FAZ 30.09.2026
17:45 Uhr

Notlandung: Israelischer Minister spricht von „dschihadistischem Anschlag“


Während eines Fluges nach Tel Aviv soll der Ko-Pilot den Piloten mit einem Messer verletzt haben. Israelische Passagiere berichten von Blut, Schreien und Panik an Bord.

Notlandung: Israelischer Minister spricht von „dschihadistischem Anschlag“

Ein mutmaßlicher „Terrorist“ hat nach Angaben des israelischen Sicherheitsministers Itamar Ben-Gvir ein Flugzeug der Fluggesellschaft Flydubai zum Absturz bringen wollen. Ziel sei es gewesen, „die 180 Israelis an Bord zu ermorden“, schrieb Ben-Gvir auf der Plattform X. Auch der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sprach vom „Versuch eines dschihadistischen Anschlags“, der nur dank des Mutes israelischer Passagiere vereitelt worden sei. Verschiedene israelische Medien berichteten unter Berufung auf Passagiere des Flugzeugs, einer der Piloten habe den anderen mit einem Messer verletzt. Flydubai bestätigte zunächst einen „Vorfall“ an Bord. Der Flydubai-Flug FZ1073 war am Mittwochmorgen auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv. Dem Flugverfolgungsdienst Flightradar24 zufolge setzte er im jordanischen Luftraum ein allgemeines Notrufsignal ab. Wenige Minuten später folgte ein Signal mit einem Code, der auf eine Entführung hindeutete, später sendete das Flugzeug abermals ein allgemeines Notrufsignal. Die Daten von Flightradar24 zeigen außerdem, dass das Flugzeug innerhalb einer Minute abrupt von einer Flughöhe von fast 34.000 Fuß auf weniger als 17.000 Fuß absackte. Um 9.45 Uhr landete die Boeing 737 außerplanmäßig auf dem Flughafen Tabuk im Nordwesten von Saudi-Arabien. Passagiere stürmten ins Cockpit Laut Medienberichten halfen Passagiere dabei, den Angreifer zu überwältigen. Die Mutter einer israelischen Passagierin sagte der Nachrichtenagentur AFP, nach Schilderungen ihrer Tochter habe einer der Piloten versucht, seinen Kollegen mit einem Messer zu erstechen. „Meine Tochter hat angerufen und gesagt, dass sie in Saudi-Arabien ist“, sagte Yasmine Abécassis, die am Flughafen Tel Aviv wartete. „Sie hat gesagt, dass ein Pilot versucht hat, den anderen Piloten mit einem Messer zu töten.“ Durch laute Schreie alarmiert seien Passagiere ins Cockpit gestürmt und hätten „den Kerl niedergerungen“, berichtete Abécassis. Dem israelischen Fernsehsender N12 berichtete eine Israelin, unter den Passagieren habe große Angst geherrscht, es habe „Schreie und Panik“ gegeben. „Einige Männer, darunter auch Israelis, standen auf und überwältigten den Angreifer“, sagte sie. Es gehe den Passagieren inzwischen gut. „Die Situation hätte aber auch anders enden können“, sagte sie. „Wir haben die Terroristen überwältigt“ Eine weitere Israelin erzählte dem Sender, sie habe Schreie im Flugzeug gehört und anschließend viel Blut im Cockpit gesehen: „Es gab Momente, in denen wir dachten, dass wir das nicht lebend überstehen würden.“ Das israelische Nachrichtenportal „ynet“ veröffentlichte eine Videobotschaft, die einen israelischen Passagier mit blutüberströmtem Gesicht direkt nach dem Vorfall an Bord zeigen soll. „Wir haben die Terroristen überwältigt“, sagte er. Die Landung stehe unmittelbar bevor. „Wir brauchen Hilfe.“ Ebenfalls berichtete „ynet“, der tatverdächtige Ko-Pilot stamme aus Oman. Dafür gab es aber zunächst keine offizielle Bestätigung. Zuvor hatte es geheißen, der Pilot sei russischer und der Ko-Pilot ukrainischer Herkunft. Das russische Generalkonsulat in Dubai teilte der Moskauer staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge mit, die Berichte über einen russischen Piloten im Cockpit entsprächen nicht den Tatsachen. Das Konsulat habe von der Airline die Information erhalten, dass kein russischer Staatsbürger an Bord gewesen sei. Laut einem weiteren Medienbericht soll es sich bei dem Tatverdächtigen um einen Einzeltäter handeln. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass ein Staat oder eine Terrororganisation Drahtzieher des Vorfalls auf dem Flug von Dubai nach Tel Aviv sein könnte, berichtete der israelische TV-Sender „Kan“ unter Berufung auf israelische Sicherheitskreise. Man gehe auch nicht davon aus, dass der Tatverdächtige geistig verwirrt sei. Netanjahu spricht von „schwerwiegendem Sicherheitsvorfall“ Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich forderte in einem Post auf der Plattform X: „Wer auch immer versucht hat, ein Flugzeug zum Absturz zu bringen und 180 Israelis zu ermorden, muss dafür bezahlen, als ob er sie ermordet hätte.“ Dies gelte für den Angreifer ebenso wie für „jeden Staat oder jede Terrororganisation, die ihn geschickt haben“. In einer Videobotschaft sprach Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu von einem „sehr schwerwiegenden Sicherheitsvorfall“. Fast alle Passagiere seien Israelis gewesen. Netanjahu berichtete zudem von einem Telefongespräch mit einem der Passagiere. Dieser habe ihm geschildert, wie das Flugzeug zu trudeln angefangen habe und in einen Sturzflug geraten sei. Gemeinsam mit einem Besatzungsmitglied sei es dem Passagier der Erzählung nach gelungen, in das Cockpit vorzudringen. Sie hätten dann den Angreifer überwältigt, während dieser versucht habe, die Flugzeugapparate zu beschädigen. Eine weitere Crew, die sich an Bord befunden habe, sei in das Cockpit gegangen und habe es geschafft, das Flugzeug zu stabilisieren. Netanjahu drückte seine Hochachtung aus „gegenüber den Helden, die außergewöhnliche Geistesgegenwart und Wagemut gezeigt“ hätten: „Sie haben viele Leben gerettet, sie haben eine schwere Katastrophe verhindert.“ Das Flugzeug sei sicher in Saudi-Arabien gelandet, der Angreifer sei festgenommen worden. Er werde von den saudischen Sicherheitsbehörden befragt. Er habe die israelischen Sicherheitskräfte angewiesen, sich auf „potenzielle weitere Bedrohungen einzustellen“, sagte Netanjahu abschließend, ohne weitere Details zu nennen. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) äußerte sich nach einem Telefonat mit seinem israelischen Amtskollegen Gideon Saar ebenfalls. Er habe mit großem Schrecken von dem versuchten Entführungsfall des Flugzeugs erfahren, teilte der CDU-Politiker in Berlin mit. Er fügte hinzu: „Ich bin zutiefst erleichtert darüber, dass die versuchte Entführung und womöglich noch weit Schlimmeres verhindert werden konnte.“ Wadephul verurteilte den Vorfall als schweren Angriff auf die zivile Luftfahrt scharf. Seine Gedanken seien bei jenen, die den Flug überstanden hätten und jenen, die um das Leben ihrer Liebsten hätten bangen müssen. Die Hintergründe müssten nun schnell und vollständig aufgeklärt werden. Am Mittwochnachmittag startete laut Medienberichten schließlich ein Ersatzflugzeug mit israelischen Passagieren in Richtung Tel Aviv. Der seltene direkte Flug zwischen den Ländern, die keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, werde etwa 45 Minuten dauern, berichtete der israelische Sender N12. Wenig später bestätigten israelische Medien, der Flieger sei sicher gelandet. Mehrere Passagiere hatten sich den Berichten zufolge zunächst geweigert, wieder in eine Flydubai-Maschine zu steigen. Saudi-Arabien habe aber eine israelische Anfrage, die Bürger mit einem israelischen Militärflugzeug abzuholen, zurückgewiesen. Am Flughafen in Tel Aviv warteten zahlreiche Angehörige.