FAZ 15.03.2026
08:04 Uhr

Liveblog zu Kommunalwahlen Hessen: Kommunalwahl in Hessen hat begonnen


Kommunalwahl in Hessen am 15. März 2026: Aktuelle Nachrichten live

Liveblog zu Kommunalwahlen Hessen: Kommunalwahl in Hessen hat begonnen

Frankfurt. Seit sieben Stunden sind die Wahllokale in Hessen geöffnet, noch bis 18 Uhr haben die Hessen Gelegenheit, ihre Stimmen abzugeben. Zwischenstände zur Wahlbeteiligung gibt es bisher keine. In Frankfurt nutzten vor fünf Jahren nicht einmal die Hälfte der Berechtigten ihr Wahlrecht, wie unsere Grafik zeigt. 

Zweifel am WahlverfahrenFrankfurt. Im traditionell wahlfreudigen Frankfurter Nordend ist nicht einmal die Mittagszeit eine gute Gelegenheit, um Warteschlangen zu umgehen. Wobei nicht das Wählen so lange dauert, sondern die Ausgabe der Stimmzettel samt Erklärung, wie viele Möglichkeiten damit verbunden sind. Bei denen, die aus den extragroßen Kabinen kommen, gehen die Meinungen auseinander, worin bei dieser Wahl die größte Schwierigkeit liegt: Während die einen nach 93 plus 19 Kreuzchen völlig ermattet sind, scheitern andere daran, das wieder zusammengefaltete Papier durch den Schlitz der Wahlurne zu quetschen. Und die Wahlhelferinnen, die schon x-mal erklärt haben, wie das funktioniert mit Listenkreuz, Kumulieren und Panaschieren, geben zu, dass sie nicht die größten Fans dieses Wahlverfahrens sind. 

Schwalbach. In der Kommune am Taunus wird nicht nur die Stadtverordnetenversammlung, sondern auch ein neuer Bürgermeister gewählt. 

„Es gibt hier keinen Schönheitspreis für Faltarbeit\", ruft eine Wahlhelferin im Frankfurter Stadtteil Oberrad aufmunternd in Richtung einer Kabine. Man hört es rascheln, man hört es fluchen, dann tritt eine junge Frau hervor. Der Zettel in ihrer Hand ist leidlich auf A4-Format zusammengefaltet. „Straßenkarten habe ich auch nie gecheckt\", sagt sie lachend und muss ein bisschen nachhelfen, damit der Wahlzettel durch den Schlitz in der Urne passt.   

Großer Andrang in SulzbachIn den Wahllokalen in Sulzbach ist zur Mittagsstunde viel los, die großen Stimmzettel und das Kumulieren und Panaschieren machen den Wahlvorgang langsamer – und gemütlicher. Das Dorf trifft sich zur Wahl, in den Klassenräumen gibt es Zeit für Gespräche, Umarmungen und einen ausführlichen Vorab-Blick auf den Wahlzettel, bevor man anfängt, seine potentiell mehr als 100 Kreuze auf den beiden Wahlzetteln zu verteilen. Die Leute hier haben Lust auf „ihre“ Kommunalwahl. 

Frankfurt. 1,44 Meter lang, mehr als 1100 Kandidaten und 93 Kreuze: Warum aber ist der Stimmzettel für die Frankfurter Kommunalwahl so groß ist, und was erwartet die Wähler? ⁠⁠ 

Wahlsonntag in Hessen ist wolkig und kühlOffenbach. Es ist kühl, aber Regen ist nicht in Sicht: Wähler sollten heute also trockenen Fußes in die Wahllokale kommen, um an der Kommunalwahl in Hessen teilzunehmen. Der Himmel ist bewölkt, am Nachmittag und Abend lockert es von Nordwesten her auf, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mitteilt. Die Temperaturen steigen auf maximal acht bis elf Grad.In der Nacht auf Montag regnet es, die Temperaturen sinken auf drei bis null Grad. In Hochlagen fällt Schnee, und dort besteht Glättegefahr. Es herrscht leichter Frost bei minus zwei Grad. Viele Wolken und Regenschauer prägen laut der Vorhersage den Montag, es bleibt windig und kühl mit maximal acht bis zwölf Grad. Am Dienstag deutet sich ein Wetterwechsel an, im Laufe des Tages lockern die Wolken auf, und bis 14 Grad sind möglich. Am Mittwoch kommt dann die Sonne heraus, und es wird mit bis zu 18 Grad wieder deutlich milder. (dpa)

Warten vor der WahlFrankfurt. Um 10.30 Uhr herrscht in einem Wahllokal in Frankfurt-Sachsenhausen reger Betrieb. Die Leute kämen halt nach dem Frühstück, sagt ein Wahlhelfer. Wer in das Klassenzimmer der Riedhofschule kommt, vor dem wird erst einmal der Stimmzettel ausgebreitet, ein riesiges Teil, mit dem man manchen Küchentisch bedecken könnte. Das sei so Vorschrift, heißt es, auch wenn die Wähler gar nicht recht wissen, wie sie den Bogen in die Wahlkabine bugsieren sollen. „Ich bin wichtig – ich bin stark – ich bin schön\" steht in großen Lettern an der Wand des Klassenzimmers. Das ist sicher nicht für den Wahltag gedacht, aber es passt: Wer wählt, ist wichtig und stark. Und es ist schön, wenn man sich an der Demokratie beteiligt.

Die Qual der WahlFrankfurt. Die Frankfurter Kommunalwahl stellt neue Maßstäbe: Nie war der Wahlzettel größer, die Auswahl breiter – doch die Verständlichkeit des Wahlrechts bleibt entscheidend. Während der feierliche Urnengang als zentraler Akt der Demokratie zunehmend ins Abseits gerät, zeigt sich der Wahlkampf weiterhin traditionell: auf Litfaßsäulen, Straßen und an Haustüren.

Warum dauern Stimmauszählungen nach Kommunalwahlen so lange?Bei der Wahl der 21 Kreistage sowie der kommunalen Parlamente von 421 Städten und Gemeinden haben die Hessen so viele Stimmen, wie es Sitze in diesen Gremien gibt. Die Stimmen können deswegen panaschiert (verteilt) oder kumuliert (gebündelt) werden. Wann werden die Wahlergebnisse bekannt gegeben? Das zuständige Statistische Landesamt in Wiesbaden will die Wahlergebnisse nach eigenen Angaben in zeitlichen Stufen veröffentlichen. Das landesweite Trendergebnis der Kreistags- und Gemeindewahlen hat die Behörde möglichst noch für die Wahlnacht angekündigt – nur auf Basis von Stimmzetteln, bei denen Wähler mit einem Kreuzchen gleich eine ganze Wahlliste gewählt haben. Denn sie haben auch diese bequeme Möglichkeit. Die Stimmzettel mit komplexem Panaschieren und Kumulieren werden dagegen erst später berücksichtigt.Die hessenweiten vorläufigen Gesamtergebnisse stellt das Statistische Landesamt wenige Tage nach dem Wahlsonntag auf seine Wahlsonderseite. „Die endgültigen Ergebnisse werden etwa zwei bis drei Wochen nach der Wahl bereitgestellt“, kündigt die Behörde in Wiesbaden weiter an.Hessens Rathäuser erwartet somit ein Kraftakt. Die Landeshauptstadt Wiesbaden etwa teilt mit, dass nach der Ermittlung des Trendergebnisses noch in der Wahlnacht rund 800 ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Montag an auch die kumulierten und panaschierten Stimmzettel auszählen: „Dies erfordert, dass Teile der Stadtverwaltung geschlossen beziehungsweise nur eingeschränkt erreichbar sind.“ Die Stimmauszählung der parallelen Ausländerbeiratswahl – die auch in anderen Kommunen für den Wahlsonntag terminiert worden ist – hat Wiesbaden erst für den 4. März vorgesehen. Wieso bekommen die Wähler so viele Möglichkeiten?Warum so viel Aufwand mit Panaschieren und Kumulieren seit einem Vierteljahrhundert in Hessen? Es geht um mehr Demokratie. Laut der Gießener Politikwissenschaftlerin Dorothée de Nève ist es das Ziel, dass die Wähler auf das Wahlergebnis zusätzliche Einflussmöglichkeiten gewinnen. „Man hat sich davon mitunter eine höhere Wahlbeteiligung erhofft. Diese Erwartung hat sich allerdings in Bezug auf die Kommunalwahlen in Hessen nicht erfüllt.“Wie viel wird panaschiert und kumuliert?Panaschieren und Kumulieren dauern länger als nur eine Wahlliste ankreuzen. De Nève erläutert: „Aus der Forschung wissen wir, dass der Anteil der Wähler, die bei ihrer Stimmabgabe kumulieren und/oder panaschieren, steigt, je kleiner die Gemeinde ist.“ Auf dem Land gebe es viele Wahlberechtigte, denen die Kandidaten persönlich bekannt seien. „Sie nutzen bei der Stimmabgabe die Möglichkeit, ihre Sympathien und ihr Vertrauen zu artikulieren. Dadurch wird gleichzeitig der Einfluss der Parteien etwas verringert.\" Da die Parteien im ländlichen Raum „angesichts sinkender Mitgliederzahlen ohnehin zunehmend Probleme haben, ihre Organisationsstrukturen aufrechtzuerhalten, beobachten wir also eine zunehmende Personalisierung der Wahl“, ergänzt die Gießener Politologie-Professorin. Nachteile der Kreuzchen-Freiheiten?Mit Blick auf Panaschieren und Kumulieren gesteht de Nève zu, dass es für die Wählerinnen und Wähler nicht leicht sei, „sich mit diesen umfangreichen Unterlagen zurechtzufinden“. Zudem gebe es immer mehr Briefwähler. Diese seien zu Hause ohne Ansprechpartner wie im Wahllokal eher auf sich alleine gestellt. Zwar gebe es etliche Erklärungen von Organisationen, Medien und Parteien zu den Kreuzchen-Freiheiten. Dennoch sieht die Wissenschaftlerin das Risiko, „dass die Wahlbeteiligung insbesondere bei Wahlberechtigten, die Briefwahl beantragt hatten, aufgrund dieser Überforderung sinkt.“Benachteiligung von Kandidatinnen?De Nève kennt noch weitere Schwächen im Zusammenhang mit Panaschieren und Kumulieren: „Untersuchungen zeigen, dass die Wähler verstärkt männliche Kandidaten ankreuzen. Dadurch werden Frauen, die von den Parteien auf an sich aussichtsreiche obere Listenplätzen gesetzt wurden, benachteiligt.“ Dies gelte analog auch für junge Kandidaten, „da die Wähler gerne auf erfahrene und bekannte Gesichter setzen“. Mit diesen Tendenzen werden laut der Politologin „ohnehin bestehende Repräsentationslücken verstärkt“. (dpa)

Kreistag und Co. – was machen die eigentlich?Frankfurt. Fünf Jahre sind vergangen und damit stehen heute wieder die Kommunalwahlen in Hessen an. Es geht dabei insbesondere um die neue Zusammensetzung der Bürgervertretungen in den Städten und Gemeinden. Auch Ausländerbeiräte werden neu gewählt. Die StadtverordnetenversammlungSie ist das oberste Organ einer Stadt. Die Stadtverordneten vertreten die Bürgerinnen und Bürger. Die Versammlung trifft als eine Art Stadtparlament wichtige Entscheidungen und überwacht die Verwaltung. Zu den Aufgaben gehören die Wahl des Magistrats – mit Ausnahme des (Ober-)Bürgermeisters -, die Aufstellung des Haushaltsplanes oder Beschlüsse zu Satzungen und Gebührenordnungen. Stadtverordnete sind ehrenamtlich tätig. Der KreistagDer Kreistag beschließt über die Angelegenheiten eines Landkreises und ist – ähnlich wie die Stadtverordnetenversammlung – oberstes Entscheidungsorgan und überwacht die Verwaltung der Körperschaft. Das Gremium entscheidet unter anderem über den Haushalt und über wichtige Infrastrukturprojekte wie Straßenbau, Schulen und Soziales. Ein Kreis hat andere Aufgaben als eine Stadt oder Gemeinde und ist zum Beispiel für das Rettungswesen zuständig oder den Brand- und Katastrophenschutz. Der AusländerbeiratIn Gemeinden mit mehr als 1.000 gemeldeten ausländischen Einwohnern ist laut der Hessischen Gemeindeordnung ein Ausländerbeirat einzurichten, in anderen Gemeinden kann er eingerichtet werden. Der Ausländerbeirat einer Kommune hat eine Beratungsfunktion – er berät die Verwaltung und Politik in allen Angelegenheiten, die ausländische Einwohner betreffen. Die Beiräte werden von der ausländischen Bevölkerung direkt gewählt und das alle fünf Jahre. (dpa). 

Briefwahl: Erfolgsmodell mit Schattenseiten für die Demokratie Die Briefwahl in Hessen ist ein großer Erfolg – sie senkt Hürden und erleichtert die Teilnahme an der Demokratie. Doch sie hat ihren Preis: Sie gefährdet das Wahlgeheimnis und verschiebt den Wahltag, was den Prozess der demokratischen Willensbildung verändern könnte, findet Herausgeber Carsten Knop.  

Wer auf dem Frankfurter Stimmzettel steht Frankfurt. Am Sonntag entscheidet Frankfurt über die Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung – und über 93 Mandate, um die sich auf 22 Listen insgesamt 1120 Kandidatinnen und Kandidaten bewerben. Der Stimmzettel ist entsprechend: ein knapp eineinhalb Meter breites Faltblatt voller Namen. Doch wer sind die Menschen, die künftig in der Römer-Koalition, in Ausschüssen und Fraktionen politische Verantwortung übernehmen wollen – und wie gut bilden sie die Stadt ab?