Herbstschnitt, da denkt jeder an Bäume und Sträucher. Aber der Rasen will auch noch mal kurz gehalten werden. Außerdem kommt das nächste Frühjahr bestimmt. Wer Freude daran hat, mäht mechanisch mit der Hand, es ergeben sich meist recht schöne Flächen, aber die Mühsal ist beträchtlich. Motorkraft kommt immer seltener aus einem Benzinantrieb, meist ist der elektrisch, aber ein Kabel will an sich niemand mehr. Und zwar im doppelten Sinne. Nicht am Gerät selbst, weil man da ohnehin irgendwann drüberfährt und es den lieben langen Tag im Weg rumbaumelt. Im Boden auch nicht, wo das Kabel eher ein Draht ist, um das Einsatzgebiet des Mähroboters zu begrenzen. Das hat eigentlich gut funktioniert, ist aber in der Montage etwas aufwendig, bisweilen geht der Kontakt verloren, oder es entsteht ein Bruch. Kurzum: Das Bessere ist des Guten Feind. Moderne Mähroboter orientieren sich auf dem Terrain über Satelliten, sie haben Kameras zumindest vorn und Software, die zu lernen nicht aufhört. Anfängliche Zweifel, ein so von Geisterhand gesteuerter Mäher werde Beete zerhacken oder in den Pool eintauchen, sind Vergangenheit. Mit stoischer Zuverlässigkeit gehen jedenfalls unsere vier Probanden ihrer Tätigkeit nach. Das satte Grün ist ein Argument für solch einen Roboter, der mehrmals wöchentlich für ein paar Stunden kreuz und quer über den Rasen fährt und jeweils nur ganz wenig Halm abtrennt. Gemulcht wird dadurch gleich mit. Gegen die lange Trockenheit in diesem Sommer ist natürlich jeder Mäher machtlos, der Garten war vollkommen braun, doch siehe da, in diesen Tagen zeigt er sich erholt, legt wieder deutlich an Grün zu. Und der Mäher kommt wieder zum Einsatz. Nur Parkplätze ohne Bäume in der Nachbarschaft Zur Entscheidung, welches Gerät es sein soll, gehören vor allem die Kriterien Größe des Gartens und Beschaffenheit des Terrains. Grundsätzlich gilt: Die Basisstation, die zugleich Ladestation ist, wird mit den mitgelieferten Kunststoffschrauben in die Erde geschraubt, am besten vor einer Hauswand oder in einer Ecke. Es braucht dort eine Steckdose, und der Parkplatz darf nicht von einem Baum überwachsen sein, der GPS-Steuerung wegen. Aus dem Bereich Oberklasse meldet der Husqvarna Nera Ansprüche an, für uns im Einsatz als Kleingartenprofimodell 405 VE. Er schaut ein wenig aus nach Autoscooter mit Zwölfzylinder, zwei LED-Augen beleuchten den Pfad und melden Einsatztätigkeit. Husqvarnas Mähroboter ist groß, die Ladestation ist groß, die spürbare Solidität fordert ihren Platz. Eingerichtet wird er über eine App, die eine Steueroberfläche aufs Handy zaubert, dass man sich in einem Flugsimulator glaubt. So werden, außen um das Grün herum ferngesteuert fahrend, Referenzpunkte markiert. Wenn man weiß, wie es geht, geht das flugs von der Hand. Husqvarna setzt Künstliche Intelligenz ein, die Infrarotkamera erkennt Objekte auch nachts. Um Wildtiere wie Igel, Spielzeug, Picknickdecken oder spielende Kinder müsse man sich keine Sorgen machen, wird versprochen. Die Mäher weiche aus, fahre in der Phase der Annäherung an Hindernisse langsamer und mähe eng drumherum. So ist es. Dreht sich wie ein Auto im Handbremsdrift Der Nera hat eine Besonderheit, nämlich zwei Messerensembles. Ein großes Blatt in der Mitte und ein kleines Blatt am Hinterteil. Mit dem dreht er sich wie ein Auto im Handbremsdrift an der Kante ein und schneidet diese. Das Ergebnis ist beeindruckend, es fliegen wenige Grashalme auf die Kantensteine, in den Pool oder auf die Terrasse. Wichtig ist allerdings, die virtuelle Umrandung nicht zu dicht an stufige Kanten zu setzen, sonst rutscht der Mäher während des Eindrehens mit den hinteren Rollen womöglich ab und kann sich aus der Lage wegen durchdrehender Vorderräder nicht mehr selbst befreien. Komfortabel ist die Verstellung der Schnitthöhe über die App am Handy. Auch der Zeitplan kann dort vorgegeben werden. Praktisch ist das Drehrad zur logisch aufgebauten Menüsteuerung auf dem Gerät. Für alle angenehm ist das leise Arbeitsgeräusch. Der Nera fühlt sich qualitativ ausgesprochen hochwertig an. Die Preisforderung ist freilich gesalzen. Es gibt ihn je nach Größe des Einsatzgebietes in vier Versionen, sie kosten (derzeit im Angebot) zwischen 2100 und 4100 Euro. Aus demselben Stall tritt der Gardena Sileno Sense an, er erledigt alles eine Nummer kleiner. Gerät und Station bauen kompakt, der Mäher schaut freundlich aus. Der Sileno benötigt zur Navigation Tageslicht, im Gegensatz zum Husqvarna kann also nicht nachts gemäht werden. Was womöglich wegen Igeln oder Amseln ohnehin nicht angezeigt ist. Gardena empfiehlt gar „volles Tageslicht“ und die „Vermeidung der Dämmerung“. Hindernisse wie Steine, Bälle oder Liegen erkennt er mit seiner Kamera und fährt drumherum. Das gilt freilich nur vorwärts, rangiert er rückwärts, kann er schon mal irgendwo sanft andotzen. Dann ändert er sogleich wieder die Richtung. Wie üblich kann man ihm Verbotszonen auferlegen, in die er nicht einfährt. Auch das Muster lässt sich wählen, von Zufall bis Streifen, ganz nach Belieben. Der Sileno hat nur ein Messerensemble am hinteren Ende, gar eines mit recht kleinem Durchmesser. Er schneidet schmale Streifen und nimmt sich zum Mähen viel Zeit. Da die kein Faktor ist, passt das Ergebnis trotzdem gut. Weniger gefällt uns die Bedienung über Drucktasten, sie ist deutlich umständlicher als etwa die des Neva. Dafür ist der Preis mit 1000 bis 1100 Euro spürbar angenehmer. Robbi kommt ohne Begrenzungskabel aus Was sich vom Kärcher RCX 4 nicht behaupten lässt. Mit gut 2600 Euro gehört er in diesem Quartett zu den teureren Modellen. Für das Geld ließe sich die Familie drei Jahre lang zum Rasenmähen animieren. Doch Robbi, wie wir ihn bald nannten, motzt nicht. Auch nicht mit nassen Rädern. Optisch und technisch erinnert der RCX 4 an die Mähroboter von Sunseeker. Er dürfte aus derselben Fertigung stammen, eine offizielle Bestätigung dafür gibt es von Kärcher allerdings nicht. Der 12,2 Kilogramm schwere Mäher kommt ohne Begrenzungskabel aus und navigiert mit Real Time Kinematik (RTK), GPS und Kameras. Dreh- und Angelpunkt ist die externe RTK-Antenne, ohne die geht es nicht so gut, sagt Kärcher. Wir sagen, die sieht aus, als hätte die Telekom einen Funkmast installiert, welcher fehl am Platze wirkt. Ist diese zentral positioniert, ermöglicht das System systematisches Mähen bis zu 1500 Quadratmetern, was ein Haufen Rasen ist. Überdies gelingt eine ziemlich genaue Erfassung der Rasengrenzen sowie eingerichteter Korridore und Sperrzonen. Für kleinere Grundstücke mit 200 bis 500 Quadratmeter Rasenfläche ist RTK kein zwingendes Kaufargument. Ein gutes Kamera- und Sensorsystem reicht dort meist aus. Interessant wird die Technik auf großen, verwinkelten Grundstücken mit mehreren Flächen und engen Passagen. Mit ausreichender WLAN-Abdeckung lässt sich der RCX 4 auch aus der Ferne steuern, sonst dank Bluetoothverbindung nur aus der Nähe. In der Praxis gelang die erste automatische Kartierung nicht präzise, weshalb wir die Grenzen manuell erfassten und Robbi per Fernsteuerung auf die richtige Spur brachten. Bis zu zehn Mähzonen, No-go-Bereiche und Korridore lassen sich in der App anlegen, außerdem zeigt sie Position und Signalstärke in Echtzeit an. Das gefällt Technikfreunden. Einmal unterwegs, schauen Haustier und Mensch neugierig zu. Die Kamera erkennt Hindernisse zuverlässig, das Gerät umfährt Bäume oder Büsche und bremst auch für Tiere. Allradantrieb und ein drehbares Hinterrad erleichtern das Wenden und sollen Steigungen von bis zu 60 Prozent ermöglichen. Mit 60 Dezibel arbeitet der Kärcher nicht flüsterleise, aber das ist immer noch leiser als der Benzinmäher des Nachbarn. Nach anfänglichen Orientierungsproblemen findet er sich im neuen Revier zurecht, scheint wohl dazuzulernen und hinterlässt ein gleichmäßiges Schnittbild, dessen Mährichtung sich gar in der App einstellen lässt. Allenfalls enge Ecken oder Rasengrenzen sollten von Hand nachgearbeitet werden, erst wenn der Garten etwas wilder bepflanzt ist. Für 200 Quadratmeter braucht er rund 1,5 Stunden, ebenso lange reicht der fünf Amperestunden große Akku, was aber abhängig von Gelände, Rasenbeschaffenheit Schnitthöhe und eingestellter Leistungsstufe ist. Größere Flächen erfordern Ladepausen, die der Roboter selbständig einlegt. Rund 75 Minuten dauert eine vollständige Ladung, bis es weitergeht. Wir schauen eh nur zu. Nach der Arbeit gibt es eine Dusche aus dem Schlauch Die Schnitthöhe lässt sich zwischen 20 und 60 Millimetern einstellen. Nach der Arbeit darf der RCX 4 sogar mit dem Gartenschlauch abgespritzt werden. Regnet es, bleibt er auf Wunsch in seiner Garage, ein Sensor erkennt Niederschlag und lässt den Mäher erst 30 Minuten nach dem Abtrocknen wieder loslegen. Die Funktion lässt sich deaktivieren. Wer mehr Schnittbreite und Flächenleistung braucht, greift zum RCX 6. Wem das alles zu viel Technik ist und wer vor allem eine unkomplizierte Lösung sucht, mag sich Bosch Visimow 18V-100 und 18V-200 ansehen. Die Zahl im Namen verweist auf die empfohlene maximale Rasenfläche. Ansonsten unterscheiden sich die beiden vor allem in der Schnittbreite von 16 beziehungsweise 18 Zentimetern. Beide arbeiten mit drei Drehklingen und lassen sich auf 20 bis 60 Millimeter Schnitthöhe einstellen. Anders als die übrigen Modelle kommen die kleinen grünen ohne feste Ladestation, Begrenzungskabel und Antenne aus. Kameras erkennen die Rasenfläche und, wenn deren Konturen eindeutig sind, auch die Kanten. Ultraschallsensoren helfen bei der Hinderniserkennung, die nicht immer zuverlässig funktioniert. Unkraut oder höher gewachsene Blumen werden mitunter als Hindernis erkannt und umfahren. Das kann beim Zuschauer zu Fluchanfällen führen. An anderer Stelle fahren die Visimow dagegen so dicht an Kanten und Steine heran, dass die Kunststoffhülle Kratzer, insbesondere an den Seiten, davonträgt. Grundsätzlich gefällt uns die Idee der reduzierten Technik. Akku einsetzen, Mäher auf den Rasen stellen, Taste drücken, nach spätestens 25 Sekunden geht es los. Keine App, keine Installation, kein Schnickschnack. Das Schnittbild ist sauber, die Orientierung dagegen mitunter abenteuerlich. Der Visimow arbeitet nach Zufallsmuster, dessen Logik sich nicht erschließt. Auf verwinkelten Flächen mag das seinen Reiz haben, ansonsten wirkt die Arbeitsweise weniger systematisch als satellitengestützte Modelle, Richtungswechsel gehen abgehackt und mit einem auf Dauer nervigen Piepen einher. Mit 54 Dezibel bleibt der Bosch-Mäher vergleichsweise leise, außerdem sind 6,9 Kilogramm recht leicht, sodass er mittels Haltegriff problemlos zwischen mehreren Rasenflächen versetzt werden kann. Das ist die eigentliche Stärke. Steigungen, nasser Rasen und Schlaglöcher bringen ihn allerdings wegen des Hinterradantriebs mitunter an seine Grenzen, dann wird aus dem Zuschauen öfter als gewollt ein Eingreifen. Auf gepflegteren Rasen eines Freundes fühlt er sich dagegen sichtlich wohler und tut, was er soll. Mit seiner chaotischen Arbeitsweise muss man als Perfektionist leben können. Dafür ist der Preis von rund 500 Euro einschließlich Ladegerät und Akku in diesem Feld kaum zu schlagen. Wer schon andere Geräte von Bosch und deren Akkusystem nutzt, kommt sogar noch günstiger davon.
