Ähnlichkeiten, zumindest oberflächliche, sind durchaus beabsichtigt. Der eine, Klaus, hat zum Beispiel mal „Heldenplatz“ inszeniert und kauft sich eine neue Hose. Matthias wird vermittels offener Briefe Machtmissbrauch vorgeworfen. Auch Frank und Paul haben ihre Päckchen zu tragen in einer Welt, die „AWMs“ nicht mehr den nötigen Respekt entgegenbringt. Sprich: Man wirft ihnen, den alten weißen Männern, Übergriffe, Sexismus, gar Gewalt vor. Die vier packen aus – auf der Hinterbühne eines Tanzwettbewerbs. Von Witzen für Theaterkenner bis zum ganz großen Bild einer in Lager gespaltenen Gesellschaft reicht Charlotte Zorells „Dancing Stars – Geheimes Theatertreffen“. Mit der Skizze des Stücks hat die Wienerin 2025 das mit 10.000 Euro dotierte Carl-Zuckmayer-Arbeitsstipendium gewonnen. Der Preis, ausgelobt vom Land Rheinland-Pfalz mit dem Staatstheater Mainz, soll europäischen Dramatikerinnen und Dramatikern die Ausarbeitung ihres Stoffs ermöglichen, dramaturgisch begleitet vom Staatstheater, mit der Option auf eine Uraufführung. Zur Eröffnung des vierten Festivals Plug and Play für junge Regie hat nun in der vollbesetzten Kakadu-Bar vor einem sehr erheiterten Publikum die szenische Urlesung stattgefunden. Die Ensemblemitglieder Henner Momann, Denis Larisch, Istvan Vincze, Bela Milan Uhrlau und Lisa Mies haben sich tief in die Satire begeben, bis zum Cha-Cha-Cha mit Barbiepuppe. Um Machtgefälle, mit satirischen Mitteln dargestellt, wird es auch der diesjährigen Gewinnerin des Zuckmayer-Arbeitsstipendiums, der Berlinerin Lola Fuchs, gehen. Für ihr Exposé „Pech entkommt man nicht“ ist Fuchs am ersten Festivalabend ausgezeichnet worden, vor der Folie von „Frau Holle“ soll es um Aufstiegsversprechen, Ausbeutung und den Druck der Verhältnisse gehen. Ohne Druck soll das Stipendium ein Jahr der begleiteten Arbeit ermöglichen – bis zur Urlesung beim nächsten Plug and Play Festival. Lola und Zorell sind Gäste des Festivals, das locker und im internationalen Austausch, bis 17. Mai läuft. Sechs junge Regieteams bespielen die Bühnen, ausgewählt von einer Jury aus Theaterstudenten der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, die selbst ein Gastspiel beisteuern, und Regieassistenten des Staatstheaters. Mit der Hessischen Theaterakademie für das Rahmenprogramm und einer täglich wechselnden szenographischen Gestaltung durch die Studenten des Bühnenbildners Wolf Gutjahr von der Hochschule Mainz bekommt Plug and Play in dieser Ausgabe noch einen besonderen Touch: Die Tape-Markierungen für das Festival ziehen sich durch die Innenstadt, jeden Abend kann in der Kakadu-Bar diskutiert werden. Selbst E. T. A. Hoffmanns düsterer „Sandmann“ ist am Eröffnungsabend eine lockere Show mit satirischen Anspielungen auf die Gegenwart: „Ein Gothic-Konzert nach E.T.A. Hoffmann“ hat Lea Iris Meyer ihre Inszenierung im Bachelor Regie genannt, die sie mit Kommilitonen aus Musical und Schauspiel der Bayerischen Theaterakademie August Everding realisiert hat. Clara und Lothar als Rich Kids ohne Illusionen, Nathanael als Goth, der Dark-Wave-Songs aus den Achtzigerjahren liebt, und Olimpia als KI, die den Schönheits- und Selbstoptimierungszwang entlarvt und zugleich Nathanael eine Spiegelfläche ist: ein guter Start für das Festival. Plug and Play, bis 17. Mai am Staatstheater Mainz.
