FAZ 18.03.2026
17:57 Uhr

Schlechte Quoten: Nur der Müll erregt Aufsehen bei den Oscars


Preisverleihungen wie die Academy Awards interessieren immer weniger Zuschauer. Woran liegt das?

Schlechte Quoten: Nur der Müll erregt Aufsehen bei den Oscars

Auch Conan O’Brien konnte nichts retten. Trotz der Witzeleien des Moderators über die Epstein-Akten, die Fehde zwischen Kendrick Lamar und Drake sowie ­Timothée Chalamets Verriss von ­Ballett und Oper zogen die Oscars in der Nacht zu Montag in den Vereinigten Staaten nur 17,9 Millionen Zuschauer vor den Bildschirm. 2025 hatten noch fast 20 Millionen Amerikaner eingeschaltet. 1998, als „Titanic“ elf Oscars holte, ­waren es mehr als 57 Millionen gewesen. In Deutschland, wo der Privat­sender ProSieben die jährliche Preisverleihung der kalifornischen Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) übertrug, brachte es „Hollywood’s biggest night“ auf einen Marktanteil von 18,7 Prozent, ebenfalls ein paar Prozentpunkte weniger als 2025. Woran liegt's? In Branchenblättern und sozialen ­Medien wird derweil über die Gründe spekuliert. Wie auch die Organisatoren von Golden Globes und Grammys in den vergangenen Wochen erfahren mussten, sind immer weniger Zuschauer bereit, die streckenweise langatmigen Preisverleihungen zu verfolgen. Auch politische Statements auf roten Teppichen und auf Bühnen schrecken viele Zuschauer ab. Der spanische Schauspieler Javier Bardem, der in der Nacht zu Montag mit dem Pin „Nein zu Krieg“ im Dolby Theatre auftrat, wurde später von Kritik eingeholt. „Ich trage einen Pin, den ich schon 2003 während des Irakkriegs getragen habe. Heute haben wir einen weiteren illegalen Krieg, den Trump und Netanjahu mit einer Lüge begonnen haben“, sagte Bardem. Wie man in Hollywood erzählt, hatte ­AMPAS in Zeiten von Razzien der Einwanderungsbehörde ICE, von Gaza, Ukraine und Irankrieg, auf politische Abstinenz gesetzt, um die Einschaltquote nicht weiter nach unten zu treiben. Viele schreiben die Oscar-Müdigkeit aber auch der eher eintönigen Saison zu. Ryan Cooglers Südstaaten-Horror-Vampir-Drama „Blood & Sinners“, das die Academy im Januar für 16 Oscars nominiert hatte, schien nur gegen „One ­Battle After Another“, Paul Thomas ­Andersons für 13 Trophäen nominierte Gesellschaftssatire – welche in der Nacht zu Montag in der Königsdisziplin „Best Picture“ gewann –, ins Rennen zu gehen. Wie die Academy wissen ließ, setzt sie für die 99. Oscars im kommenden Jahr wieder auf O’Brien. Sie erklärte den ­Komiker inzwischen zum „Moderator auf Lebenszeit“. Aufsehen erregt immerhin ein Foto, das nach der Verleihung von dem Filmredakteur Matt Neglia geteilt wurde. Es zeigt die Sitzreihen im Dolby Theatre in Los Angeles, die nach der Veranstaltung mit Müll übersät waren. Ein Nutzer kommentierte das Foto auf Instagram mit den Worten: „Das ist doch genau das Chaos, das die Amerikaner überall auf der Welt hinterlassen, oder?“