FAZ 01.06.2026
16:31 Uhr

Panne bei Postversand: 24 Jura-Examensklausuren verloren gegangen


Weil ein Korrektor seine neue Adresse nicht mitgeteilt hat, sind in Hessen 24 Zivilrechtsklausuren verschwunden. Laut Justizprüfungsamt wurden für die betroffenen Studenten schon Lösungen gefunden.

Panne bei Postversand: 24 Jura-Examensklausuren verloren gegangen

In Hessen sind 24 Klausuren für das erste juristische Staatsexamen auf dem Postweg verloren gegangen. Dies hat das Justizprüfungsamt bestätigt, nachdem zunächst das juristische Fachportal LTO über den Fall berichtet hatte. Wie es heißt, handelte es sich um Zivilrechtsklausuren aus dem Februardurchgang der staatlichen Pflichtfachprüfung. Den Angaben des Prüfungsamts zufolge waren die Klausuren via DHL an den Erstkorrektor verschickt worden. Nach Informationen von LTO war der Empfänger jedoch inzwischen umgezogen und hatte dem Amt seine neue Adresse nicht mitgeteilt. Das Paket mit den Klausuren sei – dem zuvor geäußerten Wunsch des Empfängers entsprechend – im Hausflur des alten Wohnsitzes abgelegt worden. Trotz Nachfragen an Ort und Stelle sei es bisher nicht wieder aufgetaucht. „Der Verlust von mittels DHL versandten Klausuren lässt sich auch bei einer optimalen Organisation nicht vollständig ausschließen“, teilte das Prüfungsamt weiter mit. Es setze sich daher für eine zügige Einführung des E-Examens auch in der Staatlichen Pflichtfachprüfung ein. „Dann werden die Klausuren in digitaler Form vorliegen und sind gesichert.“ Betroffene haben Wahl zwischen zwei Lösungen Den Betroffenen sind dem Amt zufolge zwei Optionen angeboten worden. Sie hätten zum einen den Durchschnitt der fünf vorhandenen Klausuren als Ergebnis ihrer schriftlichen Prüfung akzeptieren können. „Dann zählt die mündliche Prüfung anteilig mehr, was in aller Regel ein Vorteil ist.“ Stattdessen hätten sich die Prüflinge auch für ein Nachschreiben der Klausur im nächsten Durchgang im Juli mit mündlicher Prüfung im Dezember entscheiden können. Inzwischen seien Rückmeldungen von allen Prüflingen eingegangen und verarbeitet worden. Zwei von ihnen würden im Juli die Klausur nachschreiben, 20 würden vom 23. Juli an in die mündliche Prüfung gehen. Zwei hätten aufgrund der Ergebnisse in den anderen Klausuren schon den Bescheid erhalten, dass sie das Examen nicht bestanden hätten. Wie das Amt weiter wissen ließ, wird erwogen, den Korrektoren der Klausuren nicht mehr zu gestatten, für die Sendung einen Ablageort anzugeben. Erlaubt wäre dann nur noch die persönliche Zustellung. Aber auch mit dieser Änderung der Modalitäten ließen sich nicht alle mit dem Versand verbundenen Risiken ausschließen. Junge Union fordert Konsequenzen Die Junge Union Hessen zeigte sich „alarmiert“ über die Panne. Sie erschüttere das Vertrauen vieler Studenten und Referendare in das Justizprüfungsamt. „Wenn Examensklausuren verschwinden, geht es nicht um einen bloßen Verwaltungsfehler. Für die Betroffenen geht es um Monate intensiver Vorbereitung, psychische Belastung und ihre berufliche Zukunft. Ein solcher Vorfall darf sich keinesfalls wiederholen.“ Für Studenten sei es nicht nachvollziehbar, dass Examensklausuren am Ende des Versandwegs frei zugänglich vor Wohnungstüren abgelegt würden. Der Hinweis des Prüfungsamts, wonach Verluste auf dem Postweg nicht vollständig ausgeschlossen werden könnten, werde der Tragweite eines solchen Vorfalls nicht gerecht. Nötig seien eine umfassende Digitalisierung und bessere Absicherung der Prüfungsabläufe, so die Junge Union. Dazu gehörten digitale Sicherungssysteme, qualifizierte Vorgaben für Klausurtransporte sowie verbindliche Verfahren für den Fall organisatorischer Fehler, die eine Belastung der Studenten ausschlössen. Die Einführung des E-Examens könne hierbei maßgeblich helfen.