingen sogar alle verloren. Ein Absturz, aber wenigstens ohne das schlimmstmögliche Ende, den Abstieg in die Pro A. Viele Verletzungen und der abrupte Weggang von Topscorer und Streikprofi Jaedon LeDee – er erzwang Ende März einen wirtschaftlich lukrativen Wechsel nach China – waren Gründe für den lang anhaltenden Niedergang auf dem Parkett. Mit zunehmender Spielzeit mangelte es den Frankfurtern allerdings auch an Konstanz und Abgezocktheit. Der Mannschaft fehlte es offensichtlich an Erfahrung. „Viele Spieler standen zum ersten Mal in Deutschland unter Vertrag, wir haben ein bisschen Lehrgeld bezahlt.“ Womöglich hätte mehr „individuelle Professionalität“ geholfen Till Pape imponierte trotzdem der Trainingsfleiß seiner Mitspieler, „alle haben viel extra gemacht“. Nur sei man „vielleicht manchmal nicht zielgerichtet genug“ gewesen. Womöglich hätte mehr „individuelle Professionalität“ geholfen, „dass sich jeder Spieler an die eigene Nase fasst“ und erkennt, „da kann ich noch einen Schritt nach vorne machen“, meinte der Kapitän und nahm im Hinblick auf das „Konzeptionelle“ auch das Wort „Disziplin“ in den Mund. Mancher hätte sich fragen können, „wie gut habe ich die Spielidee verstanden, die der Coach umsetzen möchte“. Das alles beträfe die Spielerseite, die Coaches indes hätten „die Dinge richtig gemacht“, betonte Till Pape. Ohne Selbstkritik war aber auch Klaus Perwas nicht. „Wir müssen lernen aus dieser Saison, auf allen Ebenen“, gab er die Richtung vor. „Ich als Coach muss ein paar Dinge wirklich besser machen.“ Ein Beispiel: „Wir müssen die Spieler besser entwickeln, gezielt an den Sachen arbeiten, bei denen sie Defizite haben.“ Hinter dem 55 Jahre alten ehemaligen Nationalspieler liegt seine erste komplette Saison als Cheftrainer. Er, der sich als langjähriger, erfolgreicher Assistenztrainer nie in den Vordergrund drängte, wird seine Aufgabe an hauptverantwortlicher Position fortsetzen. „Es geht um Stabilität im Verein, um Kontinuität, das ist das Entscheidende. Es geht nicht so sehr um mich“, sagte Perwas. Mit seinem Stab hat er schon eine „lange Liste“ an möglichen Verbesserungen aufgestellt, die sein Team noch schlagkräftiger machen sollen. Mit der neuen Mannschaft will er den nächsten Schritt nach oben vollziehen. Zu ihr werden auf jeden Fall fünf alte Gesichter zählen: Till Pape und Radii Caisin, zwei Führungsspieler, sowie Jacob Knauf, Jamie Edoka und Ivan Crnjac. Bei Isaiah Swope, Logan Johnson und Nahiem Alleyne kann der Klub jeweils Optionen ziehen. „Wir müssen versuchen, mehr Playmaking-Power zu bekommen“, sagt Sebastian Gleim. Zuletzt lastete die Last am Schluss zu oft auf Swopes Schultern. In Zukunft wollen die Skyliners wieder mehr Spieler in ihren Reihen haben, die im entscheidenden Moment ihre Würfe treffen. Wie hoch der Spieleretat für die kommende Runde sein wird, soll im Detail noch nicht feststehen. Aber das ist nichts Neues bei den Frankfurtern, denen bei der Zusammenstellung des zukünftigen Teams eine „sehr wichtige Phase“ bevorsteht. „Das sind Sachen, die im Sommer passieren. Das kannst du dann nicht mehr aufholen“, sagt Klaus Perwas. Mit Blick voraus ist für Till Pape schon jetzt eines klar. „Wir können auch zwei gute Saisonhälften spielen.“ Ziehe man die richtigen Schlüsse, könnten die Skyliners aus dieser Saison viel rausziehen, sagte der Kapitän sinngemäß. Neustart ist dann am 20. September mit dem Heimspiel gegen Würzburg – aus Skyliners-Sicht hoffentlich mit einem Aufgebot in voller Mannschaftsstärke.