Der ganze handwerkliche Stolz besteht aus Bambusröhrchen, Holzscheiten mit Löchern und Lehm. Aus journalistischer Neugierde bauten wir vor zwei Jahren ein Insektenhotel, das den qualitativen Ansprüchen eines Biologen standhalten kann. Trotz Verbesserungsvorschlägen — der Anbau eines Vogelschutzdrahts sei wünschenswert — bescheinigte dieser damals, es würden auf jeden Fall Gäste einziehen. Übersetzt für die Menschenwelt bescheinigten wir uns mindestens drei, eher vier Sterne und setzten auf Mundpropaganda. Der Biologe unseres Vertrauens sollte recht behalten. Mit jedem Tag fanden mehr Insekten den Weg zum Hotel Balkonien. Der Ruf eilte dem Haus in diesem Jahr voraus. Trotz fehlender Begrünung summt und brummt der Laden wie verrückt. Bisher jedenfalls. Die Wespen und Mauerbienen, die ihre Eier in den zarten Baumbusröhrchen und massiven Holzscheiten ablegen, streiten sich regelrecht um den Platz. Sie schubsen sich im Flug weg, es ist ein großes Schauspiel. Seit ein paar Tagen ist Ruhe eingekehrt, die Löcher sind versiegelt. Dachten wir. Bis der Gartenschläfer Langeweile bekommt. Und wir senkrecht im Bett sitzen. Der Gartenschläfer quiekt und schnattert Dazu muss man wissen: Das Hotel steht direkt vor dem nur mittelgut abgedichteten Schlafzimmerfenster, feinste Altbauqualität. Außerdem funktioniert die Mundpropaganda über unsere Gastfreundlichkeit so gut, dass sie die Grenzen im Tierreich überwindet. Seit dem vergangenen Herbst schaut der kleine Nager mit der Zorro-Masken-Färbung vorbei. Das kleinste Geräusch reichte vor ein paar Monaten noch aus, um ihn zu vertreiben. Der Winterschlaf hat ihm die Schüchternheit gänzlich ausgetrieben. Nachts wütet der Nager wie ein Rockstar auf Drogen im Hotel. Gewaltsam zieht und reißt er die Röhrchen heraus, lässt sie zu Boden fallen und macht sich gleich an die nächsten. Es klingt, als würde der Gartenschläfer die Kinderstuben der Insekten über den Balkon rocken und rollen. So entstehen keine Mauerbienen, sondern Spiegeleier. Die ganze Zeit über quiekt und schnattert der Nager vor sich hin. An Schlaf ist nicht zu denken, wir hören mal ein diabolisches Lachen, mal ein erbostes Meckern. Der Gartenschläfer steht unter Naturschutz, das Netz rät zu Vergrämungsmethoden wie ätherischen Ölen oder in Essig getränkten Tüchern. Der Gang in die Drogerie steht bevor. Hätten wir doch wenigstens an den Draht gedacht, um Reparaturkosten zu sparen.
