FAZ 01.08.2026
08:30 Uhr

Radler-Routen: Rund um den Donnersberg


Auf abwechslungsreichen Rad- und Wanderwegen geht es 47 Kilometer weit einmal um den höchsten Berg der Pfalz.

Radler-Routen: Rund um den Donnersberg

Bei klarer Sicht ist er von den Taunushöhen aus gut zu sehen: der 687 Meter hohe, dicht bewaldete Donnersberg im Nachbarbundesland Rheinland-Pfalz. Auf seinem Hauptplateau erstreckte sich vor mehr als 2000 Jahren eine geschäftige keltische Großstadt, in der mehrere Tausend Menschen lebten. Heute lockt er die Menschen nicht nur mit den Überresten seiner keltischen Vergangenheit, sondern vor allem mit unzähligen gut ausgeschilderten Wanderwegen und Fahrradrouten sowie mit uriger Pfälzer Gastlichkeit. Unsere 47 Kilometer lange Radtour umrundet auf gut ausgebauten Rad- und Waldwegen einmal den höchsten Berg der Pfalz. Aber ohne ein paar knackige Anstiege kommen wir nicht davon: Der Weg führt uns fast bis auf die Höhe des Gipfels und über die steilste Ortsdurchfahrt Deutschlands. Für E-Bikes kein Problem. Wer ohne Motor unterwegs ist, sollte sehr gut trainiert sein und wegen der Passagen durch den Wald nicht mit zu schmalen Reifen unterwegs sein. Die Route beginnt in Kirchheimbolanden, kurz „Kibo“ oder „Kerschem“, wie die Pfälzer sagen. Die Kreisstadt des Donnersbergkreises trägt auch den Zusatz „Kleine Residenz“ – und das verdankt sie dem Grafengeschlecht Nassau-Weilburg. Durch eine Heirat fiel sie 1393 unter dessen Herrschaft. Fürst Karl August von Nassau-Weilburg verlegte seine offizielle Residenz 1738 von Weilburg nach Kirchheimbolanden, sie blieb bis Ende des 18. Jahrhunderts Residenzstadt des Fürstentums. In dieser Zeit entstanden das Prachtschloss, die barocke Vorstadt und die Schlosskirche. Wegbeschreibung Wir starten am Bahnhof in „Kibo“. Wer mit dem Auto anreist, parkt am besten im City-Parkhaus oder vor der Stadthalle (Festplatz Herrengarten) und steigt dort in die Route ein. Ein Tipp für Wohnmobilisten: Auf dem Festplatz befindet sich sehr zentral ein offizieller Stellplatz. Weil der Weg zum Donnersberg noch weit ist, verschieben wir den Stadtrundgang im schönen Kirchheimbolanden auf später. Im Kreisel am Bahnhof geht es nach rechts Richtung Innenstadt und links in die „Neue Allee“, vorbei an den hübschen Kavaliershäusern: Der Fahrradweg führt uns geradeaus hinaus aus der Stadt und parallel zur Landstraße in Richtung Bolanden. Den Donnersberg haben wir nun fest im Blick und kommen ihm immer näher. Am Bolanderhof, dessen Hofladen sich auch für einen Einkauf zum Picknick eignet, biegen wir rechts ab und kommen auf den zum Teil geschotterten, aber gut zu fahrenden Radweg in Richtung Marnheim. Weiter durch den Bolander Ortsteil Weierhof mit der Mennonitischen Forschungsstelle. Die Mennonitengemeinde von Weierhof wurde 1682 von Schweizer Einwanderern gegründet. Hier gibt es eine Kirche und einen Friedhof. Den Donnersberg im Blick, folgen wir dem Radweg nach Weitersweiler. Wer genau hinschaut – oder noch besser: ein Fernglas dabeihat, – erkennt an der Flanke des Berges den „Adlerbogen“ am Moltkefels. Er wurde zu Ehren von Generalfeldmarschall Graf Helmuth von Moltke und Reichskanzler Otto von Bismarck gebaut und im Zweiten Weltkrieg zerstört. Nach einer umfassenden Restaurierung im Jahr 2016 ist das Denkmal heute wieder ein beliebtes Wanderziel mit spektakulärer Aussicht auf das Donnersberger Land. Vom Weg aus haben wir nach rechts auch einen schönen Blick auf die Ruine der im 13. Jahrhundert erbauten Burg Neu-Bolanden. Wir folgen dem Radweg Richtung Steinbach, am Fuß des Donnersbergs. Steinbach ist bekannt für sein Keltendorf, in dem sich die Besucher mit allen Sinnen auf die Spuren des Volkes begeben können, das vor mehr als 2000 Jahren am Donnersberg gelebt hat. Allerdings ist das Freilichtmuseum wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Informationen gibt es auf www.keltendorf-steinbach.de. Wir radeln weiter in Richtung Imsbach. Es geht vorbei am Angelweiher Steinbach, der sich für eine kleine Pause eignet. Nach einem kurzen Stück über einen unbefestigten Weg erreichen wir den Abzweig zu den Besucherbergwerken Grube Maria und Weiße Grube, die zur „Besuchererlebniswelt Imsbach“ gehören. Aktuell ist nur die Grube Maria an bestimmten Tagen geöffnet. Die Geschichte des Ortes, den wir kurz darauf erreichen, ist eng mit dem Bergbau verbunden. Das Bergbaumuseum von Imsbach informiert über die lange Tradition in der Pfalz. An der Bergmannsstatue geht es nach rechts auf die Landstraße, wo wir kurze Zeit später rechts in Richtung Falkenstein abbiegen. Zunächst schlängelt sich die kleine Straße durch das wildromantische Falkensteiner Tal mit seinen hoch aufragenden Felswänden. Dann kommt die Burgruine Falkenstein ins Blickfeld, die fast senkrecht über dem Ort thront. Der Anstieg beginnt, bis das Verkehrsschild mit dem Hinweis „25 Prozent“ die steilste Ortsdurchfahrt Deutschlands ankündigt. Radlern ohne Motor muss es nicht peinlich sein, ihr Gefährt zu schieben. Kurz vor der Kuppe ist Zeit für eine längere Pause, denn zur großen Freude der Ausflügler ist unterhalb der Ruine seit April 2026 wieder die Burgstubb Falkenstein geöffnet. Nach der Stärkung folgen wir weiter der Straße und sausen hinab. Achtung: Verpassen Sie nicht nach knapp zwei Kilometern in einer Kurve den Abzweig nach rechts auf einen asphaltierten landwirtschaftlichen Weg. Dieser führt mit einem kleinen Anstieg weiter durch den Wald in Richtung Bastenhaus. Diese Alternative, als Fahrradweg ausgeschildert, ist wesentlich angenehmer als die verkehrsreiche Straße, auf der viele Motorräder unterwegs sind. Wieder an der Straße angekommen, sehen wir links den großen Verkehrskreisel, auf dem eine rostige Skulptur in die Höhe ragt. Es ist das überdimensionale Modell eines figürlich verzierten Achsnagels, das bekannteste keltische Fundstück vom Donnersberg. Rechts geht es nun mit bis zu 15 Prozent Steigung die Straße hinauf auf den Berg bis zum Ludwigsturm. Benannt ist er nach König Ludwig II. von Bayern, der 1865 bei der Präsentation zugegen war. Heute ist der 27 Meter hohe Turm, betreut vom engagierten Donnersbergverein, ein beliebtes Ausflugsziel mit kleinem Kiosk, der am Wochenende von 10 Uhr an geöffnet ist. Leider ist der Turm aufgrund von Sanierungsarbeiten bis auf Weiteres nicht zugänglich. Nahe dem Turm besteht eine Einkehrmöglichkeit. Wir sausen denselben Weg, den wir gekommen sind, wieder hinunter – die Abfahrt über die andere Seite bis nach Dannenfels ist aufgrund der schlechten Straße nicht zu empfehlen. Am Achsnagel-Kreisel fahren wir nach rechts und biegen kurz darauf von der Straße auf den Fahrradweg in Richtung Kirchheimbolanden. Es geht durch eine kleine Furt und durch den Wald, bis wir am Angelweiher Dannenfelser Mühlchen wieder auf Asphalt treffen. Ein Geheimtipp für eine letzte Pause ist die Hütte am Weiher mit frisch geräucherter Forelle oder selbst gebackenem Kuchen. Der gut ausgebaute Fahrradweg führt nun wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt in Kirchheimbolanden. Dort lohnen sich ein Bummel durch die historische Altstadt mit dem Vorstadtturm und dem Schloss mit seinem Garten nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten – und ein Eis oder ein Stück Kuchen rund um den Mozartbrunnen. Anfahrt Mit dem Auto über Mainz, A 60 und A 63, Ausfahrt Kirchheimbolanden. Wer über A 5 und/oder A 3 anreist, hat über die A 67 die Anbindung nach Mainz zur A 60. Mit der Bahn geht es über den Hauptbahnhof Mainz. Von dort verkehren in der Regel stündlich RE 13 und RB 31 direkt nach Kirchheimbolanden. Daten Länge: 47 km Beschaffenheit: Überwiegend asphaltierte Fahrradwege, einige Passagen auf losem Untergrund oder durch den Wald Höhenmeter: 900 Schwierigkeit: mittel Internet Die Route ist als GPX-Track hinterlegt unter www.faz.net/radler-routen QR-Scan Dieser QR-Code führt sie direkt zur Route. Sehenswert Besucherbergwerk Grube Maria Langental 1, 67817 Imsbach. In der rund 230 Jahre alten Grube Maria wird über den Eisenerzbergbau informiert. Geöffnet von Mitte April bis Oktober, 11 bis 17 Uhr an bestimmten Sonntagen. Pfälzisches Bergbaumuseum Ortsstraße 2, 67817 Imsbach, geöffnet von 13 bis 17 Uhr, an bestimmten Sonntagen Nähere Informationen unter www.bew-imsbach.de Altstadt Kirchheimbolanden In der „Kleinen Residenz“ gibt es aus der Zeit zwischen Mittelalter und Mitte des 19. Jahrhunderts einige Sehenswürdigkeiten zu entdecken. www.visit-kirchheimbolanden.de Einkehren Burgstubb Falkenstein Hauptstraße 49, 67808 Falkenstein, rustikale Speisen, mit Biergarten, Samstag, Sonntag und Feiertage ab 11.30 Uhr, www.burgstubb-falkenstein.de Falkensteiner Hof Falkensteiner Hof 1, 67808 Falkenstein, rustikales Ausflugslokal mit Außenterrasse und Pfälzer Spezialitäten, Mittwoch bis Samstag 11 bis 21 Uhr, Sonntag und Feiertage 10 bis 21 Uhr, www.falkensteiner-hof.com Keltenhütte am Ludwigsturm Urige Wanderhütte mit deftiger Pfälzer Küche, Samstag, Sonntag und Feiertage 10.30 bis 18 Uhr. www.bastenhaus.de Angelweiher Dannenfelser Mühle Kirchheimbolander Str. 17A, 67814 Dannenfels, Terrasse am Teich, Fischgerichte und Kuchen, Samstag ab 8, Sonntag ab 10 Uhr.