FAZ 05.06.2026
10:44 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: London warnt wegen vermehrter russischer Luftraumverletzungen


Britischer Armeechef: Russland riskiert Grenze zu überschreiten +++ Tote nahe Kiew nach Drohnenangriffen +++ Selenskyj schlägt persönliches Treffen mit Putin vor +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: London warnt wegen vermehrter russischer Luftraumverletzungen

Tote nahe Kiew nach DrohnenangriffBei einem russischen Drohnenangriff sind im Kreis Browary nahe der ukrainischen Hauptstadt Kiew mindestens vier Menschen getötet worden. Sieben weitere seien verletzt worden, schrieb der Gouverneur der Region Kiew, Mykola Kalaschnyk, auf Telegram. Russland habe ein Unternehmen der Lebensmittelindustrie attackiert. Bei den Opfern handelt es sich demnach um Mitarbeiter. Teile des Gebäudes seien zerstört, es sei zu einem Brand gekommen, schrieb er weiter. Unter den Trümmern könnten sich noch zwei weitere Menschen befinden. 

Feuerpause in der Nähe des Akw Saporischschja für ReparaturenEine von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ausgehandelte ⁠Feuerpause zwischen Russland und der Ukraine in der Nähe des südukrainischen Atomkraftwerkes Saporischschja ist in Kraft getreten. Dies ebne den Weg für dringend notwendige Reparaturen an der Stromleitung zum Akw, teilt ‌die IAEA mit. Die Reparaturen seien erforderlich, um die Gefahr eines atomaren Unfalles zu verhindern. Techniker beider Seiten würden in den nächsten Tagen mit den Arbeiten beginnen. Das Akw ‌mit seinen sechs Reaktoren ist ‌das größte Europas. Im März 2022, kurz nach Beginn der groß angelegten russischen Invasion der Ukraine, brachten russische Truppen das Atomkraftwerk unter ihre Kontrolle. Immer wieder kam es rund um das nahe der ​Front gelegene Akw zu Kämpfen, auch auf ⁠dem Gelände selbst schlugen wiederholt Geschosse ein und verursachten Schäden. Das Akw ist aus Sicherheitsgründen nicht in Betrieb. In der ​Anlage befindet sich allerdings radioaktives Material.

US-Repräsentantenhaus trotzt Trump und stimmt für Ukraine-HilfenDas US-Repräsentantenhaus hat am Donnerstag für neue Hilfen für ​die Ukraine und Sanktionen gegen Russland gestimmt. Der sogenannte „Ukraine Support Act“ ⁠passierte die Kammer mit 226 zu 195 Stimmen. Dabei schlossen sich 18 Republikaner und ein Unabhängiger den Demokraten an. Dies gilt als Zeichen ‌dafür, dass einige Parteikollegen von US-Präsident Donald Trump bereit sind, sich gegen ihn und die Führung der Republikaner zu stellen. Der Gesetzentwurf sieht ‌unter anderem Hilfen ‌in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar sowie direkte Kredite von bis zu acht Milliarden Dollar für die Regierung in Kiew vor. Zudem sollen strenge ​Sanktionen und Exportkontrollen gegen russische Finanzinstitute, ⁠den Öl- und Bergbausektor sowie Regierungsvertreter verhängt werden. Die ukrainische Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna, bezeichnete ​die Entscheidung auf X als wichtigen Schritt nach vorn, der die ⁠anhaltende überparteiliche Unterstützung für ‌ihr Land zeige. 

Wadephul an Putin: Über Ukraine mit Europäern verhandeln Außenminister Johann Wadephul ruft Wladimir Putin mit eindringlichen Worten zu Verhandlungen über eine Friedenslösung in der Ukraine auf - unter Beteiligung der Europäer. Er appellierte beim Treffen mit seinem Kollegen Roberto Velasco in Mexiko-Stadt an den russischen Präsidenten: 

Selenskyj schlägt persönliches Treffen mit Putin vor Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einem offenen Brief an Wladimir Putin ein persönliches Treffen mit dem russischen Staatschef vorgeschlagen. „Die Ukraine schlägt vor, diesen Krieg durch einen direkten Austausch zwischen Ihnen und uns zu beenden. Ich schlage ein Treffen vor“, schrieb Selenskyj in dem Brief, der am Donnerstag auf der Website der ukrainischen Präsidentschaft veröffentlicht wurde.„Die Ukraine ist für eine vollständige Waffenruhe für die Dauer der Verhandlungen bereit“, fuhr Selenskyj fort. Er schlug zudem einen Austausch aller Kriegsgefangenen vor und erklärte, dies könne ein „guter Auftakt zur Beendigung des Krieges“ sein.Die Mehrheit der Russen sei der ukrainischen Raketen- und Drohnenangriffe, der Inflation und der Treibstoffknappheit überdrüssig und bereit für den Frieden. Sollte Putin nicht zu dem Schluss kommen, dass es Zeit für ein Kriegsende sei, werde die Ukraine weiter um ihre ‌Existenz kämpfen. Dies könne Putins Machtposition gefährden. „Es ist eine Tatsache in der russischen Geschichte, die Sie gut kennen: Wenn Russland müde wird, steht ein Wandel bevor“, heißt es in dem Schreiben.Der Kreml erklärte als Reaktion auf Selenskyjs Brief, der ukrainische Präsident könne „jederzeit nach Moskau kommen“. Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow fügte hinzu, der Brief sei Putin noch nicht gezeigt worden.Der Brief ist einer der wenigen Fälle, in denen Selenskyj sich seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 direkt an Putin gewandt hat. Von den USA vermittelte Verhandlungen liegen derzeit wegen des Irankriegs praktisch auf Eis.

Putin: Wir müssen die Luftabwehr verbessernWährend Wladimir Putins „Internationalen Wirtschaftsforums“ in Sankt Petersburg trifft der russische Herrscher traditionell die Leiter mehrerer Nachrichtenagenturen aus aller Welt. Auch in diesem Jahr. Ein naheliegendes Thema war der ukrainische Drohnenangriff, der am Mittwochmorgen kurz vor der Eröffnung des Forums ein Ölterminal im Hafen von Petersburg in Brand gesetzt sowie nach ukrainischen Angaben eine Explosion auf einem Kriegsschiff auf der Insel Kronstadt verursacht hat. „Russland hat ein Luftabwehrsystem\", sagte Putin dazu am Donnerstag. „Ja, wir müssen es verbessern. Ja, wir müssen es stärken. Und das werden wir tun.“ Putin relativierte zudem den in der Vergangenheit noch von ihm selbst gefeierten Einsatz der Mittelstreckenrakete Oreschnik gegen Ziele in der Ukraine. Die Waffe sei noch nicht „im ganzen Sinne des Wortes“ eingesetzt worden, sagte er nun. Zum ersten Mal überhaupt war die Oreschnik im November 2024 gegen ein Rüstungswerk in der Stadt Dnipro eingesetzt worden, im Januar dieses Jahres dann gegen einen Gasspeicher nahe Lemberg (Lwiw) sowie am 24. Mai gegen die Stadt Bila Zerkwa nahe Kiew und, wie schon zuvor vermutet wurde, im ostukrainischen Donezker Gebiet.Letzteren Einsatz bestätigte Putin nun erstmals, äußerte sich aber nicht zu der Vermutung von Beobachtern, diese zweite Oreschnik könne über russisch kontrolliertem Gebiet niedergegangen sein. Bei allen Einsätzen waren die Raketen ohne Sprengladung oder nur mit Übungsmunition eingesetzt worden und hatten allein aufgrund ihrer Bewegungsenergie Schäden am Boden angerichtet.Oreschnik abgefeuert, um zu prüfen, „wie die Raketenblöcke liegen“Fachleute haben in der Vergangenheit die Überzeugung geäußert, eine volle Beladung könne die Zielgenauigkeit der, wie Putin immer wieder beteuert, nuklearfähigen Rakete beeinträchtigen. Offenkundig mit Blick auf Bilder einiger zerstörter Garagen in Bila Zerkwa, die Ende Mai bitteren Spott der russischen Kriegsblogger zur Folge hatten, sagte Putin, man habe die Oreschnik ganz bewusst auf „einen Schuppen“ abgefeuert, um zu prüfen, „wie die Raketenblöcke liegen“. Er behauptete, dass die Folgen dieses Angriffs anschließend von Drohnen aufgezeichnet worden seien. Dies sei notwendig gewesen, um Entscheidungen über den weiteren Einsatz der Oreschnik zu treffen. Die Kosten einer einziger dieser Raketen werden auf einen hohen zweistelligen Euro-Millionenbetrag geschätzt. 

Ukraine sieht Waffenexport langfristig als EinnahmequelleDie Ukraine strebt eine stärkere Orientierung ihrer Rüstungsindustrie auf den Export an. „Der Waffenexport soll zu einer dauerhaften Quelle wirtschaftlicher Stärke für die Ukraine werden“, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Videobotschaft. Sicherheitsrat, Verteidigungsministerium und Parlament sollen demnach unter Berücksichtigung des eigenen Waffenbedarfs unverzüglich die gesetzliche Basis für eine Waffenausfuhr ausarbeiten. Gleichzeitig hofft Selenskyj noch im Juni auf den Erhalt erster Gelder aus einem Kredit der Europäischen Union über 90 Milliarden Euro, die auch für Rüstungszwecke verwendet werden sollen. 

Ukraine: Tote nach russischem Angriff im Gebiet Sumy Bei einem russischen Angriff auf das grenznahe nordostukrainische Gebiet Sumy sind nach ukrainischen Angaben mindestens zwei Menschen getötet worden. Vier verletzte Frauen seien in Krankenhäuser gebracht worden, teilte Militärgouverneur Oleh Hryhorow bei Telegram mit. Zu den näheren Umständen der Attacke machte er keine Angaben. Die betroffene Siedlung Jampil ist nur etwa 20 Kilometer von der russischen Grenze entfernt.

Tschechischer Ministerpräsident schlägt Merz als Verhandler mit Moskau vorDer tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš hat Bundeskanzler Friedrich Merz ​als Unterhändler mit Moskau vorgeschlagen. „Merz soll die EU in allen Gesprächen mit Russland über die Ukraine vertreten“, zitierte die Nachrichtenagentur CTK  Babiš. In deutschen Regierungskreisen hatte es am Mittwoch geheißen, dass sich ein ⁠Fenster für Gespräche mit Russland öffne, es bis dahin aber noch Monate dauern werde. Deutschland wolle keinen Alleingang, die E3 mit Frankreich und Großbritannien werde eine wichtige Rolle spielen, hieß es.

Deutschland treibt Änderung in der EU voranDeutschland und weitere EU-Staaten wollen ukrainischen Männern im wehrfähigen Alter künftig keinen besonderen Schutzstatus mehr gewähren. Diese müssten dann entweder Asyl beantragen oder in ihr Land zurückkehren. Unter dieser Bedingung sei man bereit, den Sonderstatus für Ukrainer, der bis Anfang März 2027 gilt, noch einmal um ein Jahr zu verlängern, sagte Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Donnerstag vor Beratungen mit seinen EU-Kollegen in Luxemburg. EU-Innenkommissar Magnus Brunner hielt einen Konsens in dieser Frage für wahrscheinlich und stellte einen entsprechenden Vorschlag in Aussicht. Die Diskussion sei in diese Richtung gelaufen, sagte ein Diplomat. Ein Beschluss wird für Juli angestrebt.Ukrainer genießen seit Kriegsbeginn 2022 ein Aufenthaltsrecht in der EU ohne individuelle Prüfung; sie haben Zugang zum Arbeitsmarkt, zu Bildung, zu Sozialleistungen und medizinischer Versorgung. Die Ausnahme würde für Männer zwischen 23 und 60 Jahren gelten, wie Brunner erläuterte. Seit August vergangenen Jahres dürfen Männer im Alter von bis zu einschließlich 22 Jahren die Ukraine legal verlassen. Für ältere gilt eine Beschränkung, von 25 Jahren an greift die Wehrpflicht. Die Gesetzesänderung hatte zu einem erhöhten Zustrom junger ­Ukrainer in die EU-Staaten geführt.Aus informierten Kreisen hieß es, dass die Beschränkung nur für Ukrainer gelten werde, die neu in die EU kommen. Wenn man die Regelung auf Personen anwenden würde, die schon dort leben, führte dies zu Zehntausenden neuen Asylverfahren. Allein in Polen sollen sich nach Angaben von Diplomaten mindestens 100.000 Ukrainer im wehrfähigen Alter aufhalten.

EU-Länder erwägen Ende des Schutzstatus für Ukrainer in wehrfähigem Alter Die EU-Innenminister erwägen, ukrainische Männer im wehrfähigen Alter von einer Regelung für einen automatischen Anspruch auf Schutz in der EU auszuschließen. Mehrere Ressortleiter, darunter Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), sprachen sich bei einem Treffen in Luxemburg am Donnerstag dafür aus, Ukrainer im Alter zwischen 23 und 60 Jahren künftig nicht mehr unter eine entsprechende Regelung fallen zu lassen. Widerspruch kam aus den baltischen Staaten. „Wir können uns vorstellen, die Massenzustromrichtlinie zu verlängern“, sagte Dobrindt mit Verweis auf den entsprechenden EU-Mechanismus. Deutschland habe aber „Zweifel“ daran, „dass Ukrainer im wehrpflichtigen Alter darunter zu sehen sind“. Der österreichische Innenminister Gerhard Karner betonte, er sei „sehr stark dafür, dass man den Automatismus beendet“, wenn es „um Männer im wehrfähigen Alter geht“. EU-Innenkommissar Magnus Brunner sagte, er gehe davon aus, dass es in dieser Frage „einen Konsens geben könnte“. Die sogenannte Massenzustromrichtlinie ermöglicht es EU-Staaten, Geflüchteten ohne individuelles Asylverfahren sofortigen Schutz zu gewähren. Damit können die Geflüchteten auch einer Arbeit nachgehen. Dieser temporäre Schutzstatus für Geflüchtete aus der Ukraine war zuletzt bis März 2027 verlängert worden. Die EU-Kommission will in Kürze einen Vorschlag für eine weitere Verlängerung vorlegen. Der estnische Innenminister Igor Taro sprach sich für eine Verlängerung des temporären Schutzes in seiner jetzigen Form aus. Dies sei „die geeignetste Lösung“ im Einklang mit dem Grundsatz, dass „wir an der Seite der Ukraine stehe, solange es nötig ist“, betonte Taro. Etwaige Änderungen sollten mit der Ukraine besprochen werden. 

Ukrainische Drohnenangriffe: Russland gibt Rückgang bei Ölförderung zuNach ukrainischen Drohnenangriffen auf Anlagen der russischen Ölindustrie hat Moskaus Regierung einen Rückgang der vereinbarten Ölfördermengen zugegeben. „Jetzt ist die Förderung tatsächlich etwas niedriger als zu Beginn des Jahres“, sagte der russische Vizeregierungschef Alexander Nowak beim Sankt Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum. „Das rührt daher, dass bei uns einige Ölförderbetriebe unplanmäßige Reparaturen durchlaufen“, erklärte er. Den Grund für diese Reparaturen nannte er aber nicht.Nowak sagte, dass die intakte Infrastruktur derzeit maximal ausgelastet werde. Die Firmen seien dabei, ihre Produktion auf das frühere Niveau zu bringen. Zu der von vielen Russen beklagten Erhöhung der Kraftstoffpreise meinte Nowak, dass die Lage auf dem Markt unter Kontrolle sei. An den meisten Tankstellen liege der Preis im Bereich der Inflation, sagte Nowak. Dagegen führten russische Medien auf, wo das überall nicht der Fall ist und die Preissprünge bei über zehn Prozent liegen. 

Ukraine: Haben Schießpulverfabrik in russischem Rjasan angegriffen Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben eine Schießpulverfabrik in der russischen Oblast Rjasan angegriffen. Als Folge des Angriffes sei ⁠ein Feuer ausgebrochen, das eine Fläche von 400 Quadratmetern umfasse, teilte der ukrainische Generalstab auf Telegram mit. Rjasan liegt nicht an der Grenze zur Ukraine, sondern weiter im Landesinneren und südlich von Moskau.