Die erste Annahme liegt schon mal daneben. Weil man nämlich doch drinnen liegt. Im MRT, jedenfalls wenn denn eine Aufnahme vom Kopf gemacht werden soll. Ob das Gerät ein offenes ist oder eine umgangssprachlich so genannte Röhre, die Augen erspähen stets eine unerquicklich niedrig hängende Decke, und das Gitter ums Gesicht gibt es auch in Groß-Gerau dazu. Das Kontrastmittel läuft über einen Arm ein, wie auch sonst? Nun wird es angenehm im Unangenehmen. Im offenen MRT können die Arme seitlich heraushängen, es gelangt spürbar Luft von allen Seiten an den Körper, die Beine sind frei. Im gut gekühlten Raum kehrt innere Ruhe ein. Äußere nicht, die lauten Töne gibt auch dieses Gerät während der Aufnahmen von sich. Die Lage ist nicht die, die man sich dauernd wünscht, aber wenn es denn sein muss, dann tut solch ein Gerät schon gut. Für Patienten, die mit engen Räumen Schwierigkeiten haben, ist ein offenes MRT erste Wahl, obgleich es, streng genommen, nur halb offen ist. Schulter und Arm können relativ frei positioniert werden. Körperteile dürfen die Wand nicht berühren, das ist in dieser Konstellation leicht einzuhalten. Hemd und Hose bleiben an, der Gürtel nicht, so ist das üblich. Vor vier Jahren haben wir über die Neuanschaffung im Kreisklinikum Groß-Gerau berichtet, inzwischen laufen zehn bis 15 Untersuchungen je Tag. Chefarzt Udo Raab ist sichtlich zufrieden, die Installation habe sich voll gelohnt, sagt er. Für gleichmäßige Auslastung sorgt die Ankoppelung an eine niedergelassene Praxis, sodass auch Kassenpatienten ohne Zuzahlung behandelt werden können. Das war anfangs nicht der Fall, da wurden etwa für eine Aufnahme der Schulter 600 Euro aufgerufen. Wer Patient in Groß-Gerau oder ambulant privat versichert ist, konnte und kann natürlich hin. Was Raab leise beklagt, ist die umständliche Bedienung seines von Fujifilm gelieferten Geräts, jene von Siemens seien einfacher zu handhaben. Aber die hochwertige Ausstattung und der Tempovorteil hätten ihn überzeugt. Mit der Magnetresonanztomographie werden Schnittbilder des Körpers erzeugt. Der Kenner erkennt Organe, Veränderungen, Verletzungen. Sofern er sein Fach beherrscht, denn, wie eine Praxisleiterin trocken feststellt, „jede Radiologie ist nur so gut wie ihre Radiologen“. Raab hatte die Klinikleitung von der Anschaffung eines Hochfeld-MRT mit 270-Grad-Öffnung überzeugt. Die für den Patienten sichtbarsten Vorteile im Vergleich zu einer Röhre sind der Abstand zwischen Körper und Gerätewand und die legere Liegeposition. Eine Begleitperson darf Händchen halten. Auch besonders schwere Menschen können untersucht werden, normalerweise müssten sie in eine Pferdeklinik ausweichen. Die Abbrecherquote wegen Nervosität sei klar unterdurchschnittlich, sagt der Chefarzt. Sein MRT hat 1,2 Tesla Feldstärke, die wegen der Bauart wie 1,7 Tesla wirkten, heißt es. Je höher dieser Wert, desto schneller wird gemessen. Das kann ein Vorteil sein, ist jedoch nicht immer vonnöten, wie andere Radiologen einwenden. Es geht denn auch um Philosophie. Raab lobt die scharfen Bilder, insbesondere am Rand. In die gegen den Lärm und das Magnetfeld abgeschirmten Räumlichkeiten wurde das 15 Tonnen schwere Gerät mit einem Kran gehievt. Das Gewicht erklärt, warum der Keller mit seiner soliden Bodenplatte als Standort gewählt werden musste. Die Kosten sind beträchtlich. Der Listenpreis dürfte um 1,2 Millionen Euro gelegen haben, den tatsächlichen hält Raab geheim. Fürs Kühlen wird Helium benötigt. Falls das durch einen Fehler abrauscht, sind bis zu 20.000 Euro verloren. Der Stromverbrauch ist signifikant, die Wartungskosten gelten als beträchtlich. „Uns wären die Betriebskosten zu hoch, der Vorteil zu gering. Wir erzielen auch mit dem Tunnel schöne Bilder“, sagte uns seinerzeit ein niedergelassener Radiologe. Aus Patientensicht würden wir entgegnen: Nichts gegen gekonnten Tunnelbau, aber diese Offenheit hat was.
