FAZ 10.05.2026
10:55 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Putin schlägt Gerhard Schröder als Vermittler vor


Altkanzler will sich nicht dazu äußern +++ Russland und Ukraine werfen sich Bruch der Waffenruhe vor +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Putin schlägt Gerhard Schröder als Vermittler vor

Ort des Gedenkens im Kiewer StadtzentrumBei jedem Besuch Kiews ist das Fahnenmeer am Maidan im Zentrum Kiews wieder ein bisschen größer geworden. Es erinnert seit 2022 an die im Verteidigungskrieg gegen Russland gefallenen Soldaten – ukrainische wie ausländische. Weil kaum noch Platz für weitere Flaggen ist, stehen nun auf den Stufen vor dem Unabhängigkeitsdenkmal auch bunte Grablichter. Viele Menschen laufen an dem Ort vorbei, oft bleiben einige stehen, lesen die Namen der Gefallenen, schauen sich ihre Fotos an. Wie viele ukrainische Soldaten in den vergangenen vier Jahren getötet wurden, ist unklar. Die ukrainische Seite veröffentlicht keine Statistiken dazu. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach im Februar von 55.000 gefallenen Soldaten. Das Projekt UALosses geht von knapp 98.000 aus und listet Getötete namentlich auf. Die BBC schätzte die Zahl im Februar sogar auf fast 200.000. 

Angriffe trotz WaffenruheTrotz der von US-Präsident Donald Trump verkündeten dreitägigen Waffenruhe hat die russische Armee laut ukrainischen Angaben auch am Samstag ihre Angriffe nicht eingestellt. So meldete die ukrainische Luftwaffe am Sonntagmorgen, dass in der Nacht 27 Drohnen abgefangen worden seien.  In der Großstadt Charkiw im Nordosten der Ukraine zielten die russischen Streitkräfte nach Angaben der lokalen Behörden offenbar auf ein Industriegebiet. Dabei sei ein neunstöckiges Wohnhaus von einer Drohne getroffen worden, teilte Charkiws Bürgermeister noch am Samstagabend auf Telegram mit. Fünf Menschen seien verletzt worden, darunter zwei Kinder.Auch aus den frontnahen Gebieten im Osten und Süden des Landes wurde Beschuss gemeldet. Insgesamt seien in den Gebieten Charkiw, Donezk und Cherson 19 am Samstag verletzt worden, hieß es von den Behörden. 

Fico verteidigt Reise zu PutinSlowakiens Ministerpräsident hat seine von anderen EU-Ländern kritisierte Teilnahme am Weltkriegsgedenken in Moskau verteidigt. Robert Fico rief zur neuerlichen Zusammenarbeit Europas mit Russland auf. „Ich lehne einen neuen Eisernen Vorhang zwischen der EU und Russland ab“, sagte der Linksnationalist in einem Facebook-Video auf dem Rückflug aus Moskau nach Bratislava. Er und seine Regierung hätten „Interesse an normalen freundschaftlichen und gegenseitig vorteilhaften Beziehungen“ zur Großmacht Russland ebenso wie zu allen anderen Ländern, die daran interessiert seien.Die Slowakei ist noch immer weitgehend von russischen Öllieferungen abhängig. Für die wirtschaftlichen Probleme des Landes macht Ficos Regierung die Ukraine mitverantwortlich, weil sie zum Jahresbeginn 2025 die Durchleitung von russischem Gas über ihr Territorium stoppte. Fico war der einzige Gast aus der EU, der am Tag des Weltkriegsgedenkens im Kreml empfangen wurde. Putin sicherte ihm zu, Russland  werde alles tun, um den Energiebedarf der Slowakei zu erfüllen.

Putin: „Wer sich mit mir treffen will, muss nach Moskau kommen“ Der russische Präsident Wladimir Putin ist bereit zu direkten Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, aber nur in der russischen Hauptstadt. „Wer sich mit mir treffen will, muss nach Moskau kommen“, sagte Putin bei einer außerordentlichen Pressekonferenz nach der Siegesparade zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau.Es sei keine direkte Einladung an Selenskyj, doch würde er sich auch mit ihm treffen. „Wir können uns auch an einem anderen Ort als Moskau treffen, aber nur wenn zuvor eine langfristige Friedensvereinbarung getroffen wurde“, sagte Putin. Selenskyj schließt eine Reise nach Moskau aus.Berichte über eine Botschaft Selenskyjs, die der slowakische Regierungschef Robert Fico überbracht haben wollte, tat Putin als unwahr ab. „Es gab keine persönliche Botschaft.“ Fico habe von Selenskyjs Gesprächsbereitschaft berichtet. „Aber das hören wir nicht zum ersten Mal.\"Putin betonte, dass eine friedliche Lösung des Konflikts Sache der Ukraine und Russlands sei. „Aber wenn jemand helfen möchte, sind wir dafür dankbar.“ Obwohl sich die USA bisher um Vermittlung bemüht hatten, könne er sich von europäischer Seite Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder als Vermittler vorstellen. „Von allen europäischen Politikern würde ich Gespräche mit Schröder bevorzugen.“ Schröder und Putin gelten als enge Freunde. Das Büro des Altkanzlers teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit, Schröder werde sich zu dieser Frage nicht äußern.Der Kremlchef warf Europa vor, den Konflikt in der Ukraine verschärfen zu wollen. Allerdings wisse Europa, „dass dieses Spiel teuer werden könnte“. Die Ukraine werde von Europa weiterhin massiv unterstützt, vor allem mit Technik und Technologie. 

Polnische Polizei findet Militärdrohne an russischer GrenzeAuf einem Feld nahe der Grenze zu Kaliningrad haben die polnischen Behörden eine abgestürzte Drohne sichergestellt. Polizei und Militärpolizei hätten am Morgen den Hinweis erhalten, nahe der Stadt Bartoszyce sei ein unbekanntes Flugobjekt gefunden worden, teilte die Militärpolizei auf Facebook mit. „Erste Untersuchungen vor Ort deuten darauf hin, dass es sich wahrscheinlich um eine Militärdrohne handelt, die zu Überwachungszwecken eingesetzt wird, jedoch nicht kampffähig ist“, hieß es in der Mitteilung. Die Militärpolizei habe Ermittlungen unter Aufsicht der Staatsanwaltschaft eingeleitet.Nach Informationen des privaten Radiosenders RMF soll die Drohne eine Aufschrift mit kyrillischen Buchstaben getragen haben. Das könnte auf einen russischen oder auch ukrainischen Ursprung hindeuten. Nach von der Polizei zunächst ebenfalls noch nicht bestätigten Angaben soll die abgestürzte Drohne RMF zufolge mit mehreren Kameras ausgestattet sein. Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender TVP Info nannte später als genauere Fundstelle die Ortschaft Osieka, die nur rund 20 Kilometer von der russischen Grenze entfernt liegt. Ein vom Sender befragter Verteidigungsexperte vermutete, dass es sich um eine ungewollt abgestürzte Aufklärungsdrohne handle.

EU-Ratspräsident: Europa wird mit Russland reden müssenEU-Ratspräsident António Costa hat am Europatag die grundsätzliche Offenheit der EU für Gespräche mit Russland bekräftigt. Man sei bereit, sich an Friedensverhandlungen zu beteiligen, um einen gerechten und dauerhaften Frieden in der Ukraine zu erreichen, sagte er am Samstag in Brüssel. Im richtigen Moment werde man natürlich Gespräche mit Russland führen müssen, um gemeinsame Sicherheitsfragen zu besprechen. Zugleich machte Costa deutlich, dass es keine Alleingänge der EU geben soll. Man wolle die Friedensinitiative von US-Präsident Donald Trump nicht stören, betonte er.Kurz vor dem Auftritt in Brüssel hatte Costa am Samstagvormittag mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefoniert. In sozialen Netzwerken schrieb Costa zu dem Austausch: „Die Zukunft der Ukraine liegt in der Europäischen Union. Wir freuen uns darauf, die nächsten Schritte in ihrem Beitrittsprozess so bald wie möglich zu gehen.“

Kremlberater: Intensivere Kontakte mit USA führten zur WaffenruheJurij Uschakow, der außenpolitische Berater des russischen Herrschers, hat die vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump vermittelte ukrainisch-russische Waffenruhe als Frucht der Moskauer Drohungen mit einem „massiven Raketenschlag“ auf Kiew dargestellt. „Insbesondere angesichts unserer Warnungen an Kiew haben sich unsere Kontakte zu den Amerikanern intensiviert, in deren Verlauf wir uns auf eine Waffenruhe geeinigt haben“, sagte Uschakow am Samstag laut der Nachrichtenagentur Interfax. Trump hatte in seinem Truth-Social-Post, in dem er am Freitagabend die Waffenruhe verkündet hatte, die Hoffnung geäußert, dass sie „der Anfang vom Ende eines sehr langen, tödlichen und hart gekämpften Krieges“ werden könne. Uschakow wies aber zurück, dass die Waffenruhe verlängert werden könnte. Außer der Waffenruhe zum „Tag des Sieges“ sei nichts vereinbart worden. 

Fico in Moskau empfangen – Putin lobt pragmatischen Kurs der SlowakeiRusslands Herrscher Wladimir Putin hat den slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico im Kreml empfangen. „Die russisch-slowakischen Beziehungen waren viele Jahre lang, auch während Ihrer früheren Amtszeiten als Regierungschef, durch einen intensiven politischen Dialog und eine beständige Dynamik der Zusammenarbeit gekennzeichnet“, äußerte Putin. „Natürlich verstehen wir, dass sie derzeit durch die Ereignisse im Zusammenhang mit den Geschehnissen in der Ukraine sowie durch die außenpolitische Lage und die Konfrontationslinie erschwert werden, die unserer Ansicht nach durch die EU und die NATO erzwungen wird“, sagte Putin weiter zu Fico im Beisein von Delegationen beider Länder. Putin äußerte sich nicht dazu, dass der Slowake jüngst einen EU-Beitritt der Ukraine unterstützt hat, „freundschaftliche“ Beziehungen zu Kiew anstrebt und auch die ukrainische Hauptstadt besuchen will. Putin reicht indes bei solchen Gelegenheiten, den Besuch als solchen als Erfolg zu präsentieren. „Gleichzeitig strebt Ihre Regierung eine souveräne Außenpolitik an und verfolgt einen pragmatischen Kurs gegenüber Russland“, lobte Putin Fico in diesem Sinne. „Wir begrüßen die schrittweise Wiederherstellung der bilateralen Zusammenarbeit, die durch die Bemühungen der früheren slowakischen Regierung praktisch eingefroren war.“ Neben Ungarn bezieht auch die Slowakei weiter russisches Öl durch die Druschba-Pipeline; vor Kurzem war der Transit durch die Ukraine wieder aufgenommen worden.Auch Fico sprach von einer „souveränen slowakischen Politik, die sich an alle richtet, die an normalen, standardmäßigen und freundschaftlichen Beziehungen zur Slowakischen Republik interessiert sind“. Er sehe, „dass sich bei uns wieder ein ‚Eiserner Vorhang‘ auftut, und ich unterstütze für beide Seiten vorteilhafte, freundschaftliche Beziehungen. Ich bin überzeugt, dass sowohl die Slowakei als auch die Russische Föderation in kürzester Zeit einige Schritte unternehmen können, die auf die Wiederherstellung normaler Beziehungen abzielen.“ Fico war am Freitag nach Moskau gereist und hatte am  Abend einen Kranz am Grabmal des Unbekannten Soldaten an der Kremlmauer niedergelegt, im Unterschied zu anderen Gästen aber am Samstagmorgen nicht der Militärparade auf dem Roten Platz beigewohnt. Dafür nahm Fico mit Putins anderen Gästen nach der Parade an einem Empfang im Kreml teil, auf dem der Gastgeber in einem Grußwort zum wiederholten Male von einer „gerechteren Weltordnung“ sprach, die sich heute ausbilde. Fico erwies sich als der erste Gast, der danach Putin zuprostete. 

Russland wirft Ukraine Verstöße gegen Waffenruhe vorDas russische Verteidigungsministerium hat der Ukraine Verstöße gegen die von US-Präsident Donald Trump vermittelte Waffenruhe vorgeworfen. Die ukrainischen Streitkräfte hätten ungeachtet der Vereinbarung mit Drohnen und Artillerie russische Positionen und auch zivile Objekte angegriffen, teilte das Ministerium der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge mit. Betroffen gewesen seien unter anderem die Gebiete Kaluga, Tula, Smolensk, Kursk, Brjansk und Belgorod sowie im Süden die Teilrepublik Tschetschenien und die Regionen Stawropol und Krasnodar.Eine Bestätigung dafür von ukrainischer Seite gab es zunächst nicht. Allerdings beklagte auch der ukrainische Generalstab nach Beginn der Waffenruhe Angriffe von russischer Seite vor allem in den umkämpften Regionen im Donbass. Die Rede war von 45 Attacken bis zum frühen Morgen.Auch das russische Verteidigungsministerium berichtete von Kämpfen; die Ukraine unternahm demnach zwölf Angriffe. Das Ministerium in Moskau betonte, dass die russische Seite auf Attacken der ukrainischen Drohnentruppen und Artillerie reagiert habe und ansonsten keine Drohnen, Raketen oder Artillerie einsetze.

Merz kritisiert Ficos Reise nach MoskauBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Reise des slowakischen Regierungschefs Robert Fico zu den Feiern zum „Tag des Sieges\" in Moskau kritisiert. „Robert Fico weiß, dass wir da nicht einer Meinung sind. Ich bedaure das zutiefst und wir werden mit ihm über diesen Tag in Moskau sprechen“, sagte Merz bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson in Stockholm. 

Kreml: Keine Versuche, die Parade zu vereitelnKremlsprecher Dmitrij Peskow hat geäußert, es habe keine Versuche gegeben, die Parade auf dem Roten Platz zu vereiteln. „Nichts wurde versucht, alles gut“, sagte er auf eine Pressefrage am Samstag. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte wiederholt angedeutet, die Moskauer Parade angreifen zu können, und ausländischen Gästen davon abgeraten, sie zu besuchen, dann aber am Freitagabend der Waffenruhe-Initiative des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zugestimmt. Bisher sei nicht über eine Verlängerung der Feuerpause über Montag hinaus gesprochen worden, sagte Peskow. Trump und Putin hätten einander noch nicht zum „Tag des Sieges“ beglückwünscht, sagte er auch. Zuletzt hatten die beiden am 29. April miteinander telefoniert. Ein neues Telefonat sei derzeit nicht geplant, sagte Peskow. 

Kolonne von „Ehefrauen und Müttern der Helden der speziellen Militäroperation“ Neben Moskau fanden in Russland am Samstag auch andernorts Paraden zum „Tag des Sieges“ von 1945 statt. In der gut 4700 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Stadt Tschita, der Hauptstadt der Region Transbaikalien, gab es dabei erstmals eine eigene Kolonne von „Ehefrauen und Müttern der Helden der speziellen Militäroperation“. Es ist ein weiteres Zeichen dafür, wie der Machtapparat versucht, eine gesellschaftliche Geschlossenheit hinter dem Angriffskrieg gegen die Ukraine zu inszenieren, wie sie auch der Herrscher Wladimir Putin in seiner Ansprache auf dem Roten Platz beschwor. Putin sei stets „bestens informiert\" über die Lage im Kriegsgebiet, behauptete das Staatsfernsehen zu Bildern, die Putin mit einigen Militärs am Grab des Unbekannten Soldaten an der Kremlmauer zeigten. Dort hatten Putin und einige seiner Gäste zuvor Blumen niedergelegt. Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico, Putins einziger Gast aus einem EU- und NATO-Mitgliedsland, hatte dies nach Nachrichtenagenturangaben schon am Freitagabend getan. 

Putin: „Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Sache gerecht ist\"Moskaus Militärparade hat begonnen. Der Sprecher hebt bei einzelnen Einheiten hervor, welche Rolle sie in der „speziellen Militäroperation“ spielten, dem Angriffskrieg gegen die Ukraine – das überfallene Land wird dabei freilich nie erwähnt. Auch nordkoreanische Soldaten sind auf dem Roten Platz dabei. Angaben zur Gesamtzahl der Teilnehmer der Parade fehlen zunächst. Doch dem Sprecher zufolge sind „mehr als 1000 Teilnehmer“ der Parade zugleich solche des aktuellen Kriegs. Im vergangenen Jahr waren unter den mehr als 11.500 russischen Teilnehmern der Parade offiziell mehr als 1500 des Ukrainekrieges. Bei der ersten Parade nach dem Überfall von 2022 war noch gar keine Zahl zu den aktuellen Kriegsteilnehmern gefallen; 2023 war dann von 530, 2024 auch schon von mehr als 1000 die Rede gewesen. Wie stets vermischt der Sprecher die historische Rolle einzelner Einheiten auf dem Roten Platz mit Aufgaben im aktuellen Krieg. Dann spricht der Herrscher. Wladimir Putin grüßt die „Teilnehmer der speziellen Militäroperation“ direkt, beschwört das „Erbe der Soldaten des Sieges“ und das „Heldentum des sowjetischen Volkes“, die „kolossalen Verluste unserer Soldaten“, den „grandiosen Sieg“. Dann geht es Putin um die Erinnerung an den deutschen Überfall vor bald 85 Jahren. Es sei den nationalsozialistischen Angreifern darum gegangen, die reichen Ressourcen der Sowjetunion zu erobern, sagt Putin, um „die völlige Vernichtung der Kultur, unseres historischen Erbes“, um „den Genozid des gesamten multiethnischen sowjetischen Volkes“. Nach der traditionellen Schweigeminute für die Opfer des historischen Krieges zieht Putin eine Linie in die Gegenwart. „Die große Heldentat der Generation der Sieger inspiriert die Soldaten, die heute Aufgaben der speziellen Militäroperation erfüllen“, sagt er. „Sie stellen sich einer aggressiven Macht entgegen, die vom gesamten NATO-Block bewaffnet und unterstützt wird. Und trotz alledem schreiten unsere Helden voran“, behauptet Putin, der ebenfalls die Ukraine nicht nennt – wobei der russische Vormarsch ins Stocken geraten ist. „Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Sache gerecht ist!“, ruft Putin aber. „Wir stehen zusammen! Der Sieg war schon immer auf unserer Seite und wird es auch immer bleiben!“ Danach ist eine Neuheit der Inszenierung zu verzeichnen: Das Staatsfernsehen blendet Bilder ein, die Soldaten an Panzern, Granatwerfen und Haubitzen zeigen, solche, die Drohnen, Kampfflugzeuge und Unterseeboote steuern, „einzigartige“ Waffensysteme im strategischen Ringen, wie sie Putin regelmäßig beschwört. Die Soldaten seien „die Enkel und Urenkel“ der Soldaten des Großen Vaterländischen Krieges, heißt es dazu, obwohl die Männer auf den Bildern noch jünger sein dürften.  Auf diese Weise sollen offenkundig die Russen an ihren Fernsehern Bilder von militärischem Gerät sehen, obwohl dieser Teil der Parade gleichsam dem Krieg zum Opfer gefallen ist. 

Kein Wort von den EinschränkungenEs fällt auf, dass die Staatsfernsehmacher die Einschränkungen der Parade durch den Krieg nicht benennen. So wird nicht thematisiert, dass kein militärisches Gerät auffahren soll; das hatte Kremlsprecher Dmitrij Peskow ganz offen mit ukrainischen Bedrohungen erklärt. Und auch die Waffenruhe von Samstag bis einschießlich Montag, die der amerikanische Präsident Donald Trump am Freitagabend verkündet hat und der Kiew wie Moskau zugestimmt haben, wird nicht thematisiert. Wohl, weil es so wirken würde, als finde die Parade von Amerikas Gnaden statt.