Es ist ein Pop-Hit, leicht, beschwingt, mit einem Chor aus 50 Stimmen – und einer klaren politischen Botschaft. „We’re only free when Palestine is free“, singt die Londoner Musikerin Momoko Gill darin, „Wir sind nur frei, wenn Palästina frei ist“. Dieser Song, als Single bereits im Oktober 2025 erschienen, sorgt nun für viel Ärger. Denn er ist höchstwahrscheinlich dafür verantwortlich, dass Gill von einem Musikfestival, auf dem sie auftreten sollte, wieder ausgeladen wurde. Bei „Jazz zum Dritten“, das Jahr für Jahr zum Feiertag am 3. Oktober in Frankfurt stattfindet, hätte die Musikerin auf der Bühne stehen sollen. Doch vor gut zwei Wochen wurde ihr abgesagt, von der TCF, der städtischen Tourismus- und Congressgesellschaft, die das Jazzfest organisiert. Das ist absurd und überzogen. Denn in Gills Song steckt kein Aufruf zur Gewalt. Die Musikerin stellt in ihm auch nicht das Existenzrecht Israels infrage, in keiner Zeile äußert sie Sympathie für den Terror der Hamas. Was Gill herbeisehnt, ist ein freies Palästina, keine Auslöschung Israels. Damit ist sie, kurz gesagt, auf der Linie vieler deutscher und europäischer Politiker, die im Nahostkonflikt weiter auf eine Zweistaatenlösung drängen, auch wenn diese gerade wenig realistisch erscheint. Andere Kulturschaffende gehen darüber weit hinaus. Zu Recht wurde etwa der Auftritt des Rappers Dahabflex auf einer Wahlveranstaltung der Berliner Linken als Skandal bewertet. In seinem Stück „Stop the genocide“ wünscht Dahabflex israelischen Soldaten den Tod, preist er die palästinensische Terrororganisation PFLP und ruft zur „Intifada“ auf, also zu bewaffneten Guerillaangriffen auf Israel. Keine Frage, dass er damit die Grenze zur Terrorverherrlichung weit überschreitet. Von Momoko Gill aber gibt es solche Äußerungen nicht. Das darf man nicht übersehen. Natürlich gibt es keine Pflicht, die propalästinensische Sängerin in Frankfurt auftreten zu lassen. Und wahrscheinlich hat Thomas Feda, der Geschäftsführer der Tourismusgesellschaft, sogar recht, wenn er nun erklärt, ihr Auftritt passe nicht zum Charakter eines Fests, das er als „musikalisch-unterhaltendes Rahmenprogramm“ beschreibt. Doch das hätte er früher erkennen können und müssen. Denn aus ihrer Haltung hat Momoko Gill kein Geheimnis gemacht. Ihre Ausladung, wenige Tage vor der Veranstaltung, ist deshalb unsouverän. Die Musikerin wird „gecancelt“ – wegen einer Äußerung, die vielleicht unbequem, aber von der Meinungsfreiheit gedeckt ist. Verloren haben in diesem Konflikt mal wieder beide Seiten. Auf der Social-Media-Plattform Instagram schlägt Gill nun einen raueren Ton an und wirft Israel einen „Völkermord“ vor. Über die Absage ihres Konzerts ist sie frustriert. Und die Frankfurter Tourismusgesellschaft hat sich den Ruf eingehandelt, es mit der Kunstfreiheit nicht besonders ernst zu meinen. Aus einem Jazzfestival ist so ein Politikum geworden. Von Partystimmung keine Spur.
