FAZ 28.05.2026
13:11 Uhr

Mentaltrainer mit Fell: Tennisprofis sind auf den Hund gekommen


Wer tappst und knurrt da beim Roland Garros? Viele Tennisprofis sind auf den Hund gekommen. Dabei sind Baby, Mishka und Co. nicht nur Haustiere, sondern auch Fans, Glücksbringer und Mental Coaches.

Mentaltrainer mit Fell: Tennisprofis sind auf den Hund gekommen

Wow, in diesem Jahr tummeln sich aber viele Neulinge auf der Anlage von Roland Garros. Sie heißen Ash, Baby, Rassy oder Mishka, hören aber nicht immer darauf. Sie unterscheiden sich in Rasse und Geschlecht und stecken überall ihre Nasen rein. Das Herumschnüffeln ist ihnen gestattet, haben sie doch vom Veranstalter eine Akkreditierung erhalten. Die Freiheit hat aber ihre Grenzen: Herumstromern dürfen sie nicht, sondern müssen mit ihrer Leine leben. Das ist selten ein Problem, wollen die freundlichen Wesen doch meist dort sein, wo sich Frauchen oder Herrchen aufhalten. Umgekehrt verhält es sich genauso, wie jede Hundehalterin und jeder Hundehalter weiß. So geht Anastasia Potapova, in Russland geboren und seit einigen Wochen für Österreich am Start, ohne ihren Zwergpudel „Baby“ fast nirgendwohin. Beim Training sitzt er auf einem Handtuch am Rande des Platzes, beim TV-Interview teilen sich die beiden einen Gartensessel, bei der Pressekonferenz hockt Baby auf Potapovas Schoß und schaut mit seinen Kulleraugen am Mikro vorbei auf die Journalisten. Darauf angesprochen, gab die Fünfundzwanzigjährige eine Liebeserklärung ab. „Baby“ bringe mehr Glück in ihr Leben, sagte Potapova: „Wenn man nach Hause kommt und sie sitzt dort, herrscht gleich eine andere Stimmung im Zimmer.“ „Bessere Spiele und bessere Ergebnisse“ Wer sich an dieser Stelle fragt, was der Hund mit Tennis zu tun hat (und warum dieser Text im Sportteil steht), den weiß Potopova aufzuklären. „Seit wir zusammen sind, habe ich bessere Spiele und bessere Ergebnisse.“ Hoffen wir also für die selbst ernannte „Dog Mum“, dass ihr „Baby“-Glück länger hält als die Ehe mit ihrem Spielerkollegen Alexander Schewtschenko (geschieden nach neun Monaten). Die Hundstage auf der Profitour verlaufen nicht immer friedlich. So hat der Labradoodle Rassy, den die Russin Mirra Andrejewa zum Erreichen der Top 20 von ihrer Mutter geschenkt bekommen hat, sich neulich mit dem deutlich kleineren Spaniel „Ash“ der Weltranglistenersten Aryna Sabalenka angelegt. Ihre Hündin habe wohl aus Angst „herumgepöbelt und gejault“, sagte Andrejewa. Der Profiorganisation WTA war der Vorfall eine Meldung wert. Mehr Lebensfreude und Leistungsfähigkeit Alexander Zverev, seit Jahren Halter und Liebhaber diverser Hunde, berichtete in Paris von einem Golfunfall seines Jungdackels Mishka am Rande des ATP-Turniers in München. „Der Volltrottel ist halt einfach acht Monate alt und versteht nicht, warum er im Golfcart sitzen bleiben muss“, sagte Zverev. Die Diagnose nach dem Sprung während der Fahrt: Gebrochen waren vier Knochen und beide Hüften. In Paris soll es dem Teckel den Umständen entsprechend gut gehen. Über den glimpflichen Ausgang zeigte sich auch Tamara Korpatsch erleichtert. „Das ist der Grund, warum ich Stella nie irgendwo runterspringen lasse“, sagte die Hamburgerin nach ihrem Auftakterfolg bei diesen French Open. „Stella“ ist ein kleiner Hund mit „großem Herz“. Obwohl der fünfeinhalb Monate alte Maltipoo sich vor Vierbeinern fürchtet, verleiht er seinem Frauchen Stärke. „Sie ist mein Mental Coach“, sagt Korpatsch. Niemand sollte daran zweifeln, dass Hunde Lebensfreude und Leistungsfähigkeit von Tennisprofis steigern. Dass sie ins Team gehören, weiß niemand besser als Elise Mertens, Nummer 23 der Welt und sechsmalige Grand-Slam-Turniersiegerin im Doppel. Die Belgierin besitzt  acht Hunde aus dem Tierschutz.