FAZ 02.06.2026
15:14 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Selenskyj dringt abermals auf US-Unterstützung für Luftverteidigung


Hilfe der USA bei Lieferung von Raketen für Patriot-Systeme absolut notwendig +++ Heftige russische Luftangriffe auf Kiew – mehrere Tote +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Selenskyj dringt abermals auf US-Unterstützung für Luftverteidigung

Russland meldet Drohnenabschüsse bei St. Petersburg und MoskauRussland meldet den Abschuss mehrerer Drohnen über der Region Leningrad und im Anflug auf Moskau. In der Region ‌im Nordwesten des Landes seien drei Drohnen abgeschossen worden, teilt Gouverneur Alexander Drosdenko im Kurznachrichtendienst Telegram mit. Weitere 13 Drohnen ‌habe die Luftabwehr vor ‌der Hauptstadt abgefangen, erklärt der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin. Unterdessen wird am St. Petersburger Flughafen Pulkowo der Flugverkehr vorübergehend eingeschränkt, wie die ​Luftfahrtbehörde Rosawiazija mitteilt. In St. Petersburg ⁠beginnt in Kürze das Internationale Wirtschaftsforum.

Russland verhängt Einreiseverbote gegen britische JournalistenRussland verhängt ein ‌Einreiseverbot gegen fünf britische Staatsbürger, darunter zwei bekannte Journalisten. Der Schritt sei eine ‌Antwort auf ‌die „provokante antirussische Rhetorik britischer Regierungsvertreter, die Verbreitung von Unterstellungen gegen Russland und konkrete ​Schritte Londons zur Belieferung ⁠des Kiewer Regimes mit Waffen“, teilt das Außenministerium in Moskau ​auf seiner Internetseite mit. Betroffen von ⁠der Maßnahme seien ‌die auf Russland spezialisierte Investigativjournalistin der „Washington Post“, Catherine Belton, sowie der Korrespondent ⁠für Sicherheitsthemen der britischen ⁠Zeitung „The i“, Richard Holmes. Holmes ⁠ist ​für ⁠seine Recherchen ausgezeichnet worden und ​war Finalist für den Pulitzer-Preis. ‌Auf der Sanktionsliste stehen zudem Vertreter aus ​einer Denkfabrik sowie ​aus Unternehmen.

Kraftstoffausgabe im russisch besetzten Luhansk begrenztNach der Einführung von Benzin- und Diesel-Limits auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim müssen sich nun auch die Menschen im besetzten ukrainischen Gebiet Luhansk auf eine begrenzte Ausgabe von Kraftstoff einstellen. Bei den Marken AI-95 (entspricht Super in Europa) und AI-92 (Normal) sowie Diesel werde die Abgabe auf höchstens 20 Liter pro Person beschränkt, meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf die Besatzungsbehörden.Begründet wurde der Schritt demnach mit den derzeitigen Vorräten und einer gestiegenen Kraftstoffnachfrage in den vergangenen Tagen. Es handele sich um vorübergehende Beschränkungen, hieß es weiter.Auf der 2014 von Russland annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim war bereits am Wochenende eine vorübergehende Begrenzung für die Ausgabe von Benzin eingeführt worden. Die russische Regierung untersagte außerdem erstmals und zunächst bis Ende November die Ausfuhr von Kerosin. „Ziel des Beschlusses ist die Gewährleistung einer stabilen Lage auf dem Binnenmarkt für Treibstoffe“, hieß es in einer Mitteilung.

Selenskyj warnt vor abermaligem russischen GroßangriffDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnt vor einem abermaligen massiven russischen Luftschlag. „Unseren Geheimdienstinformationen zufolge könnte es heute ​Nacht zu einem weiteren großangelegten Angriff kommen“, sagt Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Er fordert die Bevölkerung eindringlich auf, auf Luftalarme zu achten.

Ukraine: Zahl der Toten nach russischen Angriffen steigtDie Zahl der Toten durch die jüngsten russischen Angriffe steigt nach ukrainischen Angaben auf 22. ​Zudem gebe es mehr als 100 Verletzte bei den Attacken mit Hunderten Drohnen und Dutzenden Raketen. Allein in Dnipro im Südosten des Landes seien 16 Menschen in der Nacht ums Leben gekommen, teilten die Behörden mit. Bei dem abermaligen russischen Beschuss ⁠im Laufe des Tages seien zwei weitere Menschen verletzt worden.

Merz fordert EU-Verhandlungen mit UkraineBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat ​beim Empfang des ungarischen Ministerpräsidenten Péter Magyar in Berlin gefordert, dass die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine beginnen sollen. „Wir verstehen, dass Budapest zunächst bilaterale Fragen klären will, wie etwa die ⁠Rechte der ungarischen Minderheit in der Ukraine“, sagte Merz. „Das darf aber nicht zulasten der europäischen Unterstützung gehen und uns nicht von dem Ziel abbringen, die Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine jetzt auch mit dem ersten Kapitel förmlich zu eröffnen“, fügte er hinzu. 

Gouverneur der Krim ruft angesichts von Benzinknappheit zu Ruhe aufDer von Russland eingesetzte Regierungschef der annektierten ukrainischen Halbinsel Krim, Sergej Axjonow, ​ruft die Bevölkerung angesichts von Benzinknappheit zu Geduld und Ruhe auf. Auf der Krim kommt es zu Engpässen bei der Treibstoffversorgung, nachdem ukrainische Drohnenangriffe die Lieferungen aus den angrenzenden, von Russland kontrollierten Gebieten eingeschränkt haben. Russland hatte die ⁠ukrainische Halbinsel bereits im Jahr 2014 annektiert.

Zahl der Toten nach russischem Angriff steigt Nach dem russischen Großangriff auf die Ukraine ist die Zahl der Toten in der südöstlichen ⁠Großstadt Dnipro auf elf gestiegen. Die Leichen eines achtjährigen Jungen und einer Frau seien aus den Trümmern eines zerstörten vierstöckigen Gebäudes geborgen worden, teilt der Gouverneur der Region, Oleksandr Hanscha, mit. Unter den Todesopfern befinde sich auch ein dreijähriger Junge. ‌Zudem seien in Dnipro bei dem nächtlichen Angriff 37 Menschen verletzt worden. In der Hauptstadt Kiew wurden bei den russischen Luftangriffen den Behörden zufolge mindestens vier Menschen getötet. 

Selenskyj drängt abermals auf US-Unterstützung für Luftverteidigung Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach den nächtlichen russischen Angriffen abermals auf Unterstützung der Vereinigten Staaten bei der Luftverteidigung gedrängt. In einem Post auf der Plattform X schrieb der ukrainische Präsident am Dienstagmorgen, mehr als 500 Einsatzkräfte des staatlichen Rettungsdienstes der Ukraine seien damit beschäftigt, die Folgen des Angriffs der vergangenen Nacht zu bewältigen. „Die Angriffe werden weitergehen“, schrieb Selenskyj weiter. Europa brauche eine eigene Raketenabwehr, um den Krieg zu beenden – gleichzeitig sei die Unterstützung der USA bei der Lieferung von Raketen für Patriot-Systeme absolut notwendig. „Wir zählen auf die Unterstützung unserer Partner und auf wirksame Reaktionen auf den heutigen Angriff.“

Russland: Luftangriff war Reaktion auf ukrainische AngriffeRussland hat nach eigenen Angaben bei ⁠seinem schweren nächtlichen Luftangriff auf die Ukraine Ziele der Rüstungsindustrie unter Beschuss genommen. Dies sei eine Reaktion auf „Terroranschläge“ gewesen, teilt das Verteidigungsministerium unter Verweis auf ukrainische Angriffe mit. Alle anvisierten Ziele seien getroffen ‌und die Aufgaben des Angriffs erfüllt worden. Bei dem russischen Großangriff sind nach ukrainischen Angaben mindestens elf Menschen getötet und mehr als 100 verletzt sowie mehrere Wohngebäude beschädigt worden. Die ‌Führung in Moskau hatte ‌mit „systematischen“ Angriffen auf Kiew gedroht als Reaktion auf einen ukrainischen Drohnenangriff auf ein Studentenwohnheim in der von Russland besetzten Region Luhansk, bei dem 21 Menschen getötet worden sein sollen. Die Ukraine bestreitet die russischen ​Vorwürfe. 

Ukrainische Drohnen setzen südrussische Raffinerie in BrandUkrainische Drohnen haben in der Nacht die Raffinerie Ilski im Süden Russlands beschädigt. In der Raffinerie, rund 50 Kilometer von der Millionenstadt Krasnodar entfernt, sei ein Feuer nach dem Drohnenangriff ausgebrochen, teilte der Krisenstab der Region auf Telegram mit. Verletzte gebe es nicht, hieß es.Die Raffinerie ist eine der größten Ölverarbeitungsanlagen im Süden Russlands. Noch 2022, im ersten Jahr des von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Kriegs gegen die benachbarte Ukraine, hatte die Raffinerie in Ilski laut Medienberichten eine Verarbeitungskapazität von 6,6 Millionen Tonnen Öl im Jahr. Seither wurde die Anlage mehrfach von ukrainischen Drohnen angegriffen und beschädigt. Kiew attackiert systematisch die russische Ölindustrie, um den angreifenden Truppen die Treibstoffversorgung und dem Kreml die Kriegsfinanzierung insgesamt zu erschweren. 

Massive russische Luftangriffe auf Kiew – mehrere ToteRussland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew und andere Landesteile wieder massiv mit Raketen und Drohnen angegriffen. Dabei gab es Behördenangaben zufolge landesweit insgesamt zehn Tote und fast 100 Verletzte.Im Zentrum von Kiew waren in der Nacht heftige Explosionen zu hören. Dabei wurden in der Dreimillionenstadt mindestens vier Menschen getötet und 58 weitere verletzt, wie Bürgermeister Vitali Klitschko auf Telegram schrieb. 40 von ihnen würden stationär behandelt, darunter zwei Kinder. Mehrere Gebäude wurden demnach beschädigt und gerieten in Brand. Viele Einwohner suchten Zuflucht in U-Bahn-Stationen und Luftschutzkellern. Kurzzeitig kam es auch zu Stromausfällen und Problemen bei der Wasserversorgung. Im Morgengrauen zeugten schwarze Rauchwolken über dem Zentrum von Bränden.In der Stadt Dnipro wurden bei dem nächtlichen Angriff Behördenangaben zufolge mindestens sechs Menschen getötet und 25 weitere verletzt. Davon würden 23 aktuell im Krankenhaus behandelt, darunter ein 13 Jahre altes Mädchen. In der östlichen Stadt Charkiw wurden dem Bürgermeister zufolge mindestens zehn Menschen verletzt. Russland griff auch Ziele in der Stadt Saporischschja an.

Selenskyj: „Operation Spinnennetz“ hat vieles verändertDie Ukraine hat Russland mit der vor einem Jahr begonnenen „Operation Pawutina (Spinnennetz)“ nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj schwer in Bedrängnis gebracht. „Diese Operation hat vieles verändert“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Zu dieser Operation gehörten neben dem Einsatz neuer, weitreichender Drohnen gegen die russische Erdöl- und Militärindustrie auch gezielte und koordinierte Kommandoeinsätze hinter den feindlichen Linien. Weitere Details wollte Selenskyj nicht verraten.Vor allem werde das russische Militär durch sogenannte asymmetrische Kriegsführung getroffen. „Unsere Soldaten sind nun in der Lage, die russische Militärlogistik praktisch bis in die gesamte Tiefe des vorübergehend besetzten Gebiets zu treffen“, sagte Selenskyj. „Für den Besatzer gibt es im Süden und Osten unseres Landes praktisch keine sicheren Straßen mehr.“ Das Ergebnis seien Versorgungsengpässe in den besetzten Gebieten im Osten der Ukraine sowie auf der Halbinsel Krim.Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten Drohnen entwickelt, die mehrere Tausend Kilometer tief auf russisches Staatsgebiet vordringen können. Vorrangige Ziele sind dabei Raffinerien sowie Fabriken, in denen Waffen und Munition entwickelt werden.

Selenskyjs Stabschef hält Kriegsende vor Winter für realistischDer ​Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Kyrylo Budanow, hält nach eigenen Angaben ein Abkommen zur Beendigung des Krieges noch vor dem Winter für machbar. ⁠Es sei die Anweisung des Präsidenten, den Krieg so schnell wie möglich zu beenden, wenn irgendwie möglich noch vor dem Winter, sagt Budanow. „Meiner Meinung nach ist dies absolut richtig, rechtzeitig und realistisch.“ Er erwarte in Kürze den Besuch einer US-Delegation in Moskau und Kiew. Die von den USA vermittelten Friedensgespräche ‌stocken, die Regierung in Washington konzentriert sich auf den Konflikt in Iran.

Bericht: Russische Raffinerie setzt Ölverarbeitung nach Treffer ausNach einem ukrainischen Drohnenangriff soll die russische Lukoil-Raffinerie in Wolgograd die Ölverarbeitung ausgesetzt haben. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Branchenkreise. Der ⁠Angriff vom 29. Mai habe Brände und Schäden verursacht, heiße es. Unter anderem sei eine Rohöldestillationsanlage, die 40 Prozent der Kapazität ausmache, abgeschaltet worden. Lukoil äußert sich zunächst nicht dazu. Die Raffinerie im Süden Russlands steht mit 13,5 ‌Millionen Tonnen verarbeitetem Öl im Jahr 2024 für etwa fünf Prozent der russischen Gesamtverarbeitung. Zur Deckung des heimischen Bedarfs will Russland die Kraftstofflieferungen aus Belarus erhöhen und die Kontrollen für Benzin- und Dieselexporte verschärfen. Zudem sei ein vollständiges, ‌zweimonatiges Exportverbot für Benzin im Gespräch, berichtet ‌das Nachrichtenportal RBC unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Dies könnte auch einige zwischenstaatliche Abkommen betreffen.