FAZ 05.06.2026
20:22 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Kreml: „Gutes und freundschaftliches“ Gespräch zwischen Putin und Schröder


Kremlchef und Altkanzler sollen unter vier Augen gesprochen haben +++ Putin lehnt Treffen mit Selenskyj ab +++ Kremlchef: „Ich sehe darin noch keinen Sinn“ +++ Fünf Aserbaidschaner durch Drohnenangriff getötet +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Kreml: „Gutes und freundschaftliches“ Gespräch zwischen Putin und Schröder

Wadephul sagt Ukraine unerschütterliche Unterstützung zuAußenminister Johann Wadephul sagt der Ukraine nach der Absage von Kremlchef Wladimir Putin an ein Verhandlungsangebot seines ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj unverbrüchliche Unterstützung zu. Man nehme die jüngsten Aussagen von Putin zur Kenntnis und ziehe „daraus die einzig richtige und notwendige Konsequenz: Unsere Unterstützung für die Ukraine ist und bleibt unerschütterlich“, sagte der CDU-Politiker am Rande seines Besuchs in Mexiko-Stadt vor Journalisten.

Selenskyj: Putins Absage zeigt mangelnden FriedenswillenDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wertet die Absage des russischen Präsidenten Wladimir Putin an ein Treffen zur Beilegung des Konflikts als Zeichen, dass der Kreml den Krieg nicht beenden will. „Leider entscheidet sich die russische Seite einmal ​mehr für den Krieg“, sagt Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Alle hätten die schwache Antwort gehört. „Ich denke, diese Antwort wird viele Menschen weltweit enttäuscht haben“, fügt er hinzu.

IAEA: Russische Soldaten nahe dem Atomkraftwerk Saporischschja verletztBei einem Zwischenfall nahe dem ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja wurden nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) russische Soldaten verletzt. Der Vorfall habe sich während der Minenräumung im Rahmen einer lokalen Waffenruhe ereignet. Russland ​warf der Ukraine vor, die von der IAEA vermittelte Feuerpause mit einem Angriff gebrochen zu haben. Die ukrainische Seite teilte der Behörde hingegen mit, sie halte an der Vereinbarung fest. IAEA-Chef Rafael Grossi rief zu maximaler militärischer Zurückhaltung und der vollständigen Einhaltung der Waffenruhe auf.

Putin lehnt Treffen mit Selenskyj abDer russische Präsident Wladimir Putin hat das in einem offenen Brief vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj angebotene direkte Treffen abgelehnt. „Ich sehe darin noch keinen Sinn“, sagte der Kremlchef auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Vor einem solchen Gipfeltreffen müssten erst Vereinbarungen für eine dauerhafte Lösung des seit 2022 währenden Krieges getroffen werden. Das am Vortag von Kiew veröffentlichte Schreiben enthalte zudem „Elemente von Unverschämtheit“, erklärte Putin.Die beste Antwort auf den Brief sei ein Aufruf an das russische Militär: „An die Arbeit, Brüder!“ Putin erklärt immer wieder, dass die russischen Kriegsziele auch durch eine Fortsetzung der Kampfhandlungen erreicht werden könne, wenn es nicht auf diplomatischem Weg gehe. Tags zuvor hatte Selenskyj Putin für ein Ende des Ukrainekrieges direkte Friedensgespräche in einem Drittstaat angeboten. In dem Schreiben spielte der 48-Jährige unter anderem auf das hohe Alter des 73-jährigen Kremlchefs an und betonte jüngste ukrainische Erfolge bei Drohnenangriffen auf Ziele im russischen Hinterland.

Ukrainische Drohne explodierte im rumänischen Hafen Constanța Bei der Drohne, die am Freitagvormittag im rumänischen Hafen Constanța explodierte, handelte es sich um ein fehlgeleitetes ukrainisches Modell. Das bestätigte ein ukrainischer Außenamtssprecher in Kiew auf der Plattform X. Nach Angaben des rumänischen Verteidigungsministeriums wurde niemand verletzt oder getötet, als sich das mit Sprengstoff beladene unbemannte Seefahrzeug selbst in die Luft sprengte. Nach Darstellung des ukrainischen Sprechers sei die Drohne infolge von russischen Störsignalen unsteuerbar geworden und von ihrem Weg abgekommen. Die ukrainische Marine habe die rumänischen Partner rechtzeitig verständigt. Die Behörden in Constanța gaben Alarm und veranlassten die Räumung des Hafens am Schwarzen Meer, nachdem die Seedrohne entdeckt worden war. Die Explosion erfolgte, als das rumänische Militär dabei war, sie unschädlich zu machen, hieß es in der Mitteilung des Verteidigungsministeriums. Drohnen dieser Art würden sich selbst in die Luft sprengen, wenn sie die Verbindung zu ihrem Drohnenoperator verlieren, zitierte die Nachrichtenagentur Mediafax einen Militärfachmann. Durch die Explosion entstanden Schäden an einer Lagerhalle und an einem Schiff, sagte der Präfekt des Kreises Constanța, Adrian Picoiu, zu Mediafax. 

Macron, Starmer, Merz und Selenskyj beraten am Sonntag in LondonDer französische Präsident Emmanuel Macron reist am Sonntag zu Gesprächen mit dem britischen Premierminister Keir Starmer, Bundeskanzler Friedrich Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach ​London. Das teilte der Elysée-Palast mit. Das Treffen dient demnach der engen Abstimmung über die weitere Unterstützung der Ukraine und den Druck auf Russland.

Moskauer Prozess gegen Satiriker Tilly geht weiter Im April war der Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly in Moskau in Abwesenheit zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden – jetzt kündigt sich ein Revisionsprozess an. Das Auswärtige Amt habe ihn informiert, dass für Dienstag eine Verhandlung angesetzt sei, sagte Tilly der Deutschen Presse-Agentur. Ob die Staatsanwaltschaft oder die Verteidigung die Revision beantragt habe, wisse er nicht. Die „Rheinische Post“ hatte zuvor berichtet. Das Gericht in Moskau hatte im April geurteilt, dass Tilly sich mit seinen Darstellungen im Düsseldorfer Rosenmontagszug der Verletzung religiöser Gefühle und der Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte schuldig gemacht habe. Tilly hatte Kremlchef Wladimir Putin und den von ihm befohlenen Krieg in der Ukraine immer wieder satirisch angeprangert. Auch der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill wurde verspottet.Tilly sagte, er sei eigentlich davon ausgegangen, dass die Angelegenheit mit dem Urteil erledigt gewesen sei. Nun lasse er sich überraschen, was am Dienstag geschehen werde. Er sei bis heute nicht von dem Moskauer Gericht informiert worden und habe auch keinen Kontakt zur Verteidigung. Mit der Verurteilung müsse er leben, und das gelinge auch ganz gut. „Worauf ich keinen Einfluss habe, das interessiert mich nicht besonders“, sagte Tilly. „Ich habe keine Handlungsoption.“ Es gehöre zum Geschäft des Satirikers, dass man ab und zu auch sehr harte Reaktionen bekomme. „Das ist eingepreist. Ich nehm’s eher gelassen – wie soll ich’s sonst nehmen?“

Gefangenenaustausch zwischen Moskau und KiewRussland und die Ukraine haben am Freitag wieder Kriegsgefangene ausgetauscht. Laut der Nachrichtenagentur RIA Nowosti teilte das russische Verteidigungsministerium mit, dass 185 Soldaten nach Russland zurückgebracht worden seien. Im Gegenzug seien 185 ukrainische Kriegsgefangene übergeben worden. Demnach kam der Austausch durch die Vermittlung der Vereinigten Arabischen Emirate zustande. 

Nach der Initiative des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für direkte Friedensgespräche mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin soll es in den kommenden Tagen ein weiteres Spitzentreffen führender europäischer Politiker mit Selenskyj geben. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte am Rande eines EU-Westbalkan-Gipfels in Montenegro, es gebe eine enge Abstimmung zwischen Frankreich, Großbritannien und Deutschland. In einigen Tagen werde man sich mit Selenskyj sehen. Bundeskanzler Friedrich Merz, Großbritanniens Premier Keir Starmer und Macron hatten sich zuletzt vor rund zwei Wochen in einer Videokonferenz ausgetauscht. 

EU und Bundesregierung begrüßen Selenskyjs Brief an PutinDie EU hat den Aufruf des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an Russlands Staatschef Wladimir Putin begrüßt, Direktverhandlungen über eine Waffenruhe zu führen. „Wir begrüßen Präsident Selenskyjs Aufruf zu direkten Verhandlungen sowie die Forderung nach einem Waffenstillstand – und unsererseits werden wir noch einmal die Fakten darlegen, nämlich dass die Ukraine Frieden will und Europa Frieden will“, sagte EU-Sprecherin Anitta Hipper am Freitag in Brüssel.Auch die Bundesregierung äußerte sich zustimmend: „Grundsätzlich begrüßen wir den Brief Selenskyjs“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille in Berlin. Zugleich pochte er auf eine „wichtige Rolle“ für die europäischen Staaten. „Es darf keine Entscheidung über die Köpfe der Ukraine geben, aber es darf aus unserer Sicht auch keine Entscheidung ohne die Europäer geben“, fügte Hille hinzu. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte, Selenskys Brief sei eine „gute Initiative“. Jetzt sei der Zeitpunkt, um über die „erneute Organisation eines Dialogs über eine Waffenruhe und Frieden“ zu sprechen, sagte Macron beim EU-Westbalkangipfel in Montenegro.

Seedrohne im rumänischen Hafen Constanța explodiertIn dem rumänischen Schwarzmeerhafen Constanța ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums am Freitagvormittag eine Seedrohne explodiert; es seien keine Personen zu Schaden gekommen. Es handelte sich demnach um einen Drohnentyp, der auch im Ukrainekrieg verwendet wird. Von wem das unbemannte Wasserfahrzeug stammen könnte, geht aus den Angaben nicht hervor. Das Ministerium erklärte aber, dass es nicht der rumänischen Armee gehöre. Bereits vor der Explosion sei das Gebiet von Kräften des rumänischen Geheimdienstes, der Küstenwache und des Verteidigungsministeriums abgesperrt worden. Der Vorfall werde untersucht, hieß es. Wie das Nachrichtenportal Digi24 berichtete, seien später drei weitere unbemannte Boote vor der Küste entdeckt worden.Nach der Drohnenexplosion warnte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor einer Bedrohung für alle Länder an der EU-Ostgrenze. „Unsere ​Solidarität mit jedem Mitgliedstaat, der diesen Bedrohungen ausgesetzt ist, ist absolut“, erklärte sie auf der Plattform X.

Drohnenangriff auf FrachtschiffeBei einem Drohnenangriff auf zwei Frachtschiffe im Asowschen Meer sind nach Angaben der aserbaidschanischen Regierung fünf Aserbaidschaner getötet worden. Drei weitere Aserbaidschaner seien verletzt worden, erklärte das Außenministerium in Baku am Freitag unter Berufung auf eine Mitteilung aus Russland. Laut russischen Staatsmedien machte der russische Vize-Außenminister Michail Galusin die Ukraine für den Vorfall verantwortlich. Auf eine Frage zu den in der Bucht von Taganrog getroffenen Schiffen antwortet das Ministerium in Baku, dass sich unter den Besatzungen insgesamt 25 aserbaidschanische Staatsbürger ⁠befänden, die Schiffe aber nicht zu Aserbaidschan gehörten. Die bei dem Angriff Verletzten seien in ein Krankenhaus in der russischen Stadt Jejsk am Asowschen Meer gebracht worden. Das Asowsche Meer ist Teil des Schwarzen Meeres, mit dem es über die Straße von Kertsch verbunden ist.Der Kommandeur der Drohnenstreitkräfte der ukrainischen Armee, Robert Browdi, erklärte im Onlinedienst Telegram, in der Nacht zum Freitag „fünf Schiffe getroffen zu haben, die sich illegal in den Häfen von Mariupol und Berdjansk“ in von Russland besetztem ukrainischem Gebiet aufgehalten hätten.

Tote nahe Kiew nach DrohnenangriffBei einem russischen Drohnenangriff sind im Kreis Browary nahe der ukrainischen Hauptstadt Kiew mindestens vier Menschen getötet worden. Sieben weitere seien verletzt worden, schrieb der Gouverneur der Region Kiew, Mykola Kalaschnyk, auf Telegram. Russland habe ein Unternehmen der Lebensmittelindustrie attackiert. Bei den Opfern handelt es sich demnach um Mitarbeiter. Teile des Gebäudes seien zerstört, es sei zu einem Brand gekommen, schrieb er weiter. Unter den Trümmern könnten sich noch zwei weitere Menschen befinden. 

Britische Armee: Größte Bedrohung seit Kaltem KriegRussische Militärflugzeuge haben in den ersten fünf Monaten dieses Jahres genauso häufig den britischen Luftraum verletzt wie im gesamten vergangenen Jahr. Der Chef der britischen Streitkräfte, Luftmarschall Richard Knighton, sieht eine Bedrohungslage, die gefährlicher sei, als er sie je in seiner Dienstzeit erlebt habe. Russland riskiere, „eine Grenze zu überschreiten“. Die Risiken und Bedrohungen des Vereinigten Königreiches seien höher und größer als zu jeder anderen Zeit seit dem Ende des Kalten Krieges. Knighton sagte dem Sender BBC, Russland fordere sowohl die „traditionellen militärischen Verteidigungsfähigkeiten“ Großbritanniens heraus, wende aber auch andere Mittel an, etwa „Cyberangriffe, Sabotage oder Attentatsversuche“.Der Chef der britischen Streitkräfte terminierte seine Warnung auf einen Zeitpunkt kurz vor der erwarteten Bekanntgabe der britischen Rüstungsausgaben für das nächste Jahrzehnt. Der „Plan für Verteidigungs-Investitionen“, der die militärische Beschaffung für das kommende Jahrzehnt regelt, hätte schon im Herbst letzten Jahres publiziert werden sollen und soll nun vor dem NATO-Gipfel Anfang Juli veröffentlicht werden. Zwar hat die britische Labour-Regierung allgemein eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf zunächst drei Prozent der Wirtschaftsleistung versprochen, doch sind in den vergangenen Monaten an vielen Stellen dramatische Investitionslücken bei der Armee, der Royal Navy und der Royal Air Force aufgetreten.