FAZ 14.09.2026
13:57 Uhr

Märkte: Ölpreis über 108 Dollar befeuert Inflationssorgen


Angriffe auf Schiffe im Nahen Osten und die Schließung einer wichtigen saudischen Pipeline verschärfen die Sorgen an den Märkten. Investoren fürchten, dass die Ölpreise lange auf hohem Niveau bleiben.

Märkte: Ölpreis über 108 Dollar befeuert Inflationssorgen

Steigende Ölpreise treiben weiterhin Märkte und Anleger um. Nach erneuten Angriffen auf Saudi-Arabien und auf Schiffe im Persischen Golf zogen diese kräftig an. Zum Wochenstart stiegen die Rohölpreise zeitweise um bis zu 3,9 Prozent auf mehr als 108 Dollar je Barrel, gaben einen Teil der Gewinne anschließend aber wieder ab. West Texas Intermediate, die amerikanische Referenzsorte, notierte nahe 103 Dollar. Investoren fürchten, dass die Ölpreise über einen längeren Zeitraum auf hohem Niveau bleiben und damit weltweit die Inflation anheizen könnten. Der Dax legte einen schwächeren Wochenstart hin. „Mit jedem weiteren Ölpreisschub wächst die Sorge, dass die Inflation befeuert und die Notenbanken unter Zugzwang gesetzt werden könnten“, sagt Marktanalyst Timo Emden vom Broker Captrader. Der Dax bleibe im Spannungsfeld eines Unsicherheitscocktails aus geopolitischen Risiken, geldpolitischen Fragezeichen und KI-Bedenken gefangen. Keine Aussicht auf Entspannung von Ölpreis Der Dollar legte am Montag zu, US-Staatsanleihen entwickelten sich uneinheitlich. Gold gab zeitweise um knapp ein Prozent nach und wurde knapp über 4300 Dollar je Feinunze gehandelt. „Die geopolitische Risikoprämie ist mit voller Wucht an den Rohölmarkt zurückgekehrt“, sagt die Analystin Linda Yu der DZ Bank. Als Haupttreiber sieht sie die eskalierende militärische Konfrontation im Mittleren Osten. „Selbst unter militärischem Geleitschutz bleibt die Durchfahrt für Handelsschiffe mit extremen Risiken verbunden“, so Yu. Nun gerieten auch die Ausweichrouten über die Meerenge Bab al-Mandab immer mehr unter Druck. Die Folgen seien nun schon spürbar: Saudi-Arabiens Förderung sei im August eingebrochen, weil Anlagen nach Drohnenangriffen stillgelegt werden mussten und Transportkapazitäten fehlten. Eine baldige Entspannung ist laut der Analystin nicht in Sicht. „Solange die Angriffe anhalten und die Straße von Hormus unpassierbar bleibt, dürfte der Ölpreis auf erhöhtem Niveau verharren“, sagt Yu. Sollten sich die Angriffe im Roten Meer verschärfen oder weitere Energieanlagen beschädigt werden, drohe kurzfristig sogar ein erneuter Preissprung. Werden Ölpreise über 100 Dollar zur Normalität? „Neue, auch eskalierende Scharmützel zwischen Amerika und Iran schlagen gewaltig auf die Börsenlaune“, bemerkt Robert Halver von der Baader Bank. Ihm zufolge muss sich die Welt eventuell an einen Ölpreis auch über 100 Dollar gewöhnen. „Denn es gibt keine Anzeichen dafür, dass Iran zu echten Verhandlungen bereit wäre.“ Wegen der Öl- und Erdgaspreise und der kräftig gestiegenen Renditen erwartet die Commerzbank tendenziell eine Fortsetzung der Konsolidierung. „Da die Berichtssaison erst wieder im Oktober Fahrt aufnimmt, dürften vor allem Makrodaten und geopolitische Faktoren für Bewegung an den Aktienmärkten sorgen“, meint Analyst André Sadowsky. Zinserhöhung von Fed scheint wahrscheinlich An den Märkten wurde zum Wochenstart eine Wahrscheinlichkeit von nahezu 90 Prozent für eine Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank am Mittwoch eingepreist. An diesem Mittwoch steht die Sitzung der US-Notenbank an. Die EZB hat vergangene Woche bereits die Zinsen angehoben. „Nach der leichten Überraschung auf der Oberseite bei der Kerninflation bei den am Freitag veröffentlichten aktuellen Inflationszahlen ist ein Zinsschritt der Fed zu rund 87 Prozent eingepreist“, berichtet Leon Ferdinand Bost von Metzler. „Wir glauben nicht, dass sich das Komitee am Mittwoch diametral gegen die Finanzmärkte stellen kann.“