FAZ 26.07.2026
14:46 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Tote in der Ukraine und Russland nach Angriffen


Mindestens zwei Tote in Charkiw und Saporischschja +++ Iran verurteilt ukrainischen Angriff auf Frachter +++ Ukraine lässt Elektromotorrad für die Front zu +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Tote in der Ukraine und Russland nach Angriffen

Selenskyj am Montag in Großbritannien zu Besuch Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reist am Montag nach Großbritannien. Er ist der erste internationale Besucher des neues Premierministers ⁠Andy Burnham. Burnham und Selenskyj werden sich voraussichtlich auf einem Marinestützpunkt treffen. Dort werden sie sich dem Büro des Premierministers zufolge darüber informieren, wie von Großbritannien geleitete Ausbildungsprogramme zur Stärkung der ukrainischen Streitkräfte beitragen. „Großbritannien steht Seite an Seite mit der Ukraine, und unsere Unterstützung bleibt ungebrochen“, ‌erklärt Burnham in einer Stellungnahme. „Russland sollte keinen Zweifel an unserer Entschlossenheit haben, und wir werden nicht nachgeben, bis wir einen dauerhaften und gerechten Frieden für die Ukraine erreicht haben.“ 

Russland berichtet von Angriffen gegen Hafen von TschornomorskRussland hat nach eigener Darstellung den ukrainischen Hafen Tschornomorsk in der Region Odessa angegriffen und dort erhebliche Schäden angerichtet. Wie das Verteidigungsministerium in Moskau nach Angaben der Staatsagentur Tass mitteilte, wurde im Hafen ein Container-Terminal mit Militärgütern angegriffen und beschädigt. Zudem sei bei dem Angriff mit Präzisionswaffen und Drohnen ein Stückgutfrachter getroffen worden. Von ukrainischer Seite wurde am Abend bestätigt, dass vor der Küste bei Odessa ein unter fremder Flagge fahrender Frachter nach einem russischen Raketenangriff gesunken sei. Bei dem Angriff am 19. Juli seien neun Besatzungsmitglieder sowie ein ukrainischer Lotse getötet worden, teilte der regionale Militärverwalter Oleh Kiper auf Telegram mit. Acht Mann Besatzung seien gerettet worden. Die „Golden Leo“, die unter der Flagge von Guinea-Bissau fuhr, habe Mais transportiert.  

Zwei Tote bei russischem Angriff auf TschernihiwIn der nordukrainischen ⁠Stadt Tschernihiw sind den örtlichen Behörden zufolge bei einem russischen Angriff zwei Menschen getötet worden. Eines der Todesopfer sei ein zehnjähriges Kind. Drei weitere Menschen seien ‌verletzt worden. Eine russische Drohne habe einen Supermarkt getroffen. „Dies ist vorsätzlicher russischer Terror, der keine militärische Rechtfertigung hat“, schreibt Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Telegram. 

Rumänien schießt weitere Drohne abDie rumänische Armee hat am dritten Tag in Folge eine Drohne im Luftraum über dem Land abgeschossen. Das Fluggerät sei am Sonntag über dem Schwarzen Meer durch einen rumänischen Kampfjet des Typs F-16 abgefangen worden, erklärte Verteidigungsminister Radu Miruta im Onlinedienst Facebook. Der Abschuss sei fünf Minuten nach Eindringen der Drohne in den Luftraum des EU- und NATO-Mitgliedsstaates erfolgt. Am Freitag hatte die rumänische Armee erstmals seit Beginn des Ukraine-Krieges eine Drohne im Luftraum des Landes abgeschossen. Der Abschuss erfolgte nahe dem Dorf Padina gut 100 Kilometer von der Hauptstadt Bukarest entfernt. Am Samstag schoss die Armee im Donaudelta nahe der Grenze zur Ukraine eine weitere Drohne ab. Rumäniens Präsident Nicusor Dan erklärte, gemäß einer Untersuchung handele es sich bei der am Freitag abgeschossenen Drohne um ein Modell des vom Iran entwickelten Typs „Schahed“, „das von der Russischen Föderation in ihrem Angriffskrieg gegen die Ukraine eingesetzt wird“. Die Untersuchungen zu den am Samstag und Sonntag abgeschossen Drohnen seien noch im Gange, fügte Dan hinzu. 

Kiew meldet Brände nach russischen AngriffenIn der Nacht ist es nach russischen Angriffen ‌in der ‌ukrainischen Hauptstadt Kiew nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko in mindestens ​drei Bezirken ⁠zu Bränden gekommen. Demnach hätten herabstürzende Trümmerteile die Feuer ausgelöst. ​Die russischen Streitkräfte ⁠griffen die Stadt ‌der ukrainischen Luftwaffe zufolge mit ballistischen Raketen an. Augenzeugen der ⁠Nachrichtenagentur Reuters ⁠hörten mehrfache Explosionen. Berichte über Opfer ⁠lagen ​zunächst ⁠nicht vor. 

Iran verurteilt ukrainischen Angriff auf Frachter Die iranische Regierung hat gegen einen mutmaßlichen ukrainischen Angriff auf ein Frachtschiff im Kaspischen Meer und den dadurch verursachten Tod eines Matrosen scharf protestiert. Nach Darstellung des Außenministeriums in Teheran soll ein weiterer Matrose bei dem Angriff am Samstag verletzt worden sein. Die iranische Mitteilung verwies darauf, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenkyj den Angriff ausdrücklich eingeräumt habe. Es handele sich um einen Akt der Aggression, der die Flammen des Krieges weiter anfachen und verbreiten könnte, und um einen Verstoß gegen das Völkerrecht, hieß es in der Mitteilung. Selenskyj hatte am Vormittag tatsächlich verkündet, dass weitreichende Drohnen Schiffe im Kaspischen Meer getroffen hätten. Auf Facebook teilte er mit, darunter seien Schiffe gewesen, die militärische Güter geladen und Bezug zum Iran gehabt hätten. Weitere Details nannte er nicht. In seiner abendlichen Videoansprache verwies Selenskyj auf verstärkte Zusammenarbeit Moskaus und Teherans im militärischen Bereich. So versorge Russland das iranische Militär „intensiv“ mit Satellitenaufnahmen von der Golfregion. „Dabei besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen den russischen Aufnahmen der Einrichtungen und den Angriffen der iranischen Streitkräfte – sowohl im Vorfeld der Angriffe als auch nach den iranischen Angriffen zur Einschätzung des verursachten Schadens“, sagte Selenskyj. 

Selenskyj rechnet mit weiteren Nordkoreanern auf Seiten Russlands Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet, dass Nordkorea Russland im Krieg gegen die Ukraine mit weiteren Truppen und schweren Waffen unterstützen wird. Unter anderem bereite sich Russland vor, weitere 30.000 nordkoreanische Soldaten in der Region Woronesch unterzubringen. Zudem wolle Pjöngjang weitere Abschussrampen für ballistische Raketen an Russland liefern, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache.Dies gehöre zu den Kriegsplanungen Moskaus für den bevorstehenden Herbst. Nach den ukrainischen Geheimdiensterkenntnissen, auf die sich Selenskyj in seinem Video berief, hege Kremlchef Wladimir Putin weiterhin keine Friedensabsichten. Die geplante Unterstützung Moskaus aus Nordkorea stufte Selenskyj als Bedrohung vor allem für Asien ein. „Russland hilft Nordkorea dabei, den Krieg zu erlernen, verbessert dessen Waffen und verschafft dem Land Erfahrungen im realen Einsatz von Waffen“, sagte Selenskyj. „All dies stellt eine Bedrohung für jeden in Asien dar, der sich in Reichweite nordkoreanischer Raketen befindet.“

Kasachischer Präsident: Friert den Ukrainekrieg ein Der kasachische Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einem Stopp der Kämpfe in der Ukraine aufgefordert. Bei einem russisch-kasachischen Gipfel im sibirischen Omsk schlug er am Samstag im Beisein Putins ein „Einfrieren“ des Konflikts vor. Kasachstan ist ein Verbündeter Russlands, hat aber nie Unterstützung für Moskaus Offensive in der Ukraine signalisiert.„Wie kommt man aus dieser Situation heraus? Niemand weiß es, weil es die Positionen beider Seiten gibt“, sagte Tokajew in Omsk. „Aber es gibt andererseits auch einen Moment und die Möglichkeit, das alles einzufrieren.“ Es sei „eine Schande, junge Menschen sterben . . . All das muss gestoppt werden“. 

Selenskyj: Haben Ölraffinerie und Rüstungsfabrik angegriffen Die Ukraine hat Präsident Wolodymyr Selenskyj zufolge eine ⁠Ölraffinerie und eine Rüstungsfabrik weit im russischen Hinterland angegriffen. Die ukrainische Armee habe eine Ölraffinerie in Tjumen und eine Fabrik in Kirow getroffen, die Komponenten für Geschosse herstelle, teilt Selenskyj auf ‌der Online-Plattform X mit. Zudem sei ein Logistikstandort in Jekaterinburg getroffen worden. Weitere Details nennt Selenskyj nicht. Eine russische Stellungnahme liegt zunächst nicht vor. 

Gouverneur: Acht Tote bei Angriff auf Ferienlager in russisch besetzter Region Bei einem nächtlichen Angriff auf Ferienlager im russisch besetzten Teil der ukrainischen Region Saporischschja sind nach russischen Angaben acht Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien zwei Kinder, teilte der von Russland eingesetzte Gouverneur Jewgeni Balizki über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. Bei einem Angriff Russlands auf die ukrainische Stadt Sumy wurden nach Angaben örtlicher Behörden drei Menschen getötet. Bei dem nächtlichen Angriff seien zudem mindestens zwei weitere Menschen verletzt worden, teilte der Leiter der städtischen Militärverwaltung über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. 

Ukraine lässt Elektromotorrad für die Front zuDas Verteidigungsministerium der Ukraine hat das erste allradgetriebene Elektromotorrad für den Einsatz an der Front zugelassen. In einem Post auf X heißt es dazu, der Druck, den das Motorrad auf den Boden auslöse, sei „nicht höher als der eines Infanteriestiefels“, sodass die meisten Panzerabwehrminen dadurch nicht ausgelöst würden. Entwickelt wurde das Motorrad mit dem Namen MUL.E demnach auf Wunsch der Truppe. Einem Bericht der Nachrichtenseite „Euromaidan Press“ zufolge gehören Motorräder inzwischen zu den gefragtesten Fahrzeugen an der Front. Sie verschaffen den ukrainischen Truppen Geschwindigkeit und Mobilität auf unwegsamem Gelände und eignen sich besonders für Gebiete, in denen kleinere Einheiten operieren. Im Jahr 2026 schloss die ukrainische Beschaffungsagentur für Verteidigung demnach Verträge über 1.500 Motorräder für die Streitkräfte ab – etwa dreimal so viel, wie noch im Vorjahr. Das MUL.E Es kann den Berichten zufolge zwei Soldaten mit Bewaffnung, kleinere Lasten und Verwundete auf nahezu jedem Untergrund transportieren. Außerdem kann das Motorrad einen voll beladenen Anhänger ziehen und ist mit einem Generator ausgestattet: Der wiederum kann beispielsweise Drohnen aufladen – oder Einheiten an der Front mit Strom versorgen. 

Rumänien: Kampfflugzeug schießt abermals Drohne abEin F-16-Kampfflugzeug hat nach Angaben des rumänischen Verteidigungsministeriums eine weitere Drohne im nationalen Luftraum abgeschossen. Der Vorfall ereignete sich in einem unbewohnten Gebiet nahe der Grenze zur Ukraine, teilte das Ministerium mit. Damit hat das NATO-Land zum ​zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen eine Drohne abgeschossen, nachdem bereits zuvor der rumänische Luftraum mehrmals verletzt worden war. Die erste Drohne stammte rumänischen Ermittlern zufolge aus Russland.

Österreich gegen schnellen EU-Beitritt der UkraineÖsterreich hat sich gegen einen schnellen Beitritt der Ukraine in die Europäische Union ausgesprochen. Europaministerin Claudia Bauer von der konservativen ÖVP übte dabei auch Kritik an Präsident Wolodymyr Selenskyj. „Der ukrainische Präsident ist meinem Eindruck nach in den letzten Monaten häufiger dadurch aufgefallen, dass er der EU am liebsten ein Beitrittsdatum diktieren möchte“, sagte Bauer der „Welt am Sonntag“. 

10 Tote in Sumy nach russischem DrohnenangriffBei russischen Drohnenangriffen sind in der nordostukrainischen Stadt Sumy mindestens zwei Männer getötet worden. Drei weitere seien verletzt worden, teilte der geschäftsführende Bürgermeister der Großstadt, Artem Kobsar, bei Telegram mit. Bei den Angriffen seien eine Tankstelle, das Dach eines Mehrfamilienwohnhauses und ein nicht genanntes Infrastrukturobjekt beschädigt worden. Russische Truppen sind etwa 20 Kilometer von Sumy entfernt.