1) Was ist für Sie das größte Unglück? Fürs große Ganze gesprochen natürlich die weltweiten Auswirkungen des Patriarchats, fürs Kleine bei mir zu Hause gesprochen: lauwarme Diet Coke. 2) Wo möchten Sie leben? Wenn mir kalt ist, Los Angeles, wenn mir warm ist, New York. Niemals Berlin. 3) Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück? Frisch geduscht in meinem frisch bezogenen Bett liegen, eine Serie gucken, die mich wirklich interessiert, und dabei irgendwas essen, was auf der Decke keine nachhaltigen Krümel hinterlässt. 4) Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten? Alles, was aus Übereifrigkeit passiert. 5) Ihre liebsten Romanhelden? Lolita aus Lolita. 6) Ihr Lieblingsmaler? Ich hätte allein aus Gründen der bürgerlichen Selbstdarstellung irre gern einen Lieblingsmaler, glaube aber, diese Frage unmöglich beantworten zu können. Am längsten stand ich in Museen vor Werken von Otto Dix. 7) Ihr Lieblingskomponist? Lana Del Rey, Jonny Greenwood, Frederic Rzewski. 8) Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten? Selbstironie 9) Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten? Ironie 10) Ihre Lieblingstugend? Umsicht 11) Ihre Lieblingsbeschäftigung? Mit einem Iced Coffee ohne Ziel durch eine außereuropäische Stadt laufen und Musik hören. 12) Ihr Hauptcharakterzug? Ist Pragmatismus ein Charakterzug? 13) Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten? Loyalität und ein beständiges Bauchgefühl dazu, wann er die Rechnung im Restaurant übernimmt. 14) Ihr größter Fehler? Selbstmitleid und Fatalismus 15) Ihr Traum vom Glück? Ein Haus im Grünen mit Abstellraum für die Waschmaschine. 16) Was wäre für Sie das größte Unglück? Irreparable Bedeutungslosigkeit?? 17) Ihr Lieblingsschriftsteller? Joan Didion für immer. 18) Was möchten Sie sein? Schamfrei, alles andere würde sich dann ergeben. 19) Ihre Helden in der Wirklichkeit? Ich würde so gern herausfinden, was es mit Marcel Prousts Obsession mit Heldentum auf sich hatte, zumindest in diesem Fragebogen. Ich habe keine Helden, befürchte ich. Vielleicht Kurt Cobain? Vielleicht sollte ich einfach „MEIN OPA“ sagen, damit Leute das irre rührend und intim fänden und mich nie wieder nach meinen Helden fragen. 20) Ihre Heldinnen in der Geschichte? Heldinnen sind natürlich viel einfacher als Helden. Simone Weil! Maya Angelou! Meine Oma! 21) Was verabscheuen Sie am meisten? Unsouveränität bei Leuten, die von sich denken, souverän zu sein. 22) Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meist? Baby Hitler, offensichtlich wegen dem, was aus ihm wird und außerdem seiner Omnipräsenz in moralischen Gedankenexperimenten. 23) Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten? Ich würde gerne die Leute kennenlernen, die darauf eine ernstgemeinte Antwort haben. 24) Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen? Ich habe lange und ernsthaft darüber nachgedacht und festgestellt, dass ich natürliche Gaben gar nicht beeindruckend oder begehrenswert zu finden scheine. Ich möchte Klavier spielen können und ohne Hinschauen zu müssen einen Zander filetieren können, Dinge also, die man im Zweifel einfach immer und immer wieder üben müsste, um sie zu können. Und auch diese Dinge möchte ich dann nur beherrschen, um ein einziges Mal in meinem Leben dabei beobachtet zu werden, wie ich sie scheinbar nebensächlich tue. Endlevel Panoptikum. 25) Ihre gegenwärtige Geistesverfassung? Erholt, aber arm. 26) Wie möchten Sie sterben? Vor allem niemals, natürlich. Eigentlich am liebsten langweilig und friedlich, im hohen Alter, wenn ich keine andere Wahl habe. Aber manchmal stehe ich am Gate eines Inlandfluges und schaue mich um, um herauszufinden, ob ich andere Prominente sehe, die vor mir in der BILD-Schlagzeile stehen würden, stürzte das Flugzeug ab, in das ich im Begriff bin, zu steigen. Wahrscheinlich werde ich also irgendwann an ruhminduzierter Psychose sterben. 27) Ihr Motto? Leider, immer noch, seit Jahrzehnten: „Reißt euch zusammen.“ Mein Therapeut und ich sind unzufrieden damit.
