FAZ 05.06.2026
15:15 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Fünf Aserbaidschaner durch Drohnenangriff getötet


Angriff auf zwei Frachtschiffe im Asowschen Meer +++ Moskauer Prozess gegen Satiriker Tilly geht weiter +++ London warnt wegen vermehrter russischer Luftraumverletzungen +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Fünf Aserbaidschaner durch Drohnenangriff getötet

Ukrainische Drohne explodierte im rumänischen Hafen Constanța Bei der Drohne, die am Freitagvormittag im rumänischen Hafen Constanța explodierte, handelte es sich um ein fehlgeleitetes ukrainisches Modell. Das bestätigte ein ukrainischer Außenamtssprecher in Kiew auf der Plattform X. Nach Angaben des rumänischen Verteidigungsministeriums wurde niemand verletzt oder getötet, als sich das mit Sprengstoff beladene unbemannte Seefahrzeug selbst in die Luft sprengte. Nach Darstellung des ukrainischen Sprechers sei die Drohne infolge von russischen Störsignalen unsteuerbar geworden und von ihrem Weg abgekommen. Die ukrainische Marine habe die rumänischen Partner rechtzeitig verständigt. Die Behörden in Constanța gaben Alarm und veranlassten die Räumung des Hafens am Schwarzen Meer, nachdem die Seedrohne entdeckt worden war. Die Explosion erfolgte, als das rumänische Militär dabei war, sie unschädlich zu machen, hieß es in der Mitteilung des Verteidigungsministeriums. Drohnen dieser Art würden sich selbst in die Luft sprengen, wenn sie die Verbindung zu ihrem Drohnenoperator verlieren, zitierte die Nachrichtenagentur Mediafax einen Militärfachmann. Durch die Explosion entstanden Schäden an einer Lagerhalle und an einem Schiff, sagte der Präfekt des Kreises Constanța, Adrian Picoiu, zu Mediafax. 

Macron, Starmer, Merz und Selenskyj beraten am Sonntag in LondonDer französische Präsident Emmanuel Macron reist am Sonntag zu Gesprächen mit dem britischen Premierminister Keir Starmer, Bundeskanzler Friedrich Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach ​London. Das teilte der Elysée-Palast mit. Das Treffen dient demnach der engen Abstimmung über die weitere Unterstützung der Ukraine und den Druck auf Russland.

Moskauer Prozess gegen Satiriker Tilly geht weiter Im April war der Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly in Moskau in Abwesenheit zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden – jetzt kündigt sich ein Revisionsprozess an. Das Auswärtige Amt habe ihn informiert, dass für Dienstag eine Verhandlung angesetzt sei, sagte Tilly der Deutschen Presse-Agentur. Ob die Staatsanwaltschaft oder die Verteidigung die Revision beantragt habe, wisse er nicht. Die „Rheinische Post“ hatte zuvor berichtet. Das Gericht in Moskau hatte im April geurteilt, dass Tilly sich mit seinen Darstellungen im Düsseldorfer Rosenmontagszug der Verletzung religiöser Gefühle und der Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte schuldig gemacht habe. Tilly hatte Kremlchef Wladimir Putin und den von ihm befohlenen Krieg in der Ukraine immer wieder satirisch angeprangert. Auch der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill wurde verspottet.Tilly sagte, er sei eigentlich davon ausgegangen, dass die Angelegenheit mit dem Urteil erledigt gewesen sei. Nun lasse er sich überraschen, was am Dienstag geschehen werde. Er sei bis heute nicht von dem Moskauer Gericht informiert worden und habe auch keinen Kontakt zur Verteidigung. Mit der Verurteilung müsse er leben, und das gelinge auch ganz gut. „Worauf ich keinen Einfluss habe, das interessiert mich nicht besonders“, sagte Tilly. „Ich habe keine Handlungsoption.“ Es gehöre zum Geschäft des Satirikers, dass man ab und zu auch sehr harte Reaktionen bekomme. „Das ist eingepreist. Ich nehm’s eher gelassen – wie soll ich’s sonst nehmen?“

Gefangenenaustausch zwischen Moskau und KiewRussland und die Ukraine haben am Freitag wieder Kriegsgefangene ausgetauscht. Laut der Nachrichtenagentur RIA Nowosti teilte das russische Verteidigungsministerium mit, dass 185 Soldaten nach Russland zurückgebracht worden seien. Im Gegenzug seien 185 ukrainische Kriegsgefangene übergeben worden. Demnach kam der Austausch durch die Vermittlung der Vereinigten Arabischen Emirate zustande. 

Nach der Initiative des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für direkte Friedensgespräche mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin soll es in den kommenden Tagen ein weiteres Spitzentreffen führender europäischer Politiker mit Selenskyj geben. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte am Rande eines EU-Westbalkan-Gipfels in Montenegro, es gebe eine enge Abstimmung zwischen Frankreich, Großbritannien und Deutschland. In einigen Tagen werde man sich mit Selenskyj sehen. Bundeskanzler Friedrich Merz, Großbritanniens Premier Keir Starmer und Macron hatten sich zuletzt vor rund zwei Wochen in einer Videokonferenz ausgetauscht. 

EU und Bundesregierung begrüßen Selenskyjs Brief an PutinDie EU hat den Aufruf des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an Russlands Staatschef Wladimir Putin begrüßt, Direktverhandlungen über eine Waffenruhe zu führen. „Wir begrüßen Präsident Selenskyjs Aufruf zu direkten Verhandlungen sowie die Forderung nach einem Waffenstillstand – und unsererseits werden wir noch einmal die Fakten darlegen, nämlich dass die Ukraine Frieden will und Europa Frieden will“, sagte EU-Sprecherin Anitta Hipper am Freitag in Brüssel.Auch die Bundesregierung äußerte sich zustimmend: „Grundsätzlich begrüßen wir den Brief Selenskyjs“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille in Berlin. Zugleich pochte er auf eine „wichtige Rolle“ für die europäischen Staaten. „Es darf keine Entscheidung über die Köpfe der Ukraine geben, aber es darf aus unserer Sicht auch keine Entscheidung ohne die Europäer geben“, fügte Hille hinzu. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte, Selenskys Brief sei eine „gute Initiative“. Jetzt sei der Zeitpunkt, um über die „erneute Organisation eines Dialogs über eine Waffenruhe und Frieden“ zu sprechen, sagte Macron beim EU-Westbalkangipfel in Montenegro.

Seedrohne im rumänischen Hafen Constanța explodiertIn dem rumänischen Schwarzmeerhafen Constanța ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums am Freitagvormittag eine Seedrohne explodiert; es seien keine Personen zu Schaden gekommen. Es handelte sich demnach um einen Drohnentyp, der auch im Ukrainekrieg verwendet wird. Von wem das unbemannte Wasserfahrzeug stammen könnte, geht aus den Angaben nicht hervor. Das Ministerium erklärte aber, dass es nicht der rumänischen Armee gehöre. Bereits vor der Explosion sei das Gebiet von Kräften des rumänischen Geheimdienstes, der Küstenwache und des Verteidigungsministeriums abgesperrt worden. Der Vorfall werde untersucht, hieß es. Wie das Nachrichtenportal Digi24 berichtete, seien später drei weitere unbemannte Boote vor der Küste entdeckt worden.Nach der Drohnenexplosion warnte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor einer Bedrohung für alle Länder an der EU-Ostgrenze. „Unsere ​Solidarität mit jedem Mitgliedstaat, der diesen Bedrohungen ausgesetzt ist, ist absolut“, erklärte sie auf der Plattform X.

Tote nahe Kiew nach DrohnenangriffBei einem russischen Drohnenangriff sind im Kreis Browary nahe der ukrainischen Hauptstadt Kiew mindestens vier Menschen getötet worden. Sieben weitere seien verletzt worden, schrieb der Gouverneur der Region Kiew, Mykola Kalaschnyk, auf Telegram. Russland habe ein Unternehmen der Lebensmittelindustrie attackiert. Bei den Opfern handelt es sich demnach um Mitarbeiter. Teile des Gebäudes seien zerstört, es sei zu einem Brand gekommen, schrieb er weiter. Unter den Trümmern könnten sich noch zwei weitere Menschen befinden. 

Britische Armee: Größte Bedrohung seit Kaltem KriegRussische Militärflugzeuge haben in den ersten fünf Monaten dieses Jahres genauso häufig den britischen Luftraum verletzt wie im gesamten vergangenen Jahr. Der Chef der britischen Streitkräfte, Luftmarschall Richard Knighton, sieht eine Bedrohungslage, die gefährlicher sei, als er sie je in seiner Dienstzeit erlebt habe. Russland riskiere, „eine Grenze zu überschreiten“. Die Risiken und Bedrohungen des Vereinigten Königreiches seien höher und größer als zu jeder anderen Zeit seit dem Ende des Kalten Krieges. Knighton sagte dem Sender BBC, Russland fordere sowohl die „traditionellen militärischen Verteidigungsfähigkeiten“ Großbritanniens heraus, wende aber auch andere Mittel an, etwa „Cyberangriffe, Sabotage oder Attentatsversuche“.Der Chef der britischen Streitkräfte terminierte seine Warnung auf einen Zeitpunkt kurz vor der erwarteten Bekanntgabe der britischen Rüstungsausgaben für das nächste Jahrzehnt. Der „Plan für Verteidigungs-Investitionen“, der die militärische Beschaffung für das kommende Jahrzehnt regelt, hätte schon im Herbst letzten Jahres publiziert werden sollen und soll nun vor dem NATO-Gipfel Anfang Juli veröffentlicht werden. Zwar hat die britische Labour-Regierung allgemein eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf zunächst drei Prozent der Wirtschaftsleistung versprochen, doch sind in den vergangenen Monaten an vielen Stellen dramatische Investitionslücken bei der Armee, der Royal Navy und der Royal Air Force aufgetreten. 

Feuerpause in der Nähe des Akw Saporischschja für ReparaturenEine von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ausgehandelte ⁠Feuerpause zwischen Russland und der Ukraine in der Nähe des südukrainischen Atomkraftwerkes Saporischschja ist in Kraft getreten. Dies ebne den Weg für dringend notwendige Reparaturen an der Stromleitung zum Akw, teilt ‌die IAEA mit. Die Reparaturen seien erforderlich, um die Gefahr eines atomaren Unfalles zu verhindern. Techniker beider Seiten würden in den nächsten Tagen mit den Arbeiten beginnen. Das Akw ‌mit seinen sechs Reaktoren ist ‌das größte Europas. Im März 2022, kurz nach Beginn der groß angelegten russischen Invasion der Ukraine, brachten russische Truppen das Atomkraftwerk unter ihre Kontrolle. Immer wieder kam es rund um das nahe der ​Front gelegene Akw zu Kämpfen, auch auf ⁠dem Gelände selbst schlugen wiederholt Geschosse ein und verursachten Schäden. Das Akw ist aus Sicherheitsgründen nicht in Betrieb. In der ​Anlage befindet sich allerdings radioaktives Material.

US-Repräsentantenhaus trotzt Trump und stimmt für Ukraine-HilfenDas US-Repräsentantenhaus hat am Donnerstag für neue Hilfen für ​die Ukraine und Sanktionen gegen Russland gestimmt. Der sogenannte „Ukraine Support Act“ ⁠passierte die Kammer mit 226 zu 195 Stimmen. Dabei schlossen sich 18 Republikaner und ein Unabhängiger den Demokraten an. Dies gilt als Zeichen ‌dafür, dass einige Parteikollegen von US-Präsident Donald Trump bereit sind, sich gegen ihn und die Führung der Republikaner zu stellen. Der Gesetzentwurf sieht ‌unter anderem Hilfen ‌in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar sowie direkte Kredite von bis zu acht Milliarden Dollar für die Regierung in Kiew vor. Zudem sollen strenge ​Sanktionen und Exportkontrollen gegen russische Finanzinstitute, ⁠den Öl- und Bergbausektor sowie Regierungsvertreter verhängt werden. Die ukrainische Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna, bezeichnete ​die Entscheidung auf X als wichtigen Schritt nach vorn, der die ⁠anhaltende überparteiliche Unterstützung für ‌ihr Land zeige. 

Wadephul an Putin: Über Ukraine mit Europäern verhandeln Außenminister Johann Wadephul ruft Wladimir Putin mit eindringlichen Worten zu Verhandlungen über eine Friedenslösung in der Ukraine auf - unter Beteiligung der Europäer. Er appellierte beim Treffen mit seinem Kollegen Roberto Velasco in Mexiko-Stadt an den russischen Präsidenten: 

Selenskyj schlägt persönliches Treffen mit Putin vor Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einem offenen Brief an Wladimir Putin ein persönliches Treffen mit dem russischen Staatschef vorgeschlagen. „Die Ukraine schlägt vor, diesen Krieg durch einen direkten Austausch zwischen Ihnen und uns zu beenden. Ich schlage ein Treffen vor“, schrieb Selenskyj in dem Brief, der am Donnerstag auf der Website der ukrainischen Präsidentschaft veröffentlicht wurde.„Die Ukraine ist für eine vollständige Waffenruhe für die Dauer der Verhandlungen bereit“, fuhr Selenskyj fort. Er schlug zudem einen Austausch aller Kriegsgefangenen vor und erklärte, dies könne ein „guter Auftakt zur Beendigung des Krieges“ sein.Die Mehrheit der Russen sei der ukrainischen Raketen- und Drohnenangriffe, der Inflation und der Treibstoffknappheit überdrüssig und bereit für den Frieden. Sollte Putin nicht zu dem Schluss kommen, dass es Zeit für ein Kriegsende sei, werde die Ukraine weiter um ihre ‌Existenz kämpfen. Dies könne Putins Machtposition gefährden. „Es ist eine Tatsache in der russischen Geschichte, die Sie gut kennen: Wenn Russland müde wird, steht ein Wandel bevor“, heißt es in dem Schreiben.Der Kreml erklärte als Reaktion auf Selenskyjs Brief, der ukrainische Präsident könne „jederzeit nach Moskau kommen“. Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow fügte hinzu, der Brief sei Putin noch nicht gezeigt worden.Der Brief ist einer der wenigen Fälle, in denen Selenskyj sich seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 direkt an Putin gewandt hat. Von den USA vermittelte Verhandlungen liegen derzeit wegen des Irankriegs praktisch auf Eis.

Putin: Wir müssen die Luftabwehr verbessernWährend Wladimir Putins „Internationalen Wirtschaftsforums“ in Sankt Petersburg trifft der russische Herrscher traditionell die Leiter mehrerer Nachrichtenagenturen aus aller Welt. Auch in diesem Jahr. Ein naheliegendes Thema war der ukrainische Drohnenangriff, der am Mittwochmorgen kurz vor der Eröffnung des Forums ein Ölterminal im Hafen von Petersburg in Brand gesetzt sowie nach ukrainischen Angaben eine Explosion auf einem Kriegsschiff auf der Insel Kronstadt verursacht hat. „Russland hat ein Luftabwehrsystem\", sagte Putin dazu am Donnerstag. „Ja, wir müssen es verbessern. Ja, wir müssen es stärken. Und das werden wir tun.“ Putin relativierte zudem den in der Vergangenheit noch von ihm selbst gefeierten Einsatz der Mittelstreckenrakete Oreschnik gegen Ziele in der Ukraine. Die Waffe sei noch nicht „im ganzen Sinne des Wortes“ eingesetzt worden, sagte er nun. Zum ersten Mal überhaupt war die Oreschnik im November 2024 gegen ein Rüstungswerk in der Stadt Dnipro eingesetzt worden, im Januar dieses Jahres dann gegen einen Gasspeicher nahe Lemberg (Lwiw) sowie am 24. Mai gegen die Stadt Bila Zerkwa nahe Kiew und, wie schon zuvor vermutet wurde, im ostukrainischen Donezker Gebiet.Letzteren Einsatz bestätigte Putin nun erstmals, äußerte sich aber nicht zu der Vermutung von Beobachtern, diese zweite Oreschnik könne über russisch kontrolliertem Gebiet niedergegangen sein. Bei allen Einsätzen waren die Raketen ohne Sprengladung oder nur mit Übungsmunition eingesetzt worden und hatten allein aufgrund ihrer Bewegungsenergie Schäden am Boden angerichtet.Oreschnik abgefeuert, um zu prüfen, „wie die Raketenblöcke liegen“Fachleute haben in der Vergangenheit die Überzeugung geäußert, eine volle Beladung könne die Zielgenauigkeit der, wie Putin immer wieder beteuert, nuklearfähigen Rakete beeinträchtigen. Offenkundig mit Blick auf Bilder einiger zerstörter Garagen in Bila Zerkwa, die Ende Mai bitteren Spott der russischen Kriegsblogger zur Folge hatten, sagte Putin, man habe die Oreschnik ganz bewusst auf „einen Schuppen“ abgefeuert, um zu prüfen, „wie die Raketenblöcke liegen“. Er behauptete, dass die Folgen dieses Angriffs anschließend von Drohnen aufgezeichnet worden seien. Dies sei notwendig gewesen, um Entscheidungen über den weiteren Einsatz der Oreschnik zu treffen. Die Kosten einer einziger dieser Raketen werden auf einen hohen zweistelligen Euro-Millionenbetrag geschätzt.