FAZ 20.05.2026
13:32 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Luftalarm in Litauen: Staatsspitze in Schutzräume gebracht


Entwarnung nach einer halben Stunde +++ Auslöser war eine Drohne aus Richtung Belarus +++ Putin und Xi betonen bei Treffen enge Beziehungen +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Luftalarm in Litauen: Staatsspitze in Schutzräume gebracht

Moskau reagiert scharf auf litauische Äußerungen zu Kaliningrad Moskau reagiert mit scharfen Worten auf Äußerungen aus Litauen zur militärischen Verwundbarkeit der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad. Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach auf Reisen in Peking von „kurzsichtigen Politikern“ im Baltikum, „die mit Russophobie durchtränkt sind“, wie die russische Nachrichtenagentur Tass meldete. Weil die baltischen Staaten „geradezu wahnhaft russlandfeindlich“ seien, handelten sie gegen ihre eigenen Interessen, sagte Peskow.Litauens Außenminister Kęstutis Budrys hatte vor kurzem in einem Interview der „Neuen Zürcher Zeitung“ über die Bedrohung durch Russland und Belarus gesprochen und eine energische Abschreckung durch die NATO verfochten. Befragt nach dem benachbarten Kaliningrad, sagte er: „Wir müssen den Russen zeigen, dass wir ihre kleine Festung, die sie in Kaliningrad errichtet haben, durchdringen können. Die NATO hat die Mittel, die russischen Luftverteidigungs- und Raketenbasen dort im Ernstfall dem Erdboden gleichzumachen.“ Dies sei ein direkter Aufruf, ein souveränes Land anzugreifen, und beschädige die europäische Stabilität, entgegnete die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. 

Der ukrainische Kartendienst, der den Frontverlauf abbildet, stellt das ostukrainische Pokrowsk inzwischen als vollständig russisch besetzt dar. Noch vor wenigen Tagen hatte ein Vertreter des 7. Schnellreaktionskorps der Luftlandetruppen der ukrainischen Armee in einem Interview von Infanteristen berichtet, die weiterhin Positionen im Norden der weitgehend zerstörten Stadt halten. 

Stromausfall in Odessa nach DrohnenangriffDurch einen russischen Angriff auf eine Energieanlage des Versorgers ​DTEK in Odessa am Schwarzen Meer fällt in der Nacht in zehntausenden Haushalten die Stromversorgung aus. Dies teilt das Unternehmen mit. Bis zum Morgen sei die Stromversorgung für einige Haushalte wiederhergestellt worden, heißt es ⁠über den Kurznachrichtendienst Telegram weiter. Die Reparaturarbeiten dauerten an. 

Großbritannien lockert Russland-SanktionenBritische Firmen dürfen von sofort wieder Ölprodukte aus Drittländern beziehen, die mit Rohöl aus Russland hergestellt worden sind. Die britische Regierung hob außerdem einige Sanktionen gegen den Transport von russischem Flüssiggas auf. Die Lockerungen gestatten nun unter anderem den Bezug von Kerosin aus Indien, das vor der Verhängung der Sanktionen einer der Hauptlieferanten von Flugzeugbenzin für das Vereinigte Königreich war. Die Preise für Kerosin hatten sich seit der Sperrung der Straße von Hormus zeitweise verdoppelt. An der Lockerung gab es Kritik aus der regierenden Labour-Partei. Die Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Unterhaus, Emily Thornberry, sagte, sie sei gegen die Lockerung der Sanktionen. Ihre Kontakte in der Ukraine hätten sich „sehr enttäuscht“ über diesen Schritt gezeigt. Auf den Hinweis, auch Spanien und die Vereinigten Staaten hätten ähnliche Ausnahmen von geltenden Sanktionen verfügt, sagte Thornberry, „nur weil andere Länder sich falsch verhalten, heißt das nicht, dass wir es ihnen gleichtun müssen“.

Flughafen Vilnius setzt Flugbetrieb ausDer Flughafen der litauischen Hauptstadt Vilnius setzt nach Angaben des nationalen Krisenzentrums wegen eines Drohnenalarms den Flugbetrieb aus. Auslöser ist eine ⁠Drohne im benachbarten Belarus, die in Richtung Litauen fliegt. Die Herkunft des Fluggeräts ist der Behörde zufolge noch unklar. Erst am Vortag hat ein NATO-Kampfjet nach estnischen Angaben eine mutmaßliche ukrainische Drohne über Estland abgeschossen. In der Region kommt es vor dem Hintergrund ukrainischer Angriffe auf ‌Russland immer wieder zu Verletzungen des Luftraums. 

Estland verteidigt Abschuss von Drohne Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur hat den Abschuss einer in den Luftraum des baltischen EU- und NATO-Landes eingedrungenen Drohne als richtig und angemessen bewertet. „Wir haben, wie immer, verschiedene Faktoren abgewogen: Wie groß ist die Gefahr für bewohnte Gebiete? Welche Reaktionsmöglichkeiten gibt es? Und auf Grundlage dieser Gesamtbewertung wurde die Entscheidung getroffen, sie abzuschießen“, sagte Pevkur in einem Interview im estnischen Fernsehen.Entscheidend für den erstmaligen Abschuss einer eingeflogenen Drohne sei die Annahme gewesen, dass es nur minimale oder gar keine möglichen Kollateralschäden geben würde. „Glücklicherweise entstand diesmal praktisch kein Schaden – lediglich ein kleines Waldstück wurde leicht in Mitleidenschaft gezogen“, sagte Pevkur. Der Absturz sei wenige hundert Meter von einem Wohngebäude entfernt erfolgt. In dem an Russland grenzenden Estland hatten NATO-Kampfjets am Dienstag eine vermutlich ukrainische Drohne abgeschossen, die mutmaßlich auf russische Ziele gerichtet war und in den estnischen Luftraum geflogen ist. Ob das unbemannte Fluggerät mit Sprengstoff bestückt war, wird nach Angaben des estnischen Ministers noch untersucht. Jede Drohne führe aber Treibstoff mit sich. Daher stellte sie unabhängig von einem Sprengkopf immer eine Gefahr am Boden dar, sagte Pevkur. 

Tote und Verletzte nach russischen Drohnenangriffen in der Nacht Russland hat in der Nacht wieder ukrainische Städte und Regionen angegriffen. Ukrainische Behörden meldeten nach russischen Drohnenangriffen mindestens zwei Tote, zahlreiche Verletzte sowie mehrere zerstörte Gebäude in den Städten Odessa, Dnipro und Konotop. In Dnipro seien zwei Menschen durch russische Angriffe getötet worden, teilte der Chef der Militärverwaltung der Region Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, auf Telegram mit. Es gebe sechs Verletzte. Wohnhäuser, ein Lebensmittellager sowie Autos seien beschädigt worden. In dem Gebiet Sumy wurden in der Stadt Konotop mehrere Gebäude getroffen, wie Militärgouverneur Oleh Hryhorow auf Telegram schrieb. Dabei seien mindestens sechs Menschen verletzt worden. Der Bürgermeister der Stadt Konotop, Artem Semenichin, sagte laut einem Medienbericht, wegen Mangels an Rettungswagen würden die Verletzten in privaten Fahrzeugen in Krankenhäuser gebracht. Auch ein Museum sei beschädigt worden. Auch in Odessa wurden erneut mehrstöckige Wohnhäuser und Fahrzeuge getroffen, wie der Leiter der örtlichen Militärverwaltung, Serhij Lyssak, auf Telegram schrieb. Ein Gebäude sei durch den Angriff völlig zerstört worden. Information über Verletzte oder Todesopfer gab es zunächst nicht.Die Ukraine griff russischen Angaben ​zufolge Industriegebiete in Zentralrussland ⁠mit Drohnen an. Ziele seien unter anderem Industriegebiete um Newinnomyssk in der ​südlichen Region Stawropol gewesen, wo sich eine große ⁠Chemiefabrik befindet. Auch die ‌Region Nischni Nowgorod war wieder betroffen. Dort betreibt der Ölkonzern Lukoil eine Raffinerie. Auch über ⁠den Regionen Leningrad, ⁠Moskau, Tula und Belgorod wurden Drohnen gemeldet, berichteten ⁠russische ​Medien. Das Verteidigungsministerium ⁠in Moskau teilte mit, ​es seien 273 Flugkörper abgeschossen worden.

EU erwägt laut Bericht Merkel oder Draghi für Gespräche mit Putin In der Europäischen Union laufen laut „Financial ⁠Times“ auf Regierungsebene Gespräche, ob die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel oder der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, die EU in möglichen Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vertreten könnten. Die Zeitung ‌beruft sich auf mit der Sache vertraute Personen. Demnach wollen die EU-Außenminister in der kommenden Woche bei einem Treffen auf Zypern besprechen, wer sich für solche Gespräche empfehlen würde.

Putin sichert China Energielieferungen zuDer russische Präsident Wladimir Putin hat beim Treffen mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping die Bedeutung seines Landes als verlässlicher Energielieferant in Krisenzeiten hervorgehoben. „Vor dem Hintergrund der Krise im Nahen Osten behält Russland weiterhin seine Rolle als zuverlässiger Lieferant von Rohstoffen bei, während China als verantwortungsbewusster Abnehmer dieser Rohstoffe auftritt“, sagte Putin zum Auftakt. Er lud Xi auch zum Gegenbesuch 2027 nach Russland ein.

Xi berät sich mit Putin in PekingRusslands Präsident Wladimir Putin und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping haben zum Auftakt ihres Treffens in Peking die enge Zusammenarbeit zwischen ihren Ländern hervorgehoben. Trotz „ungünstiger äußerer Umstände“ zeichnete sich die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder durch „eine starke, positive Dynamik“ aus, sagte Putin am Mittwoch zu Xi in der Großen Halle des Volkes, wie Aufnahmen russischer Medien zeigten. „Unsere Beziehungen haben heute ein beispiellos hohes Niveau erreicht.“Xi sagte laut der Nachrichtenagentur Xinhua, China und Russland sei es gelungen, die strategische Zusammenarbeit „immer weiter zu vertiefen, mit unerschütterlicher Beharrlichkeit, die tausend Prüfungen standgehalten hat“.Putin war am Dienstagabend (Ortszeit) in Peking eingetroffen. Am Mittwoch empfing Xi den Kreml-Chef vor der Großen Halle des Volkes in Peking. Die beiden Staatschefs schritten gemeinsam über einen roten Teppich, anschließend spielte eine Militärkapelle die Nationalhymnen beider Länder. 

Lettland protestiert gegen Desinformation aus Moskau Lettland wirft Russland massive Desinformation über die jüngsten Drohnenvorfälle in den baltischen Staaten vor. Demnach behauptet Moskau, Estland, Lettland und Litauen ließen zu, dass ihr Territorium für ukrainische Angriffe gegen Russland genutzt werde. Dies wurde von der lettischen Staatsführung entschieden zurückgewiesen. Das Außenministerium des EU- und NATO-Mitglieds bestellte zudem einen Vertreter der russischen Botschaft ein und überreichte eine Protestnote.„Russland verbreitet seit einigen Wochen die Lüge, die baltischen Staaten und Finnland würden unseren Luftraum für ukrainische Angriffe zur Verfügung stellen“, sagte Außenministerin Baiba Braze nach einem Treffen mit ihrer kanadischen Amtskollegin Anita Anand. Dies stimme nicht und sei russischen Vertretern durch Einbestellung ins Außenamt aber auch über andere Quellen mitgeteilt worden. „Heute wurde eine neue Lüge vom russischen Auslandsgeheimdienst verbreitet, die wir entschieden zurückgewiesen und widerlegt haben.“ 

Selenskyj genehmigt neue Angriffspläne  Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach eigenen Angaben Pläne für Angriffe im Juni im Abwehrkampf der Ukraine gegen die russische Invasion genehmigt. Dieser Monat habe eine Veränderung der Dynamik zugunsten der Ukraine gebracht, sagte er in einer abendlichen Videoansprache. Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj und Generalstabschef Andrij Hnatow hatten ihm demnach Bericht erstattet. Die Ukraine halte ihre Stellungen besser und unternehme mehr Angriffe, sagte Selenskyj. Als besonders bedeutend beschrieb er Gegenangriffe Kiews mit Drohnen im russischen Hinterland. Sie hätten im Mai ihre Wirksamkeit gezeigt und müssten nun kreativ weiterentwickelt werden, sagte Selenskyj.

Russischer Diplomat droht baltischen Staaten Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja wirft der Ukraine vor, ​militärische Drohnen von Lettland und anderen baltischen Staaten aus starten zu wollen. Eine NATO-Mitgliedschaft werde diese Länder nicht vor Vergeltung schützen, warnt er vor dem UN-Sicherheitsrat. Kiew habe bereits Drohneneinheiten nach Lettland entsandt. ⁠Die lettische UN-Gesandte Sanita Pavluta-Deslandes weist die Äußerungen umgehend als frei erfunden zurück. Die stellvertretende US-Botschafterin Tammy Bruce erklärt, die UN seien kein Forum für Drohungen gegen ein Ratsmitglied. Die USA würden all ihren NATO-Verpflichtungen nachkommen. Lettland ist gegenwärtig ein nicht-ständiges Mitglied im Sicherheitsrat. 

Putin in Peking eingetroffenWenige Tage nach US-Präsident Donald Trump ist Kremlchef Wladimir Putin zu einem Besuch in China eingetroffen. Putin werde von einer Delegation aus Ministern und Managern von staatlichen und privaten Konzernen begleitet, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Bei den Gesprächen auf Einladung von Chinas Staatschef Xi Jinping gehe es um einen Ausbau der privilegierten strategischen Partnerschaft beider Länder.  Putin sagte in einem vor der Abreise aufgenommenen Video, er freue sich, erneut China zu besuchen. Insbesondere führe auch die noch neue Visafreiheit zu engeren Kontakten zwischen den Menschen. Putin hob zudem hervor, dass das Handelsvolumen auf mehr als 200 Milliarden US-Dollar gewachsen sei. China ist der wichtigste Handelspartner für die Energiemacht Russland. Bundeskanzler Friedrich Merz hofft darauf, dass Xi auf den russischen Staatschef einwirkt, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. „Wir erwarten jetzt nicht einen grundlegenden Wechsel in den strategischen Beziehungen zwischen Russland und China“, sagte Merz nach einem Treffen mit dem Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin in Berlin. „Aber wir verbinden natürlich mit diesem Besuch die Hoffnung, dass Präsident Xi auch auf Präsident Putin einwirkt, diesen Krieg in der Ukraine zu beenden, den er nicht gewinnen kann.“ Russland will über den Bau der neuen Gaspipeline „Sila Sibirii 2“ sprechen, die über die Mongolei nach China führen soll. Russland will seine bisher schon massiven Gaslieferungen durch die „Sila Sibirii 1“ mit einer neuen Leitung noch deutlich ausbauen. China gehört auch zu Russlands wichtigsten Ölkunden.