FAZ 12.03.2026
17:28 Uhr

Raumfahrtagentur ESA: Neue Satelliten erleichtern die Navigation in Städten


Die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) will mit „Celeste“ ein neues System für die Navigation schaffen. Diese Satelliten kreisen niedriger um die Erde und sind widerstandsfähig gegen Cyberangriffe.

Raumfahrtagentur ESA: Neue Satelliten erleichtern die Navigation in Städten

Das System der europäischen Satelliten für die Navigation auf der Erde wird ausgebaut. Die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) plant als Ergänzung ihrer Galileo-Satelliten eine neue Gruppe von Flugkörpern. Die ersten beiden Satelliten für einen Versuchsbetrieb des neuen Programms mit dem Namen „Celeste“ sollen schon Ende März in die Umlaufbahn der Erde geschickt werden. Der früheste mögliche Starttermin ist Dienstag, 24. März. Damit wird die Navigation der Europäer widerstandsfähiger gegen digitale Angriffe, etwa gefälschte Signale oder Störsender, wie Fachleute der ESA am Donnerstag in Darmstadt erläutert haben. Das System der Galileo-Satelliten wird von dem neuen Programm nicht ersetzt, sondern weiterverwendet und mit einer zweiten Generation von Satelliten ebenfalls weiter ausgebaut. Dieses System für die Navigation gehört zur Weltspitze, wie Jörg Hahn, ESA-Fachmann für Navigation, hervorhob. Das Celeste-System wird nach den Plänen der ESA 200 bis 300 Satelliten umfassen, die nach und nach in die Umlaufbahn der Erde geschickt werden. Die endgültige Ausbaustufe soll im Jahr 2035 erreicht werden, wie Marco Anghileri sagte, Nutzlast-Manager des Programms. Zweite Ebene unter den Galileo-Satelliten Die Haupteigenschaft der Satelliten der neuen Celeste-Gruppe ist der Raumfahrtagentur zufolge, dass sie niedriger fliegen als die bisherigen Galileo-Satelliten. Für die neuen Flugkörper ist eine Höhe zwischen 500 und 600 Kilometern vorgesehen, während die Galileo-Satelliten wesentlich weiter von der Erde entfernt kreisen, nämlich in einer Höhe von 23.000 Kilometern. Das heißt, die neuen Flugkörper bilden eine zweite Ebene weit unter den bisherigen. Weil die Celeste-Flugkörper der Erde näher sind, reicht eine weniger starke Sendeleistung für die Signale aus, wie Hahn sagte. Diese Flugkörper bewegen sich auch schneller als jene der Galileo-Gruppe. Das neue System ist nach Worten von Hahn besonders leistungsfähig bei der Navigation in Städten, weil es eine schnellere Orientierung zwischen hohen Gebäuden ermöglicht. Die Celeste-Satelliten bewegen sich auf einer Umlaufbahn, auf der sie ständig von der Sonne beschienen werden. Das heißt, ihre Solarzellen können ohne Unterbrechung Energie für den Empfang und das Aussenden von Signalen liefern, wie Anghileri sagte. Signale für das „Internet der Dinge“ Die Signale der neuen Satelliten sollen außer für die Navigation auf Smartphones auch für autonome Fahrzeuge und für die Luftfahrt, für das Notfallmanagement und für kommerzielle Anwendungen wie das „Internet der Dinge“ verwendet werden, wie Anghileri erläuterte. Für einen Demonstrationsbetrieb wird nach den Plänen der Raumfahrer zunächst eine Gruppe von elf Flugkörpern sowie ein weiterer als Reserve in den Orbit gebracht werden. Die ersten beiden Satelliten, die noch im März abheben sollen, haben eine Größe von weniger als einem Meter. Sie sind für eine Lebensdauer von einem Jahr konzipiert, wobei die vorgesehene Zeit für Experimente ein halbes Jahr beträgt. Die späteren Satelliten sind für eine Betriebsdauer von fünf bis sieben Jahren ausgelegt. Gebaut werden die neuen Satelliten von Industrieunternehmen, wie Hahn sagte. So schaffe das Celeste-Programm Großaufträge für etliche Unternehmen. Für den Bau der ersten elf Flugkörper wurden der ESA zufolge zwei Aufträge an Konsortien vergeben, zu denen 50 Unternehmen in 14 europäischen Ländern gehören, darunter der deutsche Raumfahrtkonzern OHB mit Sitz in Bremen und die französische Thales-Gruppe. China und die Vereinigten Staaten arbeiten bereits an ähnlichen Systemen wie Celeste, sagte Anghileri. Nach seinen Worten ist China schon weiter als die Europäer und hat bereits rund 100 Satelliten in die Umlaufbahn gebracht.