Das Zweitquartalsergebnis der Deutschen Bank lässt auf den ersten Blick alte Erinnerungen aufkommen. Das Investmentbanking glänzt mit einem Vorsteuerergebnis, das um 59 Prozent über dem des Vorjahreszeitraums liegt. Bei den anderen drei Geschäftsbereichen der Bank ist ergebnisseitig allenfalls Stagnation angesagt. Wird Deutschlands größte Geschäftsbank wieder zu abhängig von ihren Investmentbankern? Finanzvorstand Raja Akram widerspricht und verweist aufs Zahlenwerk. Rund 60 Prozent des Gewinns vor Steuern der Deutschen Bank stammen eben nicht aus der Investmentbank. Dass dort das Geschäft zwischen April und Juni besonders gut gelaufen ist, kommt so überraschend auch nicht. Schon einige US-Großbanken, die bereits zu Beginn der Berichtssaison ihre Bücher geöffnet hatten, verzeichneten hohe Gewinnsteigerungen in ihren Investmentbanksparten. Der Deutschen Bank gelang es, auf der Welle der US-Banken zu schwimmen, denen ein starkes Investmentbanking im zweiten Quartal ebenfalls zu Rekordergebnissen verholfen hatte. Gänzlich vergleichbar ist das deutsche Institut mit seinen amerikanischen Konkurrenten freilich nicht, weil es beispielsweise keinen Aktienhandel betreibt. Auch beim Börsengang von SpaceX spielte die Deutsche Bank nur eine kleine Nebenrolle. Und dennoch wusste das Team um Bankchef Christian Sewing zu überzeugen und auch zu überraschen. Die größte deutsche Geschäftsbank hat zwischen April und Juni 1,9 Milliarden Euro nach Steuern verdient. Vor Steuern stieg der Gewinn mit 2,86 Milliarden Euro um elf Prozent. Davon blieb den Aktionären der Bank ein Quartalsgewinn von 1,64 Milliarden Euro. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Einnahmen stiegen um neun Prozent auf 8,48 Milliarden Euro. Damit hat Deutschlands größte Geschäftsbank die Erwartungen der Analysten klar übertroffen. Sie hatten mit einem auf Aktionäre entfallenden Gewinn von 1,38 Milliarden Euro und einem Vorsteuergewinn von 2,27 Milliarden Euro sowie Erträgen von 8,09 Milliarden Euro gerechnet. Derweil legten die Erträge der Privatkundenbank um acht Prozent auf 2,57 Milliarden Euro zu, während das Vorsteuerergebnis im Vorjahresvergleich bei 605 Millionen Euro stagnierte. Dies sei aber auch mit einem Einmaleffekt erklärbar. Die Schließung eines Geschäftsbereichs in Indien belastete im Berichtsquartal mit 100 Millionen Euro, erläuterte Akram. Stagnation herrscht auch in der Vermögensverwaltung, die vor Steuern 224 Millionen Euro verdiente, obgleich die Erträge um vier Prozent auf 756 Millionen Euro zulegten. Die Unternehmensbank musste einen sechsprozentigen Rückgang des Vorsteuerergebnisses auf 691 Millionen Euro hinnehmen, die Erträge stiegen nur leicht um ein Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Kosten-Ertrag-Relation sinkt leicht Das Verhältnis von Kosten zum Ertrag beträgt 63 Prozent und liegt damit um 0,6 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahresquartal. Das heißt, die Bank musste 63 Cent ausgeben, um einen Euro zu verdienen. Die Deutsche Bank hat es sich zum Ziel gesetzt, die Kosten-Ertrag-Relation bis 2028 auf 60 Prozent zu drücken, was im europäischen Vergleich aber immer noch ein hoher Wert wäre. Für das laufende Geschäftsjahr sieht sich das Institut auf Kurs, um Erträge von 33 Milliarden Euro zu erzielen. Nach den ersten sechs Monaten sind es schon 17,15 Milliarden Euro. Auch will man ein „starkes operatives Ergebnis“ einfahren. Potential sieht Akram zudem in der geplanten Reform des deutschen Rentensystems. Die Reform sei „ein ziemlich großer Wendepunkt für die Deutschen selbst, aber auch für die Banken“, sagte Akram bei Bloomberg TV. „Mit einer harten Kernkapitalquote von 13,9 Prozent und einer starken organischen Kapitalbildung sind wir weiterhin gut positioniert, um in unser Geschäft zu investieren und attraktive Ausschüttungen an unsere Aktionäre zu ermöglichen. Das unterstreicht unser nun angekündigter Aktienrückkauf in Höhe von 500 Millionen Euro aus den Ergebnissen des Jahres 2026“, sagte der Finanzvorstand des Instituts. Voraussetzung ist freilich, dass Deutschlands größter Geschäftsbank nicht – wie schon so oft in der Vergangenheit – Rechtsstreitigkeiten einen Strich durch die Rechnung machen. Die Bank hatte in diesem Jahr schon dreimal Besuch von Strafverfolgungsbehörden. Das Institut selbst hatte erklärt, Gegenstand der Ermittlungen seien Transaktionen der jetzigen Marke Postbank aus den Jahren 2008 bis 2010. Sie selbst sei nur als dritte Partei von den Ermittlungen betroffen. Akram sagte, dem sei aktuell nichts hinzuzufügen. Für Spekulationen um etwaige Rückstellungen sei es zu früh. Per Ende Juni hatte die Deutsche Bank 1,2 Milliarden Euro für eventuelle Rechtsstreitigkeiten zurückgestellt, geht aus dem Quartalsbericht hervor. Appetit auf eigene Zukäufe verspürt die Deutsche Bank Akram zufolge nicht. Dass Unicredit sich anschickt, die Commerzbank zu übernehmen, wird dem größeren Konkurrenten jedoch nicht schaden, ist er überzeugt. Er verwies „auf die gute Marktposition“ und auch auf Investitionen in die Unternehmerbank, nicht zuletzt im Personalbereich. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing ist zudem zuversichtlich, die Ziele für 2028 sogar übertreffen zu können. Dann will Deutschlands größte Geschäftsbank die Eigenkapitalrendite auf mehr als 13 Prozent steigern. Im zweiten Quartal lag sie bei elf Prozent. Die Eigenkapitalrendite gibt an, wie effizient Banken das Kapital zur Erzielung von Gewinnen einsetzen. Zuversichtlich waren aber auch die Anleger. Bis zum Mittag gewann die Aktie in einem leicht schwächeren Gesamtmarkt um rund vier Prozent hinzu.