Illustration: Katharina Hofbauer Neue Gehaltsdaten Das können sich die Deutschen von ihrem Gehalt leisten Von Claudia Bothe und Sandra Liermann 25 Juli 2026 · Wer verdient wie viel? Was bleibt am Ende übrig? Und welche Branche zahlt am besten? Hier kommt die Übersicht. Brutto 4217 Euro im Monat: Auf diesen Wert belief sich im Jahr 2025 das mittlere Gehalt der Menschen in Deutschland – ein Plus von 204 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Das geht aus der jährlichen Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit hervor, die in dieser Woche veröffentlicht wurde. In dieser werden die Bruttomonatsgehälter aller sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte erfasst. Gut jeder vierte Deutsche verdient demnach zwischen 3000 und 4000 Euro brutto im Monat. 7,5 Prozent fallen hingegen in die höchste Einkommensklasse und verdienen mehr als 8000 Euro brutto. Da diese Gehälter die Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung übersteigen, wird die Gruppe der Besserverdiener nicht weiter differenziert. Je nach Wohnort, Geschlecht, Schulabschluss oder Qualifikation variieren die mittleren Löhne jedoch stark, teils um mehrere hundert Euro. Die Bundesagentur für Arbeit verwendet in ihrer Statistik den Medianwert. Dieser ist, im Gegensatz zum Durchschnitt, gegenüber Extremwerten robust. Das Mediangehalt teilt die Löhne aller Beschäftigten in zwei gleich große Teile: Eine Hälfte verdient mehr als 4217 Euro im Monat, die andere weniger. Am besten verdienen Beschäftigte in Wirtschaftszweigen wie den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen; ihr mittleres Bruttogehalt liegt bei rund 6140 Euro im Monat. Deutlich unter dem Medianlohn wird hingegen in der Arbeitnehmerüberlassung (Zeitarbeit oder Leiharbeit) gezahlt; hier liegt der mittlere Monatsverdienst bei rund 2620 Euro. Ähnlich sieht es im Gastgewerbe aus, mit rund 2730 Euro brutto, sowie in der Land- und Forstwirtschaft; dort beläuft sich der mittlere Verdienst auf rund 2940 Euro. Gleichzeitig sind die Gehälter in diesen Branchen in den letzten sieben Jahren überdurchschnittlich stark gestiegen. Auch in den Bereichen Heime und Sozialwesen sowie in der Arbeitnehmerüberlassung stiegen die Löhne zwischen 2018 und 2025 um rund 40 Prozent. Schaut man sich einzelne Berufsfelder genauer an, so wurden die höchsten Gehälter im Jahr 2025 in der Human- und Zahnmedizin ausgezahlt. Hier lag das monatliche Mediangehalt bei 7846 Euro. Auch in IT-Berufen wurde mit 6114 Euro pro Monat überdurchschnittlich gut entlohnt. Am unteren Ende der Skala finden sich Berufe, die sich der Körperpflege widmen: Hier liegt das mittlere Gehalt bei nur 2270 Euro. Gleichzeitig konnte die Altenpflege seit 2018 ein Gehaltswachstum von 52 Prozent verzeichnen, ebenso wie andere tendenziell geringer entlohnte Berufe wie Reinigung oder Landwirtschaft. Am geringsten sind hingegen die Löhne von Lehrkräften gestiegen – gerade einmal zehn Prozent in den vergangenen sieben Jahren. Darüber hinaus verdienen Männer in fast allen Berufen mehr als Frauen, zum Teil summiert sich der Verdienstunterschied auf mehr als 1000 Euro im Monat. In der Unternehmensführung und -organisation verdienen Männer im Mittel 1923 Euro mehr als Frauen. Auch in Marketing, Rechnungswesen oder medizinischen Gesundheitsberufen beläuft sich der Verdienstunterschied auf deutlich mehr als 1000 Euro brutto im Monat. Bundesweit verdienten Männer zuletzt im Mittel 309 Euro mehr als Frauen. In den letzten Jahren hat sich die Lohnlücke bei Vollzeitbeschäftigten nur langsam verkleinert: 2018 lag sie bei 15,1 Prozent, 2025 bei immer noch 7,7 Prozent. Vor allem ein akademischer Berufsabschluss sowie ein Arbeitsplatz in einem größeren Betrieb mit 250 Angestellten oder mehr sind Faktoren, die ein überdurchschnittlich gutes Gehalt versprechen. So haben sich die Gehälter entwickelt Bruttomedianlöhne in Euro Geschlecht Alter Abschluss Betrieb Herkunft Menschen ausländischer Herkunft verdienten im vergangenen Jahr gegenüber Deutschen hingegen gut 1038 Euro weniger. In den letzten Jahren hat sich der Gehaltsunterschied zwischen Deutschen und Ausländern immer weiter vergrößert. Ein Grund hierfür kann sein, dass Ausländerinnen und Ausländer häufiger als Deutsche in geringer entlohnten Berufsfeldern arbeiten oder Hilfstätigkeiten ausüben. Wer unter 2811 Euro brutto im Monat verdient, gilt als Beschäftigter des unteren Entgeltbereichs und bekommt weniger als zwei Drittel des Medianentgelts aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten. Jede fünfteFrau arbeitet demnach im Niedriglohnsektor, bei Männern sind es hingegen rund 13 Prozent. Bei den Ausländern liegt der Anteil sogar bei knapp 31 Prozent gegenüber 12,3 Prozent der Deutschen, die im unteren Entgeltbereich entlohnt werden. Bereinigt man das Gehaltswachstum um den Effekt der Inflation, verzeichneten die Reallöhne laut dem Statistischen Bundesamt zuletzt einen Anstieg um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. So ist die Kaufkraft auch im Jahr 2025 leicht gestiegen. Einen großen Teil ihres Gehalts geben die Deutschen für Wohnkosten aus – in den meisten Teilen Deutschlands beläuft sich die Nettokaltmiete für einen Einpersonenhaushalt auf mehr als ein Drittel des Nettolohns. Im Münchener Umland liegt der Anteil für Einpersonenhaushalte im Mittel sogar bei mehr als 50 Prozent des Lohns. Auch in Berlin und Umgebung ist der Anteil der Mietkosten im Vergleich zu denen im restlichen Ostdeutschland vergleichsweise hoch. Neben den neuen Bundesländern geben auch die Menschen im Ruhrgebiet und im Bremer Umland in Einpersonenhaushalten weniger als ein Drittel ihres Lohns für Wohnen aus. Noch deutlicher sind die Unterschiede zu erkennen, wenn man Mieten und Löhne direkt gegenüberstellt. In München, dem Hochtaunuskreis oder Starnberg sind sowohl Mieten, aber auch Gehälter am höchsten. In Augsburg oder Oldenburg sind die Mieten ähnlich hoch, während die Gehälter überwiegend unter dem Medianlohn liegen. Die Ostdeutschen verdienen dagegen im Mittel mit 3761 Euro brutto rund 550 Euro weniger im Monat als die Westdeutschen. Gleichzeitig sind aber die Wohnkosten durchschnittlich geringer als in den alten Bundesländern. Im Mittel summieren sich die Kosten für Wohnen, Energie und Instandhaltungsarbeiten auf knapp 43 Prozent der Konsumausgaben privater Einpersonenhaushalte in Deutschland. Lebensmittel (13,2 Prozent) und Verkehr (10,2 Prozent) machen ebenfalls einen recht großen Anteil an den monatlich anfallenden Kosten aus. Das ergab die Einkommens- und Verbraucherstichprobe für das Jahr 2023. Für Freizeit, Kultur und Sport bleibt den Deutschen im Durchschnitt rund acht Prozent ihres verfügbaren Einkommens übrig. Dabei ist es durchaus unterschiedlich, wie viel sich die Deutschen von ihrem Gehalt leisten können. Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft hat die Lebenshaltungskosten für die deutschen Landkreise und kreisfreien Städte im Jahr 2024 berechnet. Preise für Wohnen, Energie, Lebensmittel oder Mobilität sind in die Berechnung mit eingeflossen. Demnach ist das Leben gerade in Metropolen und Universitätsstädten nicht nur begehrt, sondern auch teuer. Am oberen Ende der Skala stehen München oder Frankfurt am Main, wo Spitzengehälter sehr hohen Lebenshaltungskosten gegenüberstehen (Index 123,9 und 114,6). Gleichzeitig zeichnen sich Wirtschaftsstandorte wie Salzgitter oder Wolfsburg ebenfalls durch überdurchschnittliche Löhne aus, die Lebenshaltungskosten sind hingegen unterdurchschnittlich. Besonders weit ist die Schere zwischen Einkommen und Ausgaben in ostdeutschen Regionen wie dem Spreewald oder Potsdam-Mittelmark: Hier liegen die Gehälter mit rund 3600 Euro deutlich unter dem Medianlohn, während die Lebenshaltungskosten über dem Bundesdurchschnitt liegen. Wie viel sich die Deutschen von ihrem Gehalt leisten können, hängt also in erster Linie davon ab, wo sie leben. Kann ich meinen Chef bald dazu bringen, mir mehr zu zahlen? Wie kann mir KI im Bewerbungsprozess helfen?
