Den Spargel, sagt Ingmar Jung, habe Boris Rhein gemacht. Zu gerne hätte Hessens Landwirtschaftsminister Jung (CDU) neulich die Spargelsaison eröffnet, doch wenn der Ministerpräsident Rhein (CDU) den Termin wahrnehmen will, muss Jung zurücktreten. Umso schöner sei es, sagt er auf dem Hof eines landwirtschaftlichen Betriebs in Bischofsheim bei Rüsselsheim, nun die Erdbeeren zu übernehmen. Am Mittwoch durfte Jung die Erdbeersaison offiziell eröffnen und bei dieser Gelegenheit dafür werben, regionale Produkte jenen, die aus dem Ausland importiert werden, vorzuziehen. „Wer hessische Erdbeeren kauft, stärkt bewusst die heimischen Betriebe“, sagt Jung. „Hier bekommt man Erdbeeren, die zu Ende gereift sind und viel besser schmecken als der Kram, der importiert wird.“ Das findet auch Peter Guthmann, der mit seinem Bruder Klaus in der sechsten Generation einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Sitz in Ginsheim-Gustavsburg führt. Wichtigster Vertriebskanal für den Verkauf von Erdbeeren sei immer noch die Direktvermarktung. Ein Schälchen seiner Erdbeeren kostet derzeit 4,50 Euro und damit, vermutet Guthmann, ein paar Cent mehr als Massenware aus dem Supermarkt. „Nur durch höhere Preise können wir die gestiegenen Mindestlöhne ausgleichen“, sagt er. Mindestens ein Euro pro Schale seien reine Pflückkosten, hinzu kämen Lohnnebenkosten, Ausgaben für die Unterbringung der Hilfsarbeiter sowie die Kosten für Erdbeerpflanzen, Dünge- und Pflanzenschutzmittel und Folien. Insgesamt bewirtschaftet Guthmann viereinhalb Hektar Ackerland zum Anbau von Erdbeeren, das entspricht etwa sechs Fußballfeldern. Auf jedem Hektar stehen etwa 40.000 Pflanzen, die jeweils eine Schale abwerfen. Im Schnitt. Denn natürlich müssen die Erdbeerbauern immer damit rechnen, dass ihnen das Wetter die Ernte zerstört. In der jetzt beginnenden Saison in Deutschland seien die Startbedingungen für Erdbeeren bislang gut gewesen, sagt Andreas Klein vom Landesverband für Erwerbsobstbau. „Der kalte Winter hat den Pflanzen die nötige Ruhe gegeben.“ Als es Anfang März wärmer wurde, seien sie schnell gewachsen. „Jetzt müssen wir nur von Gewitter, Hagel und Starkregen verschont bleiben.“ Erdbeeren: Am liebsten mit Balsamicoessig und Pfeffer Garantieren kann das aber niemand. Das Klima werde für den Anbau von Erdbeeren immer mehr zum Problem, mahnt Reiner Paul von Pauls Bauernhof in Hofheim-Wallau, der bei der Saisoneröffnung auch den Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer vertritt. Umso wichtiger werde es in Zukunft, beim Anbau auf sogenannte Wandertunnel zu setzen, damit die Erdbeeren geschützt unter Folie aufwachsen könnten. Doch in vielen Kommunen, auch in Hessen, gebe es Überlegungen, für diese Tunnel einen finanziellen Ausgleich zu verlangen, weil dadurch Flächen versiegelt würden. Reiner Paul hält das für falsch. Schließlich seien die Flächen nur zeitweise abgedeckt. Eine zusätzliche Abgabe für Tunnelanbau „würde das Aus für den regionalen Erdbeeranbau bedeuten“, befürchtet er. Man sei allerdings bereits in guten Gesprächen mit Vertretern der Politik, so Paul. Rund 7768 Tonnen Erdbeeren wurden laut dem Statistischen Landesamt im vergangenen Jahr in Hessen geerntet. Etwas weniger als die Hälfte der gesamten Erntemenge reifte in Gewächshäusern oder unter anderen Abdeckungen heran. Der Rest wurde im Freiland geerntet. Im vergangenen Jahr bauten 143 landwirtschaftliche Betriebe in Hessen auf einer Fläche von rund 960 Hektar Erdbeeren an. Einer davon ist auch der Familienbetrieb, aus dem die neue Erdbeerkönigin Marleen Leonhardt stammt. In dem Obstanbaubetrieb, berichtet die 21 Jahre alte Studentin, würden Erdbeeren in allen möglichen Variationen gegessen, am liebsten aber auf eine sonst etwas ungewöhnliche Weise: mit Balsamicoessig und Pfeffer. „Besser geht es nicht.“
