Diesen Fragebogen hat Marcel Proust nie ausgefüllt. Denn er ist eine auf den Fußball zugespitze Variante eines zu Zeiten des französischen Schriftstellers beliebten Gesellschaftsspiels. Wir spielen es weiter mit Menschen aus dem Fußball, die bereit sind, die Herausforderung an Geist und Charme anzunehmen: diesmal mit Sara Doorsoun. Sie ist 34 Jahre alt und wurde in Köln als Tochter eines Iraners und einer Türkin geboren. Mit dem Fußball begann sie in einer Jungenmannschaft des SV Wesseling. Seit Anfang 2026 steht die Verteidigerin, die zweimal mit dem VfL Wolfsburg deutsche Meisterin wurde, wieder beim Bundesligateam von Eintracht Frankfurt unter Vertrag. Was ist für Sie das größte Glück als Fußballerin? Dass ich das Privileg habe, das zu tun, was ich als vierjähriges Mädchen immer tun wollte: Fußballprofi sein. Und was ist für Sie das größte Unglück als Fußballerin? Verletzt zu sein und nicht mehr das auszuüben, was mir so viel Spaß macht. Woran erkennen Sie eine gute Spielerin, einen guten Spieler? Qualität auf dem Platz gepaart mit einer starken Ausstrahlung. Wer ist die beste Spielerin, gegen die Sie gespielt haben? Alex Popp, Alessia Russo, Ewa Pajor (polnische Spielerin des FC Barcelona/d. Red.) und aus Brasilien Ludmila da Silva. Sie war damals mit Abstand die schnellste Spielerin, gegen die ich gespielt habe. Welche Spielerin ist besser, als die Allgemeinheit glaubt? Nicole Anyomi. Ich habe ihr immer gesagt, dass sie selbst gar nicht weiß, wie gut sie eigentlich ist. Wer ist der wichtigste Trainer in Ihrer Karriere? Früh in meiner Laufbahn Thomas Obliers. Ich habe immer noch ein paar Ratschläge von ihm im Kopf. Ich versuche, sie auch an jüngere Spielerinnen weiterzugeben. In meiner späteren Laufbahn Niko Arnautis. Worüber möchten Sie in der Kabine nicht sprechen? Für mich gibt es in der Kabine keine Tabuthemen. Wen bewundern Sie? Ich bewundere grundsätzlich niemanden. Was bewundern Sie? Ehrlichkeit. Was fürchten Sie in einem Spiel? Wenn ich mit Angst ins Spiel gehe, habe ich, glaube ich, schon verloren. Deshalb fürchte ich nichts. Ein Gedanke, der Sie während eines Spiels überrascht hat? Im Spiel ist man so im Tunnel, dass ich keine Gedanken habe, die mich überraschen würden. Welche Fußballregeln würden Sie ändern? Die Auslegung der Handspielregel finde ich immer noch komisch. Ich finde, da müsste noch einmal drüber nachgedacht werden. Wer führt Ihre Gehaltsverhandlungen? Mein Berater. Was ist der Sinn des Spiels? Für mich persönlich, Spaß zu haben und es zu genießen. Ihre Lieblingsspielerin, Ihr Lieblingsspieler? Früher war Célia Šašić mein Vorbild. Bei den Männern Marco Reus. Ihr Lieblingstrainer? Ich denke, man weiß, dass ich ein gutes Verhältnis zu Niko Arnautis haben. Er darf sich geschätzt fühlen (lacht/d. Red.). Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen? Der Alchimist. Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Mitspielerin, bei einem Mitspieler am meisten? Ehrlichkeit. Dinge nicht mit nach Hause zu nehmen, sondern ehrlich anzusprechen. Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Freund, einer Freundin am meisten? Loyalität und Werte zu teilen, die ich auch habe. Ihr größter Fehler? Manchmal zu impulsiv oder zu emotional zu sein. Wobei ich auch die Konsequenzen trage, wenn etwas nicht gut gelaufen ist. Das würde ich nicht unbedingt als Fehler bezeichnen. Ihre Helden der Gegenwart? Meine beiden Geschwister. Ihre Heldinnen der Geschichte? Da könnte ich einige aufzählen. Gott sei Dank haben wir viele Heldinnen. Was ist der größte Irrtum über das Leben als Fußballprofi? Dass man nur eineinhalb Stunden Training und danach Freizeit hat. Es hängt deutlich mehr daran, und man hat ein sehr durchgetaktetes Leben. Messi oder Ronaldo? Ronaldo. Guardiola oder Klopp? Klopp. Was lieben Sie am meisten am modernen Fußball? Die Athletik, die technische Finesse, aber auch die Freigeister auf dem Platz. Was verabscheuen Sie am meisten am modernen Fußball? Ich glaube, dass manchmal die Liebe zum Spiel verloren geht und sich viel um Außendarstellung dreht. Ihre Lieblingsbeschäftigung an einem spiel- und trainingsfreien Tag? Zeit mit meinen beiden Hündinnen, Peanut und Duplo, zu verbringen.
