Im Schaufenster erinnert ein Schwarz-Weiß-Foto an das alte Geschäft in der Schillerstraße. Doch bei allem Traditionsbewusstsein – mit dem Umzug des Haushaltswarengeschäfts Lorey ins Einkaufszentrum MyZeil vor sechs Jahren hat sich auch das Sortiment geändert. Die Auswahl an Deko-Artikeln wurde ausgebaut. Auch einige Spielwaren bietet Lorey an: Cord-Plüschtiere von Bon Ton Toys (je nach Größe 24,95 bis 147,95 Euro) kuscheln sich an die Füße eines mannshohen Kunststoffelefanten, den Inhaber Philipp Keller 2020 hier aufgestellt hat – ganz bewusst nach der Redensart vom Dickhäuter im Porzellanladen. Edles Porzellan, von Villeroy & Boch etwa oder von der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin, gibt es bei Lorey weiter reichlich. Auch Töpfe von Fissler und unzählige kleine Helferlein für die Küche – wo sonst bekommt man wohl noch Rouladen-Klammern? Neben Verbrauchern gehören auch Unternehmen zu den Kunden, wie Store-Manager Rafael Droste zu Vischering berichtet: Kürzlich habe eine Bank für die Ausstattung ihrer Niederlassung in Düsseldorf Geschirr bei Lorey gekauft, einige Hotels besorgten sich hier die Ausstattung für ihre Küchen. Seit sieben Generationen in Familienhand Doch auch Kunden, die nur eine Kleinigkeit für sich selbst oder als Geschenk suchen, werden bei Lorey fündig. Nach dem Ortswechsel hat Keller, der das Unternehmen in siebter Generation führt, mehr Angebote für junge Leute aufgenommen. Der laut Droste zu Vischering „meistverkaufte Artikel“ heißt Kknekki – die Marke steht für geflochtene, dicke Haargummis in verschiedensten Farbkombinationen, die auch als Armband getragen werden können (3,50 bis 4 Euro). Im Eingangsbereich finden sich außerdem zahlreiche Deko-Artikel, etwa von Wildlife Garden, einem Unternehmen, das aus Holz geschnitzte Tiere als Hingucker für Garderobenhaken (24,95 Euro) oder Serviettenringe (11,95 Euro) herstellt. Oder das „Pop Phone“, das aussieht wie ein alter Telefonhörer – aber, mit einem USB-Kabel versehen, statt Kopfhörer an den Laptop angeschlossen werden kann. Keller spüre regelmäßig auf der Frankfurter Ambiente und anderen Messen neue Trends auf, sagen seine Mitarbeiter. Zudem tausche er sich mit anderen Fachhändlern aus – in Deutschland gebe es heute nur noch rund 40 vergleichbare Geschäfte, deren Inhaber einander informierten, wenn sich ein neues Produkt als erfolgreich erweise. Besonders gern weist das Lorey-Team andere Fachhändler auf Artikel aus der Rhein-Main-Region hin. Ein Beispiel: Geschirr des Frankfurter Unternehmens 58products – die Tassen sind mit ausdrucksstarken Gesichtszügen versehen. Gleichzeitig hält Keller die Tradition lebendig – mit der Veranstaltung „Hinter den Kulissen von Lorey“, die über Frankfurter Stadtevents gebucht werden kann. Die Teilnehmer werden am gewählten Termin abends im Laden empfangen, wo der Inhaber von der Geschichte des Geschäfts und seiner Familie erzählt – und auch seine Beweggründe für den Umzug erläutert. Manche Stammkunden trauerten durchaus noch dem alten Standort nach, berichtet Keller der F.A.Z. am Telefon. Für das Geschäft hatte sein Urgroßvater Arnold Keller 1911 zwei Häuser an der Schiller- und der Großen Eschenheimer Straße gekauft und zusammengelegt. Nach dem Krieg wurde es von der nächsten Generation wieder aufgebaut. Doch das Gebäude sei baufällig und mit seinen vielen Etagen auch nicht mehr zeitgemäß gewesen – nur noch jeder zehnte Kunde sei am Ende überhaupt ins dritte Stockwerk vorgestoßen, sagt Philipp Keller. Auch deshalb habe er sich für den Umzug in den Laden im MyZeil entschieden. Anfang September wurden erstmals seit Jahren wieder zwei Auszubildende eingestellt, darunter eine junge Frau, die zuvor als Aushilfe in der 2023 eröffneten Filiale in Hanau gearbeitet hatte. An beiden Standorten zusammen beschäftigt Lorey rund 25 Mitarbeiter – einige schon seit Jahrzehnten: In Frankfurt sind zwei Angestellte seit 45 Jahren dabei. Lorey, Zeil 106, im 1. Obergeschoss des Einkaufszentrums MyZeil, Frankfurt; montags bis samstags von 10 bis 19 Uhr
