FAZ 17.05.2026
15:01 Uhr

Schiedsrichter-Abschied: Heult doch!


Tränen im Männerfußball sind selten. Meistens kommen sie nach Niederlagen, nach Abstiegen, nach verschossenen Elfmetern. Diesmal flossen sie, weil etwas zu Ende ging. Und das ist gut so.

Schiedsrichter-Abschied: Heult doch!

Christopher Trimmel hatte lange auf diesen Moment gewartet. Nach dem Abpfiff eilte der Kapitän von Union Berlin auf den Platz und zeigte Schiedsrichter Patrick Ittrich die Rote Karte. Zum Glück nur eine beschriftete, mit persönlicher Widmung. Ittrich könne sie behalten oder entsorgen, sagte Trimmel, er sei in der Hinsicht pragmatisch. Es war der letzte Spieltag der Bundesliga, und auf den Rasen des Landes passierte etwas Ungewöhnliches: Männer weinten. Ganz offen, ganz ungeniert. „Ich bin eigentlich kein Heuler“, sagte Ittrich, der wie Deniz Aytekin, Tobias Welz und Frank Willenborg sein letztes Spiel leitete, „aber: Kommt das mit dem Alter?“. Das kann sein, und das ist in dem Fall gut so. Auch Aytekin rieb sich vor dem Spiel, nach dem Spiel, und irgendwo dazwischen vermutlich ebenfalls die Augen. „Wahnsinn, dass es nochmals so emotional wird“, sagte der 47-Jährige. Dabei hatte er „nur“ gepfiffen. Aber wer nach mehr als 250 Bundesligaspielen in die Schiri-Rente geht, der sollte nicht den Eindruck haben, seine Gefühle verbergen zu müssen. Tränen im Männerfußball sind selten. Meistens rollen sie nach Niederlagen, nach Abstiegen, nach verschossenen Elfmetern. Diesmal flossen sie, weil etwas zu Ende ging. Männer, die jahrelang Regeln durchgesetzt, Beschimpfungen eingesteckt und Rudelbildungen aufgelöst haben, sollten weinen, wenn ihnen danach ist. Und sie sollten es öfter tun, nicht nur beim Abschied.