FAZ 08.05.2026
04:13 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Von Russland ausgerufene einseitige Waffenruhe tritt in Kraft


Moskau: Mehr als 50 Drohnen abgefangen +++ Selenskyj warnt vor Teilnahme an Weltkriegsparade in Moskau +++ Deutsche Diplomaten bleiben trotz russischen Drohungen in Kiew +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Von Russland ausgerufene einseitige Waffenruhe tritt in Kraft

Russland wirft der Ukraine Luftangriffe vorIn der Nacht der von Moskau einseitig ausgerufenen Waffenruhe hat die Ukraine schwere Drohnen- und Raketenangriffe auf russisches Gebiet gestartet. Es gebe Zerstörungen durch Drohnentrümmer in mehreren Städten der Region Rostow, teilte der Gouverneur des südrussischen Gebiets, Juri Sljussar, bei Telegram mit. Seinen Angaben nach wurden in den Städten Rostow am Don, Taganrog und Bataisk sowie in einem Landkreis Einschläge registriert. Tote und Verletzte gebe es nicht, betonte er. In der Region gab es auch Raketenalarm.Nach Angaben Sljussars wurden in Rostow mehrere private Wohnhäuser und ein Lkw beschädigt. In einem Verwaltungsgebäude sei ein Brand ausgebrochen. Ukrainische Telegram-Kanäle veröffentlichten derweil zahlreiche Videos aus der Stadt, die schwere Brände zeigen, die demnach bis in den Morgen anhielten. Bei einem der getroffenen Objekte soll es sich um einen Rüstungskonzern handeln. Unabhängig konnten diese Berichte zunächst nicht bestätigt werden.

Selenskyj: Nicht mal symbolischer Versuch einer Waffenruhe Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland vorgeworfen, die vom Kreml ausgerufene Waffenruhe gebrochen zu haben. „Im Laufe der vergangenen Nacht griff die russische Armee weiterhin ukrainische Stellungen an“, teilte Selenskyj am Freitagmorgen in sozialen Medien mit. „Bis 7 Uhr morgens wurden mehr als 140 Angriffe auf Stellungen an der Front verzeichnet“, schrieb er weiter. Außerdem habe es mehr als 850 Angriffe mit Drohnen gegeben.„All dies zeigt deutlich, dass es auf russischer Seite nicht einmal einen symbolischen Versuch gab, an der Front einen Waffenstillstand einzuhalten\", äußerte Selenskyj, Er kündigte an, dass die Ukraine entsprechend reagieren werde. \"Wir werden unsere Stellungen und das Leben unserer Menschen verteidigen\", so der Präsident.

Von Russland ausgerufene einseitige Waffenruhe tritt in KraftIm Ukrainekrieg trat am Freitag (00.00 Uhr Ortszeit, Donnerstag 23.00 Uhr MESZ) eine von Russland ausgerufene einseitige Waffenruhe in Kraft. Nach Angaben des Kremls soll sie bis Samstag gelten. Anlass sind die Gedenkfeierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Am Samstag findet in Moskau die traditionelle Parade zum Sieg über Nazi-Deutschland statt. Aus Angst vor ukrainischen Angriffen sollen anders als in den vergangenen Jahren keine Panzer oder anderes schweres militärisches Gerät bei der Parade auffahren. Kiew bezeichnete die von Russland ausgerufene Feuerpause angesichts der anhaltenden Angriffe auf die Ukraine als „blanken Zynismus“. Das Gegenangebot Kiews, am Mittwoch die Waffen ruhen zu lassen, blieb von Moskau unbeantwortet.

Russland: Mehr als 50 Drohnen im Anflug auf Moskau abgefangenDie russische Luftabwehr hat nach Angaben von Moskaus Bürgermeister ‌Sergej Sobjanin mehr als 50 Drohnen im Anflug auf die russische Hauptstadt abgefangen. Die Abschüsse erstrecken ‌sich ‌über einen Zeitraum von etwa 15 Stunden bis in die Nacht, teilt Sobjanin auf dem Kurznachrichtendienst ​Telegram mit. Rettungskräfte untersuchen demnach ⁠Trümmerteile am Boden. Das Verteidigungsministerium in Moskau meldet zudem den Abschuss von ​95 ukrainischen Drohnen über zentralen und südlichen Regionen ⁠des Landes.

Wadephul kritisiert Russlands DrohungenMit scharfer Kritik hat Außenminister Johann Wadephul (CDU) auf indirekte Drohungen des Kreml gegen diplomatische Vertretungen in Kiew reagiert. Die Drohungen seien „inakzeptabel“, sagte er der „Bild“. Wadephul sprach mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin von einem „Zeichen der Panik, die in Moskau umgeht, weil die Konsequenzen der endlosen Kette schwerster Fehlentscheidungen Putins nicht mehr zu verstecken sind“. Der Krieg gegen die Ukraine sei ein fortlaufendes Verbrechen gegenüber der Ukraine, mit jedem weiteren Tag aber auch ein Beweis der absoluten „Verachtung gegenüber den eigenen Soldaten, die als Kanonenfutter zu Tausenden in verlorene Schlachten geschickt werden“, sagte der Außenminister. „Das Regime weiß genau, dass seine eigene Bevölkerung die geplante Siegesparade vor diesem Hintergrund nur als Hohn empfinden kann.“

Selenskyj warnt vor Teilnahme an Weltkriegsparade in MoskauDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Vertreter mit Russland verbündeter Staaten davor gewarnt, am Samstag an der Weltkriegsparade in Moskau teilzunehmen. „Wir haben auch Meldungen aus einigen an Russland angrenzenden Staaten erhalten, wonach deren Vertreter vorhaben, nach Moskau zu reisen“, sagte Selenskyj am Donnerstag in seiner allabendlichen Videoansprache und fügte an: „Ein seltsamer Wunsch, gerade in diesen Tagen. Wir raten davon ab.“ Unterdessen wiederholte Russland seine Drohung von Gegenschlägen auf Kiew, sollte die Ukraine angreifen.  „Wir erinnern die Zivilbevölkerung von Kiew und die Mitarbeiter ausländischer diplomatischer Vertretungen erneut daran, dass sie die Stadt rechtzeitig verlassen müssen“, erklärte das Verteidigungsministerium am Donnerstag. Im Falle eines ukrainischen Angriffs werde Moskau „mit gleicher Münze zurückzahlen“. 

Weniger ausländische Ehrengäste zur Parade in Moskau erwartetZur Moskauer Parade zum „Tag des Sieges“ von 1945 erwartet der Kreml am Samstag weniger ausländische Ehrengäste als in den Jahren 2023 und 2024, als er ebenfalls keine „runden“ Jahrestage feierte. Jurij Uschakow, der außenpolitische Berater von Präsident Wladimir Putin, gab am Donnerstagnachmittag die diesjährige Gästeliste bekannt. Wie schon 2024 stehen darauf die Machthaber von Belarus, Alexandr Lukaschenko, und Laos, Thongloun Sisoulith. Letzterer ist 80 Jahre alt, hat noch zu Sowjetzeiten in Leningrad und Moskau studiert und bekleidet in dem Einparteienstaat neben dem Präsidentenamt auch das des Generalsekretärs der Laotischen Revolutionären Volkspartei. Außerdem kommen Uschakow zufolge der König von Malaysia, die „Präsidenten“ der abtrünnigen georgischen Gebiete Abchasien und Südossetien (die Moskau als Staaten anerkannt hat), der Führer der zu Bosnien-Hercegovina gehörenden bosnischen Serbenrepublik Siniša Karan und dessen Vorgänger, „unser wohlbekannter Freund Milorad Dodik“, sowie der slowakische Ministerpräsident Robert Fico. Letzterer hat aber schon angekündigt, nicht die Parade auf dem Roten Platz besuchen zu wollen, sondern lediglich einen Kranz am Grab des Unbekannten Soldaten an der Kremlmauer niederlegen zu wollen. So hatte es Fico schon im vergangenen Jahr gehalten. Der Besuch Ficos, dem einzigen Regierungschef eines EU- und NATO-Mitgliedslandes unter den voraussichtlichen Gästen, ist für den Kreml, dem stets an westlichen Renegaten gelegen ist, besonders prestigereich. Allerdings hat Fico vor Kurzem geäußert, die Slowakei unterstütze den EU-Beitritt der Ukraine, „denn wir wollen, dass die Ukraine, unser Nachbar, ein stabiles und demokratisches Land ist“, den Wunsch nach „freundschaftlichen Beziehungen“ zwischen beiden Ländern geäußert und einen Besuch in Kiew angekündigt. Es wirkt, als spiegele sich die militärisch derzeit für Moskau eingetrübte Lage im Angriffskrieg gegen die Ukraine auch in den Beziehungen zu Ländern, die dem Kreml sonst gewogen sind. 

Ukraine bestätigt neue Gespräche in AmerikaIm Ringen um ein Ende des Ukrainekriegs hat Kiew neue Gespräche mit den USA angekündigt. Der Sekretär des nationalen Sicherheitsrats, Rustem Umjerow, werde an diesem Donnerstag amerikanische Vertreter treffen, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Damit solle der diplomatische Prozess gestärkt werden, sagte Selenskyj. Bei dem Treffen geht es demnach um die mögliche Freilassung von Gefangenen auf beiden Seiten und die Zusammenarbeit von Kiew und Washington bei Sicherheitsfragen. Die Ukraine arbeite daran mit, einen „würdigen Frieden“ näherzubringen und Sicherheit zu garantieren. Russland warf er in Bezug auf die einseitig von Kiew ausgerufene Waffenruhe vor, sich nicht konstruktiv zu verhalten. 

Berlin zieht keine Diplomaten aus Kiew abVerlassen die deutschen Diplomaten Kiew? „Nein, natürlich nicht. Wir stehen in engem Kontakt mit anderen Botschaften. Wir lassen uns von solchen Einschüchterungsversuchen nicht beirren“, sagte der deutsche Außenminister Johann Wadephul in einem Interview mit Bloomberg. „Wir kennen die Russen, und das sind Mittel, die sie einsetzen.“Moskau hat für den Fall, dass die Parade zum 9. Mai, dem „Tag des Sieges\" 1945, gestört werde, mit Angriffen auf das Kiewer Stadtzentrum gedroht. Außenamtssprecherin Maria Sacharowa rief ausländische Diplomaten auf, Kiew zu verlassen. Auch die Europäische Kommission will keine Diplomaten aus der EU-Vertretung in Kiew abziehen. „Die öffentlichen Drohungen Russlands, Kiew anzugreifen, sind Teil seiner rücksichtslosen Eskalationstaktik... Was uns, die EU, betrifft, so werden wir weder unseren Standpunkt noch unsere Präsenz in Kiew ändern“, sagte ein Sprecher der Kommission dem ukrainischen Portal „Ewropejskaja Prawda\" in Brüssel. 

Selenskyj rechtfertigt Drohnenangriffe trotz Feuerpause Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die ukrainischen Drohnenangriffe auf Russland trotz einer einseitig von Kiew erklärten Feuerpause gerechtfertigt. „Wir haben eine Waffenruhe ab Mitternacht des 6. Mai vorgeschlagen“, schrieb er in sozialen Netzwerken.Diese Waffenruhe sei von Russland gebrochen worden. „Die spiegelbildliche Reaktion auf die russischen Angriffe sind unsere Langstrecken-Sanktionen“ – gemeint sind Drohnenangriffe tief ins russische Hinterland.Wenn Moskau den Pfad der Diplomatie einschlage, werde auch Kiew dies tun. Doch Russland töte weiter Menschen, „während es völlig irrational besessen ist von wenigen Stunden in einem Teil von Moskau“, schrieb Selenskyj. Die russische Seite hat für Freitag und Samstag eine Waffenruhe ausgerufen, während des Andenkens an den sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg. Vor allem geht es Moskau darum, dass die Militärparade auf dem Roten Platz am Samstag ungestört verläuft.Selenskyjs Angaben zufolge erreichten ukrainische Drohnen in der Nacht erneut die russische Stadt Perm am Ural mehr als 1500 Kilometer entfernt von der Grenze. Der russische Gouverneur der Region Perm, Dmitri Machonin, bestätigte den Angriff auf ein nicht näher genanntes Industrieunternehmen. Ein Wohnblock sei beschädigt worden, schrieb er auf Telegram. Vergangene Woche hatten ukrainische Drohnen eine Ölpumpstation bei Perm in Brand geschossen. 

Kreml bestätigt zweitägige Waffenruhe von Freitag anRussland hat die einseitige Waffenruhe anlässlich der Gedenkfeierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkriegs bestätigt. „Ja, wir sprechen vom 8. und 9. Mai“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag auf die Frage, ob die Feuerpause um Mitternacht Moskauer Zeit in Kraft trete.Sowohl Moskau als auch Kiew hatten für diese Woche einseitige Waffenruhen angekündigt. Kiew bezeichnete die von Russland für Freitag und Samstag ausgerufene Feuerpause angesichts der anhaltenden Angriffe auf die Ukraine als „blanken Zynismus“. Das Gegenangebot Kiews, am Mittwoch die Waffen ruhen zu lassen, blieb von Moskau unbeantwortet. „Es gab keine russische Reaktion darauf“, sagte Peskow am Donnerstag. 

Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für Putin während Feierlichkeiten am 9. MaiRussland ergreift nach Angaben des Kremls zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für Präsident Wladimir Putin. ⁠Damit wappne man sich gegen einen möglichen ukrainischen Angriff während der Feierlichkeiten am 9. Mai zum Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg, teilte das Präsidialamt in Moskau mit. 

Russischer Rosneft-Konzern klagt abermals gegen BundDer russische Rosneft-Konzern hat abermals Klage gegen die von der Bundesregierung verhängte Treuhandverwaltung seiner Tochterfirma Rosneft Deutschland eingereicht. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg erklärte am Donnerstag, dass die Klage bereits am 30. März eingegangen sei. Das Bundeswirtschaftsministerium zeigte sich zuversichtlich, dass die Gerichte erneut in seinem Sinne entscheiden. Die Bundesregierung hatte die deutschen Rosneft-Töchter kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine unter Treuhandverwaltung des Wirtschaftsministeriums gestellt und damit unter anderem die Kontrolle über die Raffinerie PCK Schwedt übernommen, die für die Versorgungssicherheit Nordostdeuschlands mit Treibstoff wichtig ist. Eine Klage von Rosneft dagegen entschied das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zugunsten des Bundes.

Landesweite Schweigeminute in der UkraineJeden Tag um Punkt 9 Uhr Ortszeit kommt die Kiewer Innenstadt zum Stillstand. Dann fordert eine Lautsprecheransage am Maidan die Menschen zum Innehalten und Gedenken an die im Verteidigungskrieg gegen Russland gefallenen Soldaten auf. Fußgänger und Autos stoppen, Fahrer steigen aus ihren Wagen aus, falten die Hände vor dem Körper. Es herrscht eine Minute Schweigen, begleitet vom Ticken eines Metronoms. Danach gehen die Menschen weiter und das übliche Rauschen des Verkehrs auf dem Kiewer Chreschtschatyk-Boulevard setzt wieder ein. 

Wieder russische Angriffe auf UkraineTrotz der vom ukrainischen Präsidenten vorgeschlagenen Feuerpause vom 6. Mai an hat Russland die Ukraine abermals angegriffen. Um 1.26 Uhr Ortszeit wurde in Kiew Luftalarm wegen anfliegender russischer Drohnen iranischer Bauart ausgelöst. Nach 47 Minuten und 47 Sekunden wurde der Alarm beendet. Die Drohnen hatten die ukrainische Hauptstadt überflogen und zogen weiter in Richtung Westen. Auch in anderen Teilen des Landes gab es Alarm. In der Großstadt Dnipro wurde ein Wohnhaus von einer Drohne getroffen. Laut Militärverwaltung wurden zwei Menschen verletzt, darunter eine 21 Jahre alte Schwangere. Insgesamt wurden laut ukrainischer Luftwaffe von 102 russischen Drohnen 92 in der Nacht zum Donnerstag abgeschossen.