FAZ 28.09.2026
13:39 Uhr

„Nein“ von Trump: Der Ölpreis macht einen Sprung


Erst mal wird es noch teurer. In dieser Woche greift in Deutschland der Tankrabatt. Was ist für die Preisentwicklung zu erwarten?

„Nein“ von Trump: Der Ölpreis macht einen Sprung

Der Ölpreis hat zum Wochenauftakt spürbar zugelegt. Am Montag stieg der Preis der Nordseesorte Brent um mehr als drei Prozent auf zeitweise 107,51 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter). Der Preis der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte in ähnlicher Größenordnung auf 95,16 Dollar zu. Heizöl verteuerte sich nach Zahlen der Internetplattform Heizoel24, an die 500 Ölhändler ihre Preise melden, auf 169,01 Euro je 100 Liter. Hauptgrund für den Preisanstieg war offenbar, dass US-Präsident Donald Trump den Vorschlag Irans für ein Abkommen abgelehnt hatte. Der Preis für Super E10 belief sich am Sonntag im Tagesdurchschnitt auf 2,291 Euro je Liter. Diesel kostete 2,441 Euro je Liter. Beides war dicht am Rekord. Von diesem Donnerstag an müsste in Deutschland nun der Tankrabatt greifen: Rechnerisch dürfte das die Kraftstoffpreise jeweils um 17 Cent senken. Von den Sonntagspreisen aus gerechnet, würde das also 2,121 Euro je Liter für Super bedeuten und 2,271 Euro je Liter für Diesel. Tankrabatt wird zu spüren sein Die Tankstellen müssen die Steuersenkung nicht eins zu eins weitergeben, erwartet werden aber schon deutlich sinkende Spritpreise. „Der Tankrabatt dürfte Benzin und Diesel um rund 17 Cent je Liter billiger machen“, sagte Manuel Frondel, Energie-Fachmann vom Forschungsinstitut RWI in Essen. „Das zeigen unsere Untersuchungen der bisherige Tankrabatte.“ Zu Beginn seien die Rabatte vollständig bei den Autofahrern angekommen, im Jahre 2022 habe dieser Effekt über die Zeit nachgelassen..“ In der Energiekrise 2022 gab es eine Art Wette, ob der Spritpreis durch den Tankrabatt unter zwei Euro fallen würde. Darauf gibt es jetzt wohl keine Hoffnung. Der FDP-Politiker Johannes Vogel hatte damals in der Talkshow von Markus Lanz behauptet, die Bundesregierung werde das schaffen. Zumindest für eine Zeit funktionierte das damals tatsächlich. Der Preis für Diesel sank mit Einführung des Rabatts um 14 Cent auf 1,94 Euro je Liter, der für Super E10 um 30 Cent auf 1,88 Euro. Aber das hielt nicht allzu lange an. Unter zwei Euro dürfte diesmal nicht klappen „Für Spritpreise unter zwei Euro reicht das diesmal aber wohl nicht, Benzin und Diesel sind heute deutlich teurer als damals“, sagte Frondel: „Ein Grund ist die ausbleibende Einigung zwischen den USA und Iran. Hinzu kommt: Die Vorräte an Diesel, Benzin und Kerosin liegen rund 20 Prozent unter dem Normalniveau.“ Der Tankrabatt bringe zwar Entlastung, aber er mache Tanken nicht wieder günstig. Vertreter der Kriegsparteien USA und Iran waren vor ein paar Tagen am Rande der UN-Generalversammlung in New York erstmals seit Monaten wieder zu Verhandlungen zusammengekommen. Kurz darauf wurde ein neuer iranischer Vorschlag zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus bekannt, den US-Präsident Donald Trump allerdings am Samstag ablehnte. Trump rechnet nach eigenen Angaben mit weiteren Verhandlungen mit Iran. „Sie wollen ein Abkommen schließen, aber es ist nicht das Abkommen, das ich schließen möchte“, zitierte ihn das Nachrichtenportal „Axios“ aus einem Telefongespräch. Es sei das, worauf man sich vielleicht vor einem Jahr geeinigt hätte. Iran habe den Bogen überspannt, sagte Trump demnach mit Blick auf den jüngsten Vorschlag Irans, den der amerikanische Präsident schon zuvor abgelehnt hatte. Förderrekord in den Vereinigten Staaten „Jedes Mal, wenn sich die Fronten zwischen Iran und USA verhärten, geht es halt beim Ölpreis nach oben“, sagte Frank Schallenberger, Ölfachmann der Landesbank Baden-Württemberg. „Ich glaube aber dennoch, dass sich die Entspannung am Ölmarkt fortsetzen wird.“ Zuletzt habe die Stilllegung der Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien die Sorgen vor Knappheiten geschürt. Die Pipeline habe den Betrieb jedoch in der vergangenen Woche wieder aufgenommen. „Ich halte die Perspektive immer noch für realistisch, dass Angebot und Nachfrage am Ölmarkt im ersten Quartal nächsten Jahres wieder relativ ausgeglichen sein könnten“, sagte der Ölfachmann. Zum einen sei die Nachfrage in den vergangenen Monaten eingebrochen. Und zum anderen profitiere das Angebot von alternativen Transportrouten wie der Ost-West-Pipeline, dem „Dark Shipping“ einzelner Schiffe mit abgeschalteten Ortungssystemen auf der Straße von Hormus und der Ausweitung der Ölförderung in anderen Teilen der Welt. So sei in den Vereinigten Staaten gerade ein neuer Förderrekord mit 14 Millionen Barrel je Tag verzeichnet worden, sagte Schallenberger: „Ich glaube daher weiter an fallende Preise, zum Jahresende 2026 dürfte Brent wieder bei 80 Dollar notieren.“