FAZ 03.06.2026
17:18 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Rutte nennt Russland „zunehmend verzweifelt“


NATO-Generalsekretär: Russlands Rücksichtslosigkeit ist nicht neu +++ Bundesregierung sieht „Fenster für Gespräche“ +++ Ukraine greift Ölterminal nahe Sankt Petersburg an +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Rutte nennt Russland „zunehmend verzweifelt“

Russland meldet Tote bei ukrainischem Angriff auf SimferopolBei einem ukrainischen Angriff auf ‌die Stadt Simferopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim wurden nach russischen Angaben ‌drei Menschen ‌getötet und sieben weitere verletzt. Dies teilte der von Moskau eingesetzte Gouverneur Sergej Aksjonow auf ​dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. ⁠Um welche Art von Angriff es sich handelte, ließ er ​offen.

Ungarn einigt sich mit Ukraine in MinderheitenfrageUngarn und die Ukraine haben sich nach Angaben der Regierung in Budapest auf ein Abkommen zu den Rechten der ungarischen Minderheit in der Ukraine geeinigt. Der Schritt ist für Kiew auch wichtig für die Bemühungen um einen EU-Beitritt. Ungarns Ministerpräsident Peter Magyar, der erst seit 9. Mai Regierungschef ist, hatte die Regelung der Minderheitenrechte im östlichen Nachbarstaat zur Bedingung dafür gemacht, dass sein Land dem Beginn von EU-Beitrittsgesprächen mit der von Russland angegriffenen Ukraine zustimmt. Magyar erklärte auf der Plattform X, nach dreiwöchigen Verhandlungen mit der Ukraine habe sein Team erreicht, was sein Vorgänger Viktor Orban in einem Jahrzehnt nicht geschafft habe. Das umfassende Abkommen verbessere die Bildungschancen sowie sprachliche, kulturelle und politische Rechte der mehr als 100.000 Mitglieder der ungarischen Minderheit in der westukrainischen Region Transkarpatien, schrieb er. Die Ukraine habe sich verpflichtet, die Änderungen in naher Zukunft rechtlich umzusetzen. Diese Zusage werde auch im ukrainischen Aktionsplan für den Weg zu einem EU-Beitritt festgehalten.

EU ebnet den Weg für Vorankommen bei EU-Mitgliedschaft der Ukraine Die EU hat den Weg für ein Vorankommen bei der EU-Mitgliedschaft der Ukraine geebnet. Die EU-Botschafter der 27 Mitgliedstaaten leiteten am Mittwochabend den „Prozess zur formellen Eröffnung des ersten Verhandlungsblocks in den Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und Moldau“ ein, erklärte die zyprische EU-Ratspräsidentschaft im Onlinedienst X. Bisher hatte Ungarn diesen Schritt blockiert. 

Die Frage, wie es der russischen Wirtschaft geht, beschäftigt Fachleute schon seit Beginn des russischen Angriffskriegs und der damit einhergehenden Verschärfung westlicher Sanktionen. Mein Kollege Friedrich Schmidt hat für das Wirtschaftsressort aufgeschrieben, wie groß die wirtschaftlichen Schwierigkeiten für Moskau aktuell wirklich sind. Putin priorisiert den Krieg, seine Regierung muss deshalb an anderen Stellen sparen und neue Schulden machen. Russland möchte sich eigentlich gerne als Wirtschaftswunderland präsentieren, etwa auf dem Internationalen Wirtschaftsforum SPIEF in Sankt Petersburg. Doch die Lücke zwischen Anspruch und Realität wird größer. 

Ukraine: Haben russische Korvette getroffenIm Zuge der Drohnenangriffe auf Sankt Petersburg am Dienstag hat die Ukraine nach Angaben ihrer Streitkräfte auch die Korvette Bojkij der russischen Ostseeflotte in Brand gesetzt. Der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte Robert „Magyar“ Browdi veröffentlichte auf seinem Telegramkanal ein Video, das den Einschlag ukrainischer Drohnen in das russische Kriegsschiff zeigen soll. Die Bojkij befand sich diesen Angaben zufolge für eine planmäßige Überholung auf einem Dock in Kronstadt auf einer Insel in der Ostsee vor Sankt Petersburg. Das Schiff ist erst 2013 in Dienst gestellt worden. In Sankt Petersburg hat am Mittwoch das Internationale Wirtschaftsforum SPIEF begonnen, zu dem in nächsten Tagen auch Machthaber Wladimir Putin erwartet wird.

Berlin sieht „Fenster für Gespräche“ mit Russland Die Bundesregierung hofft wegen der jüngsten Misserfolge Russlands im Krieg gegen die Ukraine auf Waffenstillstandsverhandlungen innerhalb der nächsten Monate unter maßgeblicher Beteiligung Europas. Deutsche Regierungsvertreter sagten am Mittwoch vor Journalisten, jetzt öffne sich langsam „ein Fenster für Gespräche der europäischen Seite mit Russland“. Die harten Kämpfe der letzten Tage zeigten aber, dass bis dahin wohl noch „Monate“ vergehen dürften. Deutschland arbeite in diese Richtung „mit einem klaren Zielbild“: Jeder Schritt müsse „im Einvernehmen mit der Ukraine, in größtmöglicher Abstimmung mit den europäischen Partnern und möglichst koordiniert mit den USA“ gegangen werden.Welche Positionen Deutschland in diesem Prozess vertreten wird, zeichnet sich schon seit längerer Zeit ab. Erstens zielt Berlin auf einen Waffenstillstand entlang der jetzigen „Kontaktlinie“. Der russische Anspruch, die Ukraine müsse als Vorbedingung die noch unbesetzten Teile des Gebiets Donezk abgeben, wird klar zurückgewiesen. Zweitens braucht die Ukraine aus deutscher Sicht Sicherheitsgarantien, um als souveräner Staat erhalten zu bleiben. Drittens muss das Land Hilfe beim Wiederaufbau bekommen, und zwar auch aus Russland, und viertens müssen Europas Sicherheitsinteressen gewahrt werden. Damit ist gemeint, dass die Verbündeten der Ukraine in Europa eine glaubwürdige gemeinsame Abschreckung gegen eine mögliche weitere russische Aggression brauchen.Russland hat zwar bisher nicht erkennen lassen, dass es europäische Regierungen als Verhandlungspartner akzeptieren könnte, und es gibt auch noch keine Kontakte. Mehrere Entwicklungen nähren aber in Berlin die Hoffnung, dass sich das ändern könnte. Unter Fachleuten herrscht die Ansicht vor, dass Russland militärisch nicht vorankommt und seine hohen Verluste auf die Dauer nicht ausgleichen kann. Demnach wird auch nicht damit gerechnet, dass Russland genügend ballistische Raketen besitzt, um die jetzige Angriffswelle auf ukrainische Ziele lange weiterzuführen.Noch ein paar weitere Entwicklungen werden wahrgenommen. Politisch kann Präsident Wladimir Putin nach der Wahlniederlage seines Verbündeten Viktor Orbán in Ungarn nicht mehr wie früher darauf rechnen, Europa und die NATO zu spalten, und wirtschaftlich gerät Russland durch Krieg und Sanktionen immer mehr unter Druck. Die Ukraine wiederum hat durch den jüngsten 90-Milliarden-Euro-Kredit der EU wieder Luft gewonnen.Aus all diesen Gründen gibt es in Berlin die Hoffnung, dass Russland in absehbarer Zeit von sich aus Verhandlungen anstreben wird, und dass Europa dabei mit beträchtlichen Machtmitteln eine starke Position einnehmen kann. Von der Bundesregierung heißt es, man wolle für diesen Fall ein Verhandlungsformat vorbereiten, das einerseits „möglichst handlungsfähig“ wäre, und „zum anderen von den Europäern als möglichst legitim empfunden wird“. Es spreche viel dafür, dass dabei die „E3“, also Deutschland, Großbritannien und Frankreich, „eine wichtige Rolle spielen werden“. Andere Länder werden eingeladen, sich zu beteiligen. 

Rüstungsunternehmer verbreitet Videos der Angriffe auf Sankt Petersburg Der Chef des ukrainischen Rüstungsunternehmens „Fire Point“, Denis Schtiljermann, hat in sozialen Medien Videoaufnahmen verbreitet, die ukrainische Drohnen beim Anflug in Sankt Petersburg zeigen sollen. „Ich hoffe, alle Gäste des Internationalen Wirtschaftsforums werden etwas frische Luft schnappen und die Aussicht genießen“, ergänzte er in Anspielung auf die Einschläge und dadurch entstandene Rauchsäulen am Himmel.  

Rutte besucht KiewNATO-Generalsekretär Mark Rutte ist in der ukrainischen Hauptstadt Kiew angekommen. Das teilt die ukrainische Eisenbahn mit. „Wir freuen uns, heute NATO-Generalsekretär Mark Rutte im ⁠Kiewer Hauptbahnhof begrüßen zu dürfen“, erklärt die staatliche Ukrsalisnyzia auf Telegram und veröffentlicht Fotos von seiner Ankunft. Der Besuch sei „äußerst wichtig“ und eine „Geste der Solidarität und Unterstützung“ der NATO für die Ukraine.Die NATO bemüht sich rund einen Monat vor ihrem Gipfel in Ankara darum, die Unterstützung für die Ukraine in ihrem Kampf gegen Russland aufrechtzuerhalten. Dabei geht es zum einen um den Kauf von Waffen aus den USA für Kiew über den sogenannten Purl-Mechanismus und zum anderen um finanzielle Unterstützung für weitere Waffenkäufe und -produktion. Rutte hatte Ende Mai kritisiert, dass viele der 32 Nato-Mitgliedstaaten nicht genug für die Unterstützung der Ukraine ausgeben würden. Als positive Beispiele für anhaltende Ukrainehilfe nannte er unter anderem Deutschland, die Niederlande und Schweden. 

Ukraine hat laut Selenskyj Ölterminal nahe Sankt Petersburg angegriffenDie Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj das Ölterminal in Sankt Petersburg angegriffen. ⁠Zudem sei eine Rüstungsfabrik in der russischen Oblast Tambow beschossen worden. Tambow liegt südlich von Moskau. Die Einschläge bezeichnete Selenskyj als „gutes Resultat“ der gemeinsamen Arbeit von Drohneneinheiten verschiedener Truppengattungen und Geheimdienste. Getroffen worden sei neben dem Ölterminal auch ein rein militärisches Ziel im Stadtbezirk Kronstadt, wo die russische Kriegsflotte ihren Stützpunkt in der Ostsee hat. Die Ziele lägen fast 1.100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, betonte er. In St. Petersburg startet am Mittwoch das Internationale Wirtschaftsforum SPIEF. Kremlchef Wladimir Putin ist Gastgeber bei dem glanzvoll für Gäste aus aller Welt inszenierten Forum. Erwartet werden auch Unternehmer und Wirtschaftsvertreter aus westlichen Staaten. Aus Deutschland besuchen daneben Politiker der AfD das Forum. In weiten Teilen der Millionenstadt an der Newa waren nach dem ukrainischen Angriff Rauchschwaden zu sehen.„Ein weiteres Ziel war ein Unternehmen in der Region Tambow, das an der Produktion russischer Rüstungsgüter beteiligt ist“, schrieb Selenskyj. Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um eine Fabrik, die auch Raketentechnik produziert.

Russland meldet mehrere Tote bei Angriff auf Bus in DonezkBei einem Drohnenangriff ⁠im russisch kontrollierten Teil des ostukrainischen Gebiets Donezk werden nach Angaben der dortigen Behörden sieben Menschen getötet und elf weitere verletzt. Die Drohne habe einen Reisebus getroffen, der ‌zwischen Moskau und Simferopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim unterwegs gewesen sei, teilt der von Moskau eingesetzte Regionalgouverneur Denis Puschilin auf dem Kurznachrichtendienst ‌Telegram mit.

Russland: Gebäude bei Drohnenangriff auf Mitschurinsk beschädigtBei ⁠einem Drohnenangriff auf die Stadt Mitschurinsk in der zentralrussischen Region Tambow werden nach Angaben von Gouverneur Jewgeni Perwyschow unter anderem Nebengebäude einer Industrieanlage, ein Wohnhaus ‌und eine Bibliothek beschädigt. Verletzte gebe es nicht, teilt er auf Telegram mit.

Russland verhängt Einreiseverbote gegen britische JournalistenRussland verhängt ein ‌Einreiseverbot gegen fünf britische Staatsbürger, darunter zwei bekannte Journalisten. Der Schritt sei eine ‌Antwort auf ‌die „provokante antirussische Rhetorik britischer Regierungsvertreter, die Verbreitung von Unterstellungen gegen Russland und konkrete ​Schritte Londons zur Belieferung ⁠des Kiewer Regimes mit Waffen“, teilt das Außenministerium in Moskau ​auf seiner Internetseite mit. Betroffen von ⁠der Maßnahme seien ‌die auf Russland spezialisierte Investigativjournalistin der „Washington Post“, Catherine Belton, sowie der Korrespondent ⁠für Sicherheitsthemen der britischen ⁠Zeitung „The i“, Richard Holmes. Holmes ⁠ist ​für ⁠seine Recherchen ausgezeichnet worden und ​war Finalist für den Pulitzer-Preis. ‌Auf der Sanktionsliste stehen zudem Vertreter aus ​einer Denkfabrik sowie ​aus Unternehmen.

Kraftstoffausgabe im russisch besetzten Luhansk begrenztNach der Einführung von Benzin- und Diesel-Limits auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim müssen sich nun auch die Menschen im besetzten ukrainischen Gebiet Luhansk auf eine begrenzte Ausgabe von Kraftstoff einstellen. Bei den Marken AI-95 (entspricht Super in Europa) und AI-92 (Normal) sowie Diesel werde die Abgabe auf höchstens 20 Liter pro Person beschränkt, meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf die Besatzungsbehörden.Begründet wurde der Schritt demnach mit den derzeitigen Vorräten und einer gestiegenen Kraftstoffnachfrage in den vergangenen Tagen. Es handele sich um vorübergehende Beschränkungen, hieß es weiter.Auf der 2014 von Russland annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim war bereits am Wochenende eine vorübergehende Begrenzung für die Ausgabe von Benzin eingeführt worden. Die russische Regierung untersagte außerdem erstmals und zunächst bis Ende November die Ausfuhr von Kerosin. „Ziel des Beschlusses ist die Gewährleistung einer stabilen Lage auf dem Binnenmarkt für Treibstoffe“, hieß es in einer Mitteilung.

Selenskyj warnt vor abermaligem russischen GroßangriffDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnt vor einem abermaligen massiven russischen Luftschlag. „Unseren Geheimdienstinformationen zufolge könnte es heute ​Nacht zu einem weiteren großangelegten Angriff kommen“, sagt Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Er fordert die Bevölkerung eindringlich auf, auf Luftalarme zu achten.