FAZ 08.08.2026
03:33 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Drei Tote bei Luftangriffen auf Vorort von Kiew


Heftige Explosionen auch in Kiew +++ US-Senat stimmt Sanktionsgesetz gegen Russland zu +++ Fußballstadion in Odessa bei Drohnenangriff beschädigt +++  alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Drei Tote bei Luftangriffen auf Vorort von Kiew

Drohne dringt im Luftraum Bulgariens ein Im Luftraum des NATO- und EU-Mitgliedstaates Bulgarien ist eine Drohne eingedrungen. Das Flugobjekt sei auf bulgarischem Staatsgebiet in einer Entfernung von 100 Metern von der rumänischen Grenze explodiert, sagte Ministerpräsident Rumen Radew nach einer Sitzung des Sicherheitsrates bei der Regierung in Sofia. Die Drohne hatte demnach eine Großmenge Sprengstoff.Teams der bulgarischen Grenzpolizei und des Verteidigungsministeriums des Landes seien dabei, die Herkunft der Drohne festzustellen, sagte Radew weiter. Es gebe keine Verletzten und auch keine Sachschäden. 

Trauerfeier für Olexij Jukow In der Wolodymyrkathedrale im Kiewer Zentrum haben hunderte Menschen dem getöteten ukrainischen Freiwilligen Olexij Jukow gedacht. Seine Gruppe „Brückenkopf“ barg an der Front die Leichen gefallener Soldaten. Am Mittwoch kam er bei einer Suchmission ums Leben. Hunderte Menschen nahmen in der Kathedrale am offenen Sarg Abschied. Jukow und seine Gruppe waren in der Ukraine bekannt, insbesondere unter Soldaten. Angehörige von „Vermissten“ verbinden mit den Suchaktionen die Hoffnung auf eine würdevolle Bestattung. Jukow selbst sprach öffentlich davon, die „Seelen der Gefallenen“ nach Hause zu holen. Seit 2014 widmete er sich der Bergung von Leichnamen des Krieges in der Ukraine. Zuvor barg er Gebeine von Gefallenen der Weltkriege. 

Russland meldet Verletzte nach Drohnenangriff auf ÖlraffinerieBei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die Ölraffinerie Ilski ‌in der südrussischen Region Krasnodar sind örtlichen Behörden zufolge fünf Menschen verletzt worden. Auf dem Gelände sei ein Feuer ausgebrochen, ‌teilten die Behörden ‌mit. Zudem wurden Drohnenangriffe auf eine Industrieanlage in der russischen Region Samara gemeldet, wie der dortige Gouverneur mitteilte. Das Unternehmen wird nicht namentlich ​genannt. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die ⁠Luftabwehr habe in der Nacht 397 ukrainische Drohnen über mehreren Regionen zerstört. Die Angaben der ​beiden Kriegsparteien können von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.

Heftige Explosionen und Brände in Kiew nach LuftalarmIn zwei Bezirken der ukrainischen ​Hauptstadt Kiew sind nach einem Luftalarm Brände ausgebrochen. Das teilte die Stadtverwaltung mit. Reporter berichteten von mehreren ⁠heftigen Explosionen. 

Selenskyj trifft Vucic Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bei seinem ersten Besuch seit Beginn des Ukrainekriegs in Serbien seinen Amtskollegen Aleksandar Vucic getroffen. Nach seiner Ankunft in Belgrad am Freitagabend traf Selenskyj den serbischen Staatschef zu einem Abendessen. Vucic erklärte anschließend, er sei überzeugt, der Besuch werde zur Entwicklung der Beziehungen und zur stärkeren Zusammenarbeit beider Länder beitragen. Serbien ist traditionell eng mit Russland verbunden.Offizielle Gespräche der beiden Präsidenten sind für Samstag im Präsidentenpalast geplant. Anschließend wollten sie nach Angaben des serbischen Präsidialamts vor die Presse treten. Selenskyj kündigte zudem Gespräche mit Regierungschef Djuro Macut an.Themen seien eine Ausweitung der wirtschaftlichen Beziehungen, die Beziehungen zur EU und „Sicherheitsfragen“, erklärte Selenskyj im Onlinedienst X. Vucic hatte bereits zuvor gesagt, es solle auch um die Zusammenarbeit im Energiebereich gehen.Der Besuch ist politisch heikel: Serbien gilt als eines der Moskau am nächsten stehenden Länder Europas und ist stark von russischen Gaslieferungen abhängig. Den wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine verhängten westlichen Sanktionen gegen Russland hat sich Belgrad nicht angeschlossen. 

Tote nach Ukrainischem Drohnenangriff auf der KrimBei einem ukrainischen Drohnenangriff auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim sind nach Behördenangaben mindestens zwei Menschen getötet worden. Bei der Attacke auf einen Wohnblock in der Stadt Kertsch habe es auch einen Verletzten gegeben, teilte der von Moskau eingesetzte Statthalter, Sergej Aksjonow, bei Telegram mit. Die Krim, die auch als Aufmarschgebiet für die russischen Truppen in Moskaus Angriffskrieg gegen die Ukraine gilt, sieht sich seit Monaten verstärkten Drohnenattacken Kiews ausgesetzt. Dabei sterben immer wieder auch Zivilisten oder werden verletzt. 

US-Senat stimmt Sanktionsgesetz gegen Russland zuDer amerikanische Senat hat nach langem Tauziehen für ein Sanktionsgesetz gestimmt, mit dem Russland wegen des Ukrainekriegs stärker unter Druck gesetzt werden soll. Die Senatoren votierten mit einer deutlichen Mehrheit von 86 zu 11 Stimmen für das maßgeblich vom unlängst gestorbenen US-Senator Lindsey Graham vorangetriebene Gesetz, das noch das Repräsentantenhaus passieren muss. Neben direkten Sanktionen gegen russische Politiker und Firmen soll es die russischen Öl- und Gas-Exporte stärker eindämmen, die für die Finanzierung des Angriffskriegs gegen die Ukraine zentral sind. Da die zweite Kongresskammer, das Repräsentantenhaus, bereits in der Sommerpause ist, wird sie voraussichtlich nicht vor September darüber abstimmen. Das Gesetz berechtigt US-Präsident Donald Trump unter anderem, die fünf größten Käufer russischer Energieträger mit Sanktionen zu belegen – sowie die fünf Länder, die Russland am meisten dabei helfen, Energiesanktionen zu umgehen. Damit könnte es die amerikanischen Handelsbeziehungen zu China und Indien weiter strapazieren, die große Bezieher russischem Erdöls sind.Zunächst sollen die fünf größten Käufer russischer Energie in den zwölf Monaten vor Inkrafttreten des Gesetzes ins Visier genommen werden. Die Zölle dürfen demnach bis zu 100 Prozent betragen. Die Höhe kann mit der Zeit angepasst werden, je nachdem, ob ein Land sich bemüht, von russischem Öl und Gas loszukommen. Wer die fünf größten Importeure sind, soll alle 180 Tage neu ermittelt werden.

Zwei Tote im Gebiet CharkiwDurch russischen Raketenbeschuss sind zwei Menschen in der Stadt Isjum in der Ostukraine getötet worden. Vier weitere seien verletzt worden, teilte der Gouverneur des Gebiets Charkiw, Oleh Synjehubow, bei Telegram mit. Ein ausgebrochener Brand auf 400 Quadratmetern werde gelöscht. Das russische Militär setzte nach Angaben der Militärverwaltung von Isjum Mehrfachraketenwerfer mit der für Zivilisten besonders gefährlichen Streumunition ein.Isjum ist etwa 30 Kilometer von der Frontlinie entfernt. Die Stadt stand 2022 nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine für mehrere Monate unter russischer Kontrolle und wurde im September 2022 befreit. Im benachbarten Gebiet Sumy wurden bei einem Drohnenangriff auf einen Markt zehn Menschen verletzt. 

Zentrales Fußballstadion von Odessa getroffen In der ukrainischen Hafenstadt Odessa ist das Fußballstadion Tschornomorez des gleichnamigen Erstligisten bei einem russischen Angriff beschädigt worden. Einen Tag vor einem Pokalspiel wurden ein Loch ins Stadiondach gerissen und die Tribüne beschädigt. Nach Angaben der Gebietsverwaltung wurde eine Frau verletzt. Zuvor hatte die ukrainische Luftwaffe vor russischen Raketen gewarnt.Der Angriff ereignete sich gegen 15:30 Uhr Ortszeit, kurz nachdem die ukrainische Luftwaffe gewarnt hatte, dass sich Drohnen Odessa näherten. Eine 29 Jahre alte Frau, die sich während des Angriffs im Stadion befand, wurde verletzt. Sie wurde vor Ort medizinisch versorgt, sagte Kiper.

Ukraine meldet schweren russischen Angriff auf Öl- und Erdgasanlagen Russland hat in der Nacht nach Angaben des staatlichen ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz sieben Öl- und Erdgasförderanlagen im Osten des Landes attackiert. ⁠Moskau greife den Sektor systematisch an, um der Infrastruktur vor dem Winter größtmöglichen Schaden zuzufügen, erklärt Interims-Firmenchef Serhij Fedorenko. Es handele sich um einen der schwersten Schläge der vergangenen Monate gegen Standorte der Naftogaz-Tochter Ukrnafta. Dabei sei wichtige Ausrüstung beschädigt worden. 

Russischer Oppositionspartei droht WahlausschlussRusslands zentrale Wahlleitung hat die Oppositionspartei Jabloko Ende Juli zur Parlamentswahl im September zugelassen. Seitdem steigt der Druck auf die Partei. Nun prüft sogar Russlands Oberstes Gericht den Ausschluss Jablokos von der Parlamentswahl im September.  Eine entsprechende Klage der kremltreuen nationalistischen Partei Rodina (Heimat) gegen die Partei Jabloko werde am Montag vor Gericht verhandelt, meldet die staatliche Nachrichtenagentur Tass. Rodina-Chef Alexej Schurawljow erklärte demnach, Jabloko sei eine vom Westen unterstützte Bewegung, die darauf abziele, die Wahlen und Russland ‌selbst zu diskreditieren. Jabloko wies die Vorwürfe als verleumderisch zurück und kündigte eine Gegenklage an, um den eigenen Ruf zu schützen. Jabloko ist die einzige Partei im Land, die sich offen gegen ⁠den Krieg in der Ukraine stellt. Es wird erwartet, dass die dominierende und Präsident Wladimir Putin unterstützende Partei Einiges Russland die Wahlen klar gewinnen wird. 

Moskau greift ukrainische Frachter anRussland hat ⁠in dieser Woche 34 Schiffe angegriffen, die nach seiner Darstellung vom ukrainischen Militär genutzt wurden. Zuvor hatte das Verteidigungsministerium in Moskau mitgeteilt, dass es drei Schiffe im Schwarzen Meer getroffen habe. Die russischen Streitkräfte greifen verstärkt Frachter ‌an, die nach Darstellung ‌Russlands militärische Güter in die Ukraine bringen. Unabhängig überprüfen lassen sich solche Angaben nicht. 

Ukrainer vertrauen Saluschnyj am meistenDer frühere ukrainische Armeechef Walerij Saluschnyj ist in einer Umfrage zum vertrauenswürdigsten Politiker seines Landes gekürt worden. Auf den Plätzen unmittelbar dahinter landeten der erst vor kurzem entlassene Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow sowie der Kommandeur der ukrainischen Drohnen-Streitkräfte, Robert Browdy. Präsident Wolodymyr Selenskyj landete in der Umfrage des sozialen Umfrageinstituts „Sozis“ nur auf dem sechsten Rang, noch hinter dem neuen Armeechef Mychajlo Drapatyj und dem Leiter seiner Präsidialkanzlei, Kyryllo Budanow.Die repräsentative Umfrage unter 2.000 Ukrainern wurde nach Angaben von „Sozis“ zwischen dem 28. Juli und 2. August durchgeführt. Neben einer Reihe von Fragen zu möglichen Favoriten bei eventuellen Wahlen lautete die wichtigste Frage: „Inwieweit vertrauen sie den folgenden politischen Führern?“ Dabei schnitt Saluschnyj, inzwischen Botschafter in London, mit 27,8 Prozent „voll und ganz“ und 37,1 Prozent „eher ja“ am besten ab, ganz knapp vor Fedorow. Selenskyj konnte 18 Prozent der Befragten mit vollem Vertrauen hinter sich sehen, ein „eher ja“ erhielt der Präsident von 24,5 Prozent. Wenig Vertrauen in ihn hatten 17 Prozent, während 37 Prozent angaben, überhaupt kein Vertrauen in ihren Staatschef zu haben. 

Nawalnaja gibt WahlempfehlungDie russische Kremlkritikerin Julija Nawalnaja hat zur Wahl der kriegskritischen Oppositionspartei Jabloko bei der Parlamentswahl im September aufgerufen. Die liberale Jabloko sei „derzeit die einzige Partei auf dem Stimmzettel, die öffentlich eine Haltung gegen den Krieg vertritt“, sagte die im Ausland lebende Witwe des verstorbenen Oppositionspolitikers Alexej Nawalnyj am Donnerstag in einem in Onlinediensten veröffentlichten Video.Es sei daher „moralisch und politisch richtig“, die Partei zu unterstützen, sagte Nawalnaja. Die Wahl sei trotz absehbarer Manipulationen die „einzige legale und sichere Gelegenheit seit vielen Jahren“, den Widerspruch gegen die russische Führung zum Ausdruck zu bringen.Jabloko fordert als einzige zur Wahl zugelassene Partei ein Ende des Kriegs in der Ukraine. Die Parteiführung bezeichnet die Abstimmung als Referendum, das dem Kreml zeigen solle, dass Millionen Russen den Krieg ablehnten.