FAZ 06.05.2026
14:38 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Selenskyj wirft Russland 1820 Verstöße gegen einseitig erklärte Waffenruhe vor


Ukraine will „über weiteres ⁠Vorgehen entscheiden“ +++ Moskau hatte Waffenruhe am 8. und 9. Mai angekündigt +++ Angriffe auf russische Raffinerie und Rüstungsbetriebe +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Selenskyj wirft Russland 1820 Verstöße gegen einseitig erklärte Waffenruhe vor

Kreml verstärkt Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz von PutinLaut Medienberichten verstärkt der Kreml Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz von Wladimir Putin. Dies gehe aus einem Bericht eines europäischen Geheimdienstes hervor, der dem Nachrichtensender CNN vorliegen soll. Die Maßnahmen umfassen demnach unter anderen Überwachungssysteme in den Wohnungen seiner engsten Mitarbeiter. Köche, Leibwächter oder Fotografen dürften zudem keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Besucher müssten zwei Mal kontrolliert werden, Menschen in seiner Nähe sollen ausschließlich Telefone ohne Internetzugang benutzen dürfen.Die Maßnahmen des Kremls verleiten zur Frage, ob die Wahrscheinlichkeit eines Staatsstreichs gegen den russischen Präsidenten steigt. Erst im Dezember 2025 war ein Mitglied des russischen Generalstabs bei der Explosion einer Autobombe getötet worden. „Ich halte das für nicht sehr wahrscheinlich in den nächsten Monaten“, sagt Politikwissenschaftler Gerhard Mangott dem Nachrichtensender ntv zu einem möglichen Staatsstreich gegen Putin. Zwar herrsche nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in der russischen Elite Unmut. Unzufrieden zu sein sei jedoch noch lange keine aktive Mobilisierung gegen den russischen Präsidenten. „Man darf nicht vergessen, die jetzige Elite verdankt Macht, Einfluss und Vermögen Putin.“

Polen ist bereit zur Aufnahme von mehr US-SoldatenNach der Ankündigung einer Reduzierung von US-Truppen in Deutschland hat Polen seine Bereitschaft bekräftigt, mehr US-Soldaten aufzunehmen. „Wir haben die dafür erforderliche Infrastruktur“, sagte Präsident Karol Nawrocki während eines Besuchs bei den Streitkräften in Litauen. „Ich werde Trump dazu ermutigen, dass diese Soldaten in Europa bleiben.“ In welchem Land er sie stationiere, sei die Entscheidung des US-Präsidenten. Das NATO-Mitglied Polen hofft seit Langem auf eine größere ständige US-Militärbasis im Land. Derzeit sind nach Angaben Nawrockis fast 10.000 amerikanische Soldaten dort stationiert. Die meisten von ihnen rotieren regelmäßig zwischen verschiedenen US-Militärbasen in Europa.

Selenskyj: Ukrainische Bank hat Vermögenswerte aus Ungarn zurückerhaltenDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bekanntgegeben, dass die ukrainische Oschadbank von Ungarn beschlagnahmte Vermögenswerte vollständig zurückerhalten habe. Selenskyj sprach im Hinblick auf die Beschlagnahmung abermals von einer unrechtmäßigen Maßnahme. Er dankte Ungarn und bezeichnete die Rückzahlung als „konstruktiven und zivilisierten Schritt“.Mitten im Streit über die Druschba-Pipeline hatten ungarische Spezialkräfte Anfang März einen ukrainischen Geldtransport festgesetzt, der hohe Bargeldsummen und mehrere Kilogramm Gold aus Österreich in Richtung Ukraine transportiert hatte. Obwohl der Transfer regulär deklariert war, behauptete Budapest ohne jeden Beleg, dass es sich um Gelder der „ukrainischen Kriegsmafia“ handeln könne. Da man offenbar selbst in der Regierung Orbán besorgt war, dass diese Argumentation auch vor ungarischen Gerichten nicht halten werde, verabschiedete man wenige Tage später eigens ein Gesetz, das die Beschlagnahme für 60 Tage legalisierte. Diese Frist lief nun aus.

Ukraine: Moskau ignoriert Selenskyjs Waffenruhe-Vorstoß Nach dem einseitig von der Ukraine angekündigten Beginn einer Waffenruhe hat Kiew Moskau vorgeworfen, seine Angriffe fortgesetzt zu haben. Moskau habe einmal mehr einen realistischen und fairen Aufruf, die Feindseligkeiten zu beenden, ignoriert, schrieb der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X. Russische Angriffe mit 108 Drohnen und drei Raketen dauerten ihm zufolge die ganze Nacht an. Russland habe die von der Ukraine initiierte Waffenruhe verletzt.Das zeige, dass Russland Frieden ablehne, argumentierte Sybiha. Er sprach von einem vorgetäuschten Aufruf Russlands zu einer Feuerpause am 9. Mai, die nichts mit Diplomatie zu tun habe. Kremlchef Wladimir Putin interessiere sich nur für Militärparaden, nicht für Menschenleben, schrieb Sybiha. Er forderte mehr Druck auf Russland.Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte den Beginn der Feuerpause auf 0 Uhr Ortszeit am Mittwoch festgesetzt. Moskau hatte zuvor eine Waffenruhe für Freitag und Samstag angeordnet, wenn in Russland an den sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg erinnert wird. Selenskyjs Ankündigung einer früheren Feuerpause wurde in Moskau zunächst nicht kommentiert. Selenskyj hatte gesagt, Kiew werde spiegelbildlich reagieren, wenn die russische Seite nicht sich nicht daran halten sollte.

Ukraine meldet kurz vor geplanten Feuerpause mehr als 20 ToteWenige Stunden vor dem anvisierten Beginn einer von der Ukraine ​vorgeschlagenen Waffenruhe hat die Regierung in Kiew mindestens 22 Tote durch russische Angriffe gemeldet. Allein in der Stadt ⁠Saporischschja seien zwölf Menschen ums Leben gekommen, teilten die Rettungsdienste am Dienstag mit. In der Frontstadt Kramatorsk starben nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj fünf Menschen. Fünf weitere Tote gab es ukrainischen Behörden zufolge bei einem ‌nächtlichen russischen Angriff auf Gasförderanlagen in der Region Poltawa. Auch auf russischer Seite wurden Opfer gemeldet: In der Region Tschuwaschien wurden staatlichen Medien zufolge zwei Menschen durch einen ukrainischen Drohnenangriff getötet.Nach russischen Angaben wurden bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die Stadt Dschankoj auf der Halbinsel Krim ​fünf Zivilisten getötet. Dies meldeten russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf den von Russland eingesetzten Verwaltungschef Sergej Aksjonow. „Leider gibt es infolge eines Angriffs feindlicher Drohnen in Dschankoj Opfer unter der Zivilbevölkerung“, wurde Aksjonow zitiert. 

Tote und Verletzte nach gegenseitigen AngriffenBei einem russischen Angriff mit einer Lenkbombe auf die südostukrainische Stadt Saporischschja wurden ​nach Angaben des regionalen Gouverneurs mindestens zwei Menschen getötet und acht weitere verletzt. Wohngebäude, eine Autowerkstatt und eine Waschanlage seien beschädigt worden, teilte Gouverneur Iwan Fedorow mit. Zudem habe der Angriff Brände in einem Geschäft und einem weiteren Betrieb ⁠ausgelöst. Auf den vom Gouverneur veröffentlichten Bildern sind schwer beschädigte Gebäude, brennende Autos und blutende Menschen zu sehen.Unterdessen wurden laut russische Behörden bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russische Region Tschuwaschien zwei Menschen getötet. Weitere 32 seien verletzt, meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf den Gouverneur der Region. Diese liegt rund 600 Kilometer östlich der russischen Hauptstadt Moskau.

Selenskyj: Russland kann den Krieg jederzeit beendenDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland „Zynismus“ wegen tödlicher Angriffe vorgeworfen, während Moskau gleichzeitig eine Waffenruhe rund um die Siegesparade am 9. Mai fordert. Es sei „blanker Zynismus, eine Waffenruhe zu fordern, um Propaganda-Feierlichkeiten abzuhalten, während man im Vorfeld jeden einzelnen Tag solche Raketen- und Drohnenangriffe ausführt“, erklärte Selenskyj am Dienstag als Reaktion auf neue russische Angriffe mit mehreren Toten. Russland könne das Feuer jederzeit einstellen „und das würde den Krieg und unsere Reaktionen beenden“, erklärte der ukrainische Präsident. 

Angriffe auf Rüstungsfabrik in TschuwaschienBei ukrainischen Drohnenangriffen sind nach Angaben der regionalen Behörden in der russischen Großstadt Tscheboksary an der Wolga drei Menschen verletzt worden. Einer der Verletzten sei ins Krankenhaus eingeliefert worden, teilte das Gesundheitsministerium der Teilrepublik Tschuwaschien mit. Die Drohnen waren demnach Teil einer zweiten Angriffswelle. Bei einer ersten Attacke traf ein Marschflugkörper nach Berichten des Internetportals „Astra“ die Rüstungsfabrik „WNIIIR Progress“, wo Navigationsmodule für Drohnen, Marschflugkörper und Raketen hergestellt werden.Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Einsatz von Marschflugkörpern des Typs Flamingo. Dabei seien „unter anderem Objekte des militärisch-industriellen Komplexes in Tscheboksary“ beschossen worden, teilte er auf sozialen Netzwerken mit. Die Raketen haben ihm zufolge eine Entfernung von über 1.500 Kilometer zurückgelegt. Tscheboksary liegt etwa 1.000 Kilometer von der Front entfernt. Insgesamt wurde sogar in 18 russischen Regionen Raketenalarm ausgerufen, darunter erstmals auch in dem im asiatischen Teil Russlands liegenden autonomen Kreis der Chanten und Mansen. Im Norden Russlands wurde derweil einmal mehr die Raffinerie Kirischinefteorgsintes angegriffen. Der Gouverneur des die Millionenstadt St. Petersburg umgebenden Leningrader Gebiets, Alexander Drosdenko, bestätigte einen Brand im Industriegebiet der Stadt Kirischi. Das Feuer sei inzwischen unter Kontrolle, schrieb er auf Telegram. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen. Die Raffinerie in Kirischi ist die größte im Norden Russlands und daher nicht das erste Mal Ziel ukrainischer Attacken. Zuletzt hatten die russischen Behörden am 26. März einen Angriff auf die Ölverarbeitungsanlage gemeldet. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, in der Nacht seien 289 ukrainische Drohnen abgewehrt worden. 

Ukraine meldet Tote und Verletzte nach russischen Angriffen Kurz vor einer von Moskau und Kiew mit unterschiedlichem Beginn angekündigten Waffenruhe sind bei russischen Angriffen in der Ukraine mehrere Menschen getötet worden. Im zentralukrainischen Gebiet Poltawa seien vier Menschen ums Leben gekommen, schrieb Gouverneur Witali Djakiwnytsch bei Telegram. Weitere 31 Personen seien verletzt worden. Demnach gab es Einschläge an zwei Orten im Kreis Poltawa. Ein Industriebetrieb und eine Eisenbahninfrastruktur seien beschädigt worden. Russland habe die Region mit Raketen und Drohnen angegriffen.Der Zivilschutz teilte mit, dass unter den Toten zwei Einsatzkräfte seien. Nach einem ersten Angriff attackierte Russland den Einsatzort demnach ein zweites Mal. Unter den Verletzten sind demnach weitere 23 Rettungskräfte.  Verletzt wurden nach Behördenangaben auch zwei Menschen im Gebiet Tschernihiw und drei in der Region um die Hauptstadt Kiew. 

Ukraine kündigt Waffenruhe noch vor dem 9. Mai anVor dem für Russland besonders wichtigen Tag des Sieges am 9. Mai hat nach Moskau auch Kiew eine eigene Waffenruhe angekündigt. „Wir verkünden eine Waffenruhe, beginnend ab 0.00 Uhr (23.00 Uhr MESZ) in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai“, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Sollte sich die russische Seite nicht ebenso daran halten, werde Kiew spiegelbildlich reagieren. Eine zeitliche Begrenzung für die Waffenruhe nannte er dabei nicht. Zuvor hatte Russland eine Feuerpause für den 8. und 9. Mai angekündigt. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, die ukrainische Initiative zu unterstützen. „Der Frieden kann nicht auf „Paraden“ und „Feiertage“ warten“, schrieb er auf X mit Blick auf die jährliche Militärparade anlässlich des sowjetischen Sieges über Nazi-Deutschland am Samstag. Falls Moskau bereit für ein Ende der Kämpfe sei, könne dies bereits morgen geschehen. „Der 6. Mai zeigt, ob Moskau es ernst meint und was es wirklich will: Frieden oder Militärparaden.“ 

IAEA: Drohne beschädigt Messgeräte an AKW SaporischschjaEine Drohne hat nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) meteorologische Messgeräte am russisch besetzten Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine beschädigt. Die UN-Atomaufsichtsbehörde teilt ‌mit, ein Expertenteam habe die Schäden an einigen Geräten des externen Strahlungskontrolllabors beobachtet. Die Geräte seien nicht mehr betriebsbereit. IAEA-Generaldirektor Rafael ‌Grossi habe abermals zu ‌größter militärischer Zurückhaltung in der Nähe aller Nuklearanlagen aufgerufen, um Sicherheitsrisiken zu vermeiden.

Ukraine: Sieben Tote und 30 Verletzte nach Raketenangriff auf CharkiwDie ‌Zahl der Toten und Verletzten bei einem russischen Raketenangriff auf die ‌Stadt ‌Merefa am Montagvormittag ist stark gestiegen. Nach ukrainischen Angaben wurden bei dem Angriff ​auf die Stadt ⁠in der Region Charkiw sieben Menschen getötet. Mehr als ​30 Menschen seien verletzt worden, ⁠darunter ein zweijähriger ‌Junge, teilt der Gouverneur der Region, Oleh Synjehubow, auf Telegram ⁠mit. „Der Einschlag war ⁠von großer Wucht, im Zentrum ⁠der ​Stadt, ⁠praktisch mitten auf den Straßen“, ​schreibt Synjehubow. Mindestens zehn ‌Häuser, ein Verwaltungsgebäude, vier Geschäfte und ​eine Autowerkstatt seien beschädigt ​worden.

Russland kündigt eine Waffenruhe für den 8. und 9. Mai anRussland hat für den 8. und 9. Mai eine Waffenruhe im Krieg gegen die Ukraine angeordnet. Damit folge die Armee einer Anordnung von Präsident Wladimir Putin, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Montag mit.Zugleich drohte das Ministerium mit einem Vergeltungsangriff auf das Stadtzentrum von Kiew, sollte die Ukraine die Feuerpause brechen. „Sollte das Kiewer Regime versuchen, seine kriminellen Pläne zur Störung der Feierlichkeiten zum 81. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg umzusetzen, werden die russischen Streitkräfte einen massiven Vergeltungsraketenangriff auf das Zentrum von Kiew starten“, so das Verteidigungsministerium. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor die von Russland angeregte Feuerpause als „nicht ernst gemeint“ abgelehnt. Kiew habe bislang keinen offiziellen Vorschlag erhalten, teilte der Präsident mit.

Der Einschlag innerhalb des Moskauer Autobahnrings kommt für den Kreml zur UnzeitDer Einschlag einer vermutlich ukrainischen Drohne in einen Wohnturm nahe dem Zentrum Moskaus kommt für den Kreml zur Unzeit, wirkt wie ein neues Zeichen der Verwundbarkeit. Schon fast ein Jahr war keine Drohne mehr innerhalb des MKAD, des Autobahnrings um die russische Hauptstadt, niedergegangen. Zudem steht der moderne Wohnturm, der durch den Angriff in der Nacht auf Montag sichtlich beschädigt wurde, an einer prestigeträchtigen Adresse an der Mosfilmowskaja-Straße. Er trägt die Hausnummer 8. Direkt gegenüber befindet sich das Gelände der Filmproduktionsgesellschaft Mosfilm. Etwas weiter die Straße herunter liegen Botschaften, unter ihnen die deutsche mit der Hausnummer 56. Iwan Schdanow, ein exilierter Mitstreiter des 2024 in russischer Haft ermordeten Antikorruptionsaktivisten Alexej Nawalnyj, schrieb auf Telegram, im „Haus an der Mosfilmowskaja“ ließen sich gerne Mitglieder der Elite um Präsident Wladimir Putin nieder und zählte einige Bewohner auf, von denen man wisse. „Und da kommt einfach eine Drohne geflogen. Sie hatten geglaubt, der Krieg würde sie nicht betreffen“, schrieb Schdanow dazu.