Herr Brandenburg, im Finnischen gibt es ein Sprichwort: „Wenn Schnaps, Teer oder die Sauna nicht helfen, ist die Krankheit tödlich.“ Ist es gesund, in der Sauna zu schwitzen? Regelmäßig in die Sauna zu gehen, bringt etliche Vorteile. Der Blutdruck lässt sich nachhaltig verbessern, das Risiko für so manche Herzkrankheit senken. Es ist auch kein Geheimnis, dass Wärme bei einer verspannten Muskulatur hilft. Schwitzen in der Sauna belastet allerdings den Kreislauf. Wer sollte vorsichtig sein? Wer erkältet ist, sollte niemals in die Sauna gehen. Das Immunsystem hat dann schon zu kämpfen und soll dann noch Wärme und Kälte ausgleichen. Das bekommt es nicht hin. Auch wer schon Herzprobleme oder Kreislauferkrankungen hat, muss vorsichtig sein. Im Zweifelsfall muss mit einem Arzt abgesprochen werden, ob er Saunabesuche empfehlen kann. Auch beim Fasten ist der Körper vorbelastet, und Hitzereize sind schwieriger zu regulieren. Wie nutzen die Patienten der Fastenklinik, in der Sie als Sporttherapeut und Saunameister arbeiten, die Sauna? Bei der Aufnahme unserer Patienten wird die Krankheitsvorgeschichte mit einem Arzt besprochen. Wenn nichts gegen einen Saunabesuch spricht, gehen wir diesen sanft an. Während des Fastens sollte niemand die üblichen 15 Minuten in der Sauna verbringen, sondern maximal acht bis zehn Minuten. Die Patienten machen dann auch nur zwei statt drei Saunagänge. Ich versuche natürlich, alle in die Sauna zu ziehen – sodass sie in meine Aufgüsse reinschnuppern. Die Öle, die ich nutze, haben weitere positive Effekte auf den Körper. Sie aktivieren, fördern die Durchblutung. Und sie entspannen. Welche Rolle spielen Düfte dabei? Meist nutze ich während eines Aufgusses drei unterschiedliche Düfte, um einen schönen Effekt zu erzielen. Vorneweg einen Zitrusduft, der bringt Reinheit in den Raum. Als Zweites nutze ich gern ein Kraut wie Rosmarin, das wach macht, wenn die Leute müde sind. Für Entspannung gehe ich Richtung Lavendel. Ganz zum Schluss setze ich auf einen schönen, schweren Duft. Weißtanne oder Zirbelkiefer sind solche Baumdüfte, die die Durchblutung anregen. Düfte rufen Erinnerungen hervor, das macht für mich einen großen Anteil an einem Aufguss aus. Sind Erinnerungen nicht komplett individuell? Denken Sie einmal an Cassia, den Zimtduft. Welche Jahreszeit kommt Ihnen da in den Sinn? Der Winter. Genau. Das ist manchmal eine schöne Sache, wenn durch Düfte solche Erinnerungen wie an Weihnachten hochkommen. Im Sommer würden Sie Cassia also nicht einsetzen? Nein, viele Düfte sind von der Jahreszeit abhängig. Den Frühling würde ich blumig einläuten. Mit Jasmin oder Ylang-Ylang. Das ist ein sehr schwerer Duft, neben Lavendel aber auch einer der schönsten Entspannungsdüfte, die es gibt. Im Sommer würde ich zur Erfrischung Zitrusfrüchte wählen. Im Herbst würde ich dann in eine baumige Richtung gehen und im Winter auf Düfte rund um Weihnachten. Was sind Ihre persönlichen Favoriten für den perfekten Saunagang im März? Vorneweg rote Mandarine, das ist schön süß. Dann setze ich die Krauseminze hinterher – das typische Spearmint, bei dem die Leute in der Sauna schon anfangen zu kauen, weil es Erinnerungen an Kaugummi hervorruft. Am Ende habe ich immer gern die Zirbelkiefer drin. Ich liebe diese rauchigen Düfte, die nach einer Minze sehr intensiv wahrzunehmen sind. Wie gehen Sie bei ätherischen Ölen mit dem Risiko um, dass durch die Aufgüsse im Kontakt mit den heißen Oberflächen des Saunaofens die Chemikalie Formaldehyd entstehen kann? Wir bei Buchinger nutzen reine ätherische Öle, keine der Konzentrate, bei denen das möglich ist. Konzentrate sind Düfte, die direkt ins Wasser kommen und mit Alkohol versetzt sind. Manche hängen da noch etwas hinterher. Es wird aber mehr und mehr umgestellt, weil die reinen ätherischen Öle einfach viel gesünder sind. Sie geben die Tropfen auf Eisbälle. Der Gedanke dahinter ist, dass das Öl nicht auf die heißen Steine gelangen soll. Dann würde es verbrennen und wäre nicht effektiv genutzt. Ich nutze also eine kleine Eismaschine und forme Kugeln aus Flockeneis. Den Eisball mit ein paar wenigen Tropfen des Öls lege ich auf die Steine und umgieße ihn mit Wasser. Nun steigt Wasserdampf auf, der durch den Eisball geht und den Duft in den Raum trägt. Dann beginne ich mit dem Wedeln. Was genau machen Sie dabei? Die warme Luft und der Duft steigen zur Decke auf, ich verteile ihn dann mit einem Handtuch. Für die Gäste in der Sauna ist es ein Zusatzkick, wenn der Windhauch auf sie zukommt, denn er fühlt sich durch die erhöhte Luftfeuchtigkeit richtig heiß an. Hierbei kommt es auf die Wedeltechnik an. Welche Technik wenden Sie beim Wedeln an? Ich bin ein Oldschool-Aufgießer. Ich habe zwei Hände am Handtuch und halte es weit offen, damit auch wirklich viel Luft bewegt wird. Bei den heutigen Eventaufgüssen macht man viel mit einer Hand. Das Handtuch wird geworfen, wieder gefangen. Das ist viel Show, ein halber Zirkus – allzu viel Luft wird dabei aber nicht bewegt. Deshalb habe ich beide Hände am Handtuch, so kommt viel mehr Luft bei den Gästen an. Der Show-Aspekt war aber enorm wichtig, als Sie vor zwölf Jahren die Saunaweltmeisterschaft gewonnen haben. Eventaufgüsse sind super, für mich ist es nur wichtig, dass der Sinn der Sauna nicht verloren geht. Die Leute sollen zuallererst schwitzen. Dabei können sie dann emotional durch die Düfte und die Musik mitgenommen werden. Den Weltmeistertitel habe ich mit meiner damaligen Kollegin mit einer Aufführung als „Rotkäppchen und der Wolf“ bekommen. Wir haben Theater gespielt, nur in der Sauna. Manche Leute waren emotional sehr ergriffen und kamen nach dem Aufguss weinend aus der Sauna. Wie führt man eine solche Geschichte in der Sauna auf? In der ersten Runde hat sich Rotkäppchen vorgestellt und den Aufguss gemacht. Als Wolf war ich zunächst noch etwas versteckt. Die fröhliche Musik wechselte dann in der zweiten Runde schlagartig und wurde düster. Es war dunkel, ich kam hervorgeschlichen. Dann habe ich mein schauspielerisches Talent als Wolf bewiesen. Ich habe die Saunagäste angeknurrt und sehr kräftige Schläge mit dem Handtuch gemacht. In der dritten Runde stand Rotkäppchen dem Wolf dann gegenüber. In einem kleinen Kampf haben wir viel synchron gewedelt mit dem Handtuch. Das war optisch schön für die Gäste. Unser Aufguss von rund 13 Minuten endete nicht wie die Originalgeschichte, sondern mit einem Happy End: Rotkäppchen besiegte den Wolf, und dieser beschützte ihr Dorf. Wie viel Schauspielerei steckt heute noch in Ihrer täglichen Arbeit? Keine mehr. Ich bevorzuge mittlerweile sanfte Aufgüsse mit schöner Musik, zu der ich abschalten kann. Cello oder Violine. Manchmal fahre ich noch zu Veranstaltungen wie zuletzt zu einem Saunamarathon. Dort wollen die Leute Party in der Sauna machen. Klar ist es schön, zu unterhalten, aber mittlerweile finde ich: Wenn ich Party will, brauche ich keine Sauna. Worauf achten Sie selbst, wenn Sie Gast in einer Sauna sind? Ich achte auf etliche Details. Das ist die Aufgießer-Krankheit, die Arbeit anderer Saunameister genau zu beobachten. Jeder Saunameister sollte die schonendsten Arten des Saunierens vor dem Aufguss an die Gäste weitergeben. Dazu zählt, dass jeder auf den eigenen Körper hören sollte und rausgehen sollte, wenn er sich während des Aufgusses schlecht fühlt. Der Saunameister sollte zudem Empfehlungen für nach dem Aufguss geben. Gehen Sie als Saunabesucher nach einem Aufguss für 30 bis 60 Sekunden an die frische Luft, bevor Sie eine kalte Dusche genießen. Damit ich entspannen kann, macht für mich zudem ein warmes, orangefarbenes Licht am meisten aus. Gerade abends gehören für mich auch Kerzen im Saunabereich dazu.
